Was für ein Risikotyp sind Sie?

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Börsianer pendeln zwischen Typ A und B

Sigmund Freud, der Vater der Tiefenpsychologie, behauptete einmal, dass Menschen danach trachten, ihre Erregungen zu reduzieren. Er hatte natürlich den Sextrieb gemeint, aber es lässt sich ein Vergleich zur Börse ziehen. Jeder Börsianer hat nämlich eine eigene Neigung um Spannungen auf- und abzubauen. Börse befriedigt den Spieltrieb und der Einsatz des Kapitals erzeugt die Spannung.

Nehmen wir als Beispiel die Aktienanlage: Jeder Börsianer pendelt bei seiner Entscheidungsfindung zwischen einer relativ langweiligen Aktienanlage mit bewegungsarmen Standardwerten und dem maximalen Risiko, wie es zum Beispiel von gehebelten Aktienderivaten ausgeht. Zwischen diesen beiden Extremen gibt es unendliche viele Variationen des Anlagerisikos.

Risikoneigung ist keine fixe Größe

Der englische Psychologe Michael Apter untersuchte die Risikoneigung von Menschen und baute die Erkenntnisse in einem Modell ein, das er Reversal Theory nannte. Seine Erkenntnis: Menschen sind nicht grundsätzlich risikofreudig oder risikoavers. Es gibt Zeiten und Situationen in denen Ruhe und Frieden gesucht wird, und auch andere Zeiten in denen Anregung und Stimulation bevorzugt wird. Nur Verrückte beschäftigen sich 24 Stunden am Tag mit gefährlichen Dingen. Apters Theorie besagt, dass Menschen ein Leben lang zwischen den zwei Polen hin und her pendeln.

Christian Lukas

Christian Lukas

Christian Lukas beschäftigt sich sein 1998 mit der Börse. Als privater Trader handelt er in erster Linie den DAX- und den Bund-Future. Seine Spezialität ist die Volumen-Analyse. Dabei wird der Kursverlauf mit dem Handelsvolumen in eine Beziehung gesetzt. Ziel ist die frühzeitige Erkennung von Veränderungen in Angebot und Nachfrage des Handelsobjektes. Weitere Infos unter www.volumen-analyse.de.
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Der Grenzzustand A ist ein Extrem bei dem wir ein geringes Maß an Erregung bevorzugen. Wir wollen es friedlich und angenehm haben. Starke Erregung wird als unangenehm und angsterregend empfunden. Das Gegenstück ist der Grenzzustand B. Es ist ein Befinden, das als Langeweile empfunden wird. Man wünscht sich ein gesteigertes Maß an Erregung und Vergnügen.

Jeder Börsianer lässt sich charakterpassend in einen Durchschnittszustand zwischen Extrem A und B einordnen. Das wäre der Normalzustand der Persönlichkeit. Der Durchschnittszustand passt allerdings nicht zwingend zum Markt. Deshalb entsteht daraus eine Unzulänglichkeit in der Risikobewertung.

Eigenschaften der Trader-Typen

In Apters-Modell sind Personen des Typs A ernsthaft und ehrgeizig. Es fällt ihnen schwer, sich zu entspannen, weil sie immer gewinnen wollen. Börsianer des Typs B mögen Spiel, Spaß und Aufregung. Sie sind lockerer und verarbeiten Verluste schneller.

Apter ist mit seiner Einteilung jedoch nicht streng. Auch Menschen des Typs A verbringen einen Teil ihrer Zeit im Zustand B.
Die Quintessenz liegt nun darin, dass man als Trader wissen sollte, ob man grundsätzlich eher zum Typ A oder zum Typ B neigt. Je ausgeprägter ein Mensch zum Typ A gehört, umso häufiger wird er Erregung vermeiden und geringes Risiko eingehen. Der Typ A sucht Top-Gelegenheiten im Markt und plant den Trade akribisch. Seine Performance muss aber nicht zwingend hoch sein. Weil er zu oft risikoavers handelt, setzt er zu wenig Kapital ein.

Im Gegensatz dazu sucht der Typ B ständig neue Anregungen. Seine Handelsfrequenz ist hoch. Die Schwelle der Langeweile liegt sehr niedrig, deshalb geht er manchmal Trades ein, die nur ein schwaches Chance-Risiko-Verhältnis haben.

Welche Hinweise zur Zuordnung gibt es?

Indizien für die Typ-Zuordnung lassen sich wissenschaftlich leicht über die Anspannung der Muskeln, mit der Herzfrequenz oder die Gleichmäßigkeit der Atmung finden. Ein guter Trader kann sich mit ein wenig Selbstreflexion eigenständig einordnen. Sogar die Trading-Historie bietet viele Hinweise zur Persönlichkeit.

Der bekannte Spekulant George Soros erzielte 1992 mit einer berühmten Short-Spekulation auf den englischen Pfund einen spektakulären Gewinn. Die Mitarbeiter seiner Firma kamen auf die Idee der Short-Spekulation. Sie schlugen Soros vor, mit 1 Milliarde englische Pfund die Wette einzugehen, und dann die Position langsam zu erhöhen. Vermutlich war die Größenordnung von 1 Milliarde Pfund der passende Betrag zu einem soliden Risiko- und Moneymanagement. George Soros bestand jedoch darauf, den Trade mit einer Position von 10 Milliarden Pfund sofort umzusetzen. Am Abend ging er ins Bett und schlief tief und fest. Wenige Stunden später konnte er einen Gewinn von 968 Millionen US-Dollar verzeichnen. In der Phase war Soros eindeutig dem Typ B zuzuordnen.

Der hohe Gewinn in kurzer Zeit klingt bemerkenswert. Der oben beschriebene Trade macht deutlich, dass Soros für außergewöhnliche Gewinne, auch hohe Risiken einzugehen bereit ist. Vermutlich wird er in seinem Leben öfter den Tipp erhalten haben, dass er einen Berater für Risiko- und Moneymanagement beschäftigen sollte.

Extrovertierte Menschen des Typ B neigen oft dazu finanzielle Risiken einzugehen, und gleichzeitig ihre Kontrollmechanismen zu vernachlässigen. Sie sind von ihrer Handelsidee so begeistert, dass sie das Ausmaß des Risikos verdrängen. Dabei liegt die Vermutung nahe, dass die Kapitalkurve des Typ B über einen langen Zeitraum höhere Schwankungen im Vergleich zu Typ A aufweist.

Der Typ A lernt schneller aus seinen Fehlern, insbesondere dann, wenn er eher zu den introvertierten Börsianern gehört. Außerdem reagiert der Typ A schneller auf Unregelmäßigkeiten, und versucht die Risiken besser zu steuern.

Der Zeitrahmen des Tradings sollten zum Typ passen

Wer sich selbst in der Skala von Typ A bis B richtig einschätzen kann, der sollte fähig sein, seinen Handel zu verbessern. Man kann die Timeframe, also den Zeitrahmen in den man üblicherweise handelt, so definieren, dass möglichst wenig Stress aufkommt, und doch das Trading so anregend bleibt, das niemals Langweile entsteht.

Einfaches Daytrading mit dem Bund-Future im 15-min-Chart

Bild: Einfaches Daytrading mit dem Bund-Future im 15-min-Chart

Die psychologische Situation im oberen Chart wäre ideal für den Trader Typ B. Das Beispiel zeigt eine Situation im Daytrading. Im Beispiel gibt es einen Trendkanal (Keltner-Channel) als Filter, der am 22.März.2018 eine starke Aufwärtsbewegung anzeigt. Ab diesem Zeitpunkt ist es ratsam, ausschließlich Long-Positionen einzunehmen. Um einen solchen Trendtag zu traden, kann man zum Beispiel einen kurzfristigen Stochastik-Indikator nutzen. Der Trader muss dabei laufend den Markt beobachten und auf Einstiegssignale warten. Ist er in einer Position eingestiegen, muss er diese beobachten und gegebenenfalls risiko-adjustiert behandeln.

Beim Handeln wäre der Trader in einem maximalen Zustand der Erregung. Der Markt läuft wie erwartet, und der Trader kann mithilfe der Positionsgröße seine Gewinne maximieren.

Das zweite Beispiel zeigt einen typischen Handel für den Charaktertyp A.

Langfristiger Börsenhandel mit dem Bund-Future im Wochen-Chart

Bild: Langfristiger Börsenhandel mit dem Bund-Future im Wochen-Chart

Das Beispiel entsteht aus einer langfristigen Betrachtungsweise. In dem Fall wäre vermutlich eine Analyse des Leitzinses vorangegangen. Weil sich der Bund-Future langfristig invers zum EZB-Leitzins verhält. Der Keltner-Channel zeigt wie auch im ersten Beispiel die Kursrichtung an, und der Stochastik-Indikator übernimmt das Ein- und Ausstiegs-Timing. Im Gegensatz zum ersten Beispiel sollte der Stochastik-Indikator signalarm gehandelt werden. Mit der oberen Einstellung wäre das Überkreuzen der 50er-Mittellinie eine passende Herangehensweise. Kleinere Bewegungen der Stochastik sind nicht von Interesse.

Beobachten Sie Ihr Trading-Verhalten

Selbstreflexion ist eine wichtige Voraussetzung für den erfolgreichen Börsenhandel. Sowohl der kurzfristige als auch der langfristige Handel haben ihre Existenzberechtigung. Grob könnte man den kurzfristigen und aktiven Handel eher dem Charaktertyp B zuordnen, und im Gegensatz dazu sollte der langfristige Investmentstil zum Typ A passen.

 

Trading mit GDL

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