Aktien KGV Erklärung


Eine der am häufigsten gebräuchlichen Kennziffern zur Bewertung von Aktien ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (kurz KGV, engl. P/E-Ratio oder Price-Earnings-Ration PER). Lesen Sie weiter, wenn Sie erfahren möchten, welche Werte zur Berechnung des KGV herangezogen werden und wie diese Kennzahl interpretiert werden muss. Wenn Sie sich einen Überblick über die verschiedenen Typen von Aktien verschaffen wollen, dann empfehlen wir unseren Ratgeber zum Thema: Aktienarten.

Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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So können Sie das KGV berechnen

Wie der Name es bereits erahnen lässt, setzt das KGV grundsätzlich den Gewinn je Aktie in Relation zum Aktienkurs:

Aktienkurs

KGV =     ———————-

Gewinn je Aktie

In der Regel wird der Gewinn je Aktie mit dem derzeitigen Wert beziffert. Investoren können die Aktienkurse verschiedener Unternehmen so schnell und unkompliziert vergleichen und auf diese Art und Weise Aktien ausmachen, die aktuell besonders „günstig“ sind. Da an der Börse aber immer auch auf zukünftige Kursentwicklungen spekuliert wird, kann hier ebenso ein zu erwartender oder Schätzwert zur Berechnung des KGV genutzt werden.

Zum besseren Verständnis ein kleines Rechenbeispiel:

Themenicon Technische_AnalyseUnternehmen A und Unternehmen B – beide im Finanzsektor beheimatet – haben als Gewinn pro Aktie für das vergangene Jahr jeweils 5,00 Euro ausgegeben.

Während der Aktienkurs von Unternehmen A bei 60,00 Euro liegt, können Sie die Aktien von Unternehmen B bereits für 50,00 Euro das Stück erwerben.

Das KGV von Unternehmen A liegt demnach (Aktienkurs = 60,00 Euro / Gewinn je Aktie = 5,00 Euro) bei 12,0. Dem gegenüber steht das KGV von Unternehmen B, der mit 10,0 angegeben wird (Aktienkurs = 50,00 Euro / Gewinn je Aktie = 5,00 Euro).

Der Gewinn je Aktie ins Verhältnis gesetzt zum aktuellen Aktienkurs ergibt eine der bedeutendsten Kennzahlen des Aktienmarktes: das KGV. Investoren können dank des Kurs-Gewinn-Verhältnis die Aktien verschiedener Unternehmen miteinander vergleichen.

Was sagt das KGV aus?

Themenicon TippsBleiben wir bei obigem Rechenbeispiel. Im Falle von Unternehmen A gibt das KGV an, dass die Aktie mit dem 12-fachen Wert des Gewinns am Markt gehandelt wird. Dies bedeutet gleichzeitig, dass Sie als Anleger zwölf Jahre warten müssen, bis eine Aktie ihren bezahlten Preis wieder erwirtschaftet hat.

Voraussetzung hierfür ist allerdings ein konstanter Gewinn der Aktie von 5,00 Euro im Jahr. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass das Unternehmen für jede ausgegebene Aktien einen Gewinn von 5,00 Euro erwirtschaften muss. Falls 1 Mio. Aktien im Umlauf sind, muss der Jahresgewinn also 5 Mio. Euro betragen.

Ein niedriges KGV ist daher als vorteilhaft zu betrachten. Käufer einer Aktie von Unternehmen B müssen nur 10 Jahre warten, bis der Gewinn der Aktie in Höhe von 5,00 Euro den Kaufpreis wieder ausgeglichen hat. Konjunkturzyklische Schwankungen wirken sich hier vergleichsweise geringer auf die Gewinnerwartung aus. Problematisch wird es allerdings, wenn das Unternehmen Verluste schreibt. Laut Definition rutscht das KGV dann in den negativen Bereich, wodurch es niemals möglich wäre, eine Aktie über den Gewinn zu bezahlen.

Ein niedriger KGV im Vergleich zum Gesamtmarkt oder zu anderen Unternehmen ist auf den ersten Blick also ein gutes Zeichen für Anleger, da die Gewinnerwartung hinsichtlich des Kaufpreises deutlich positiver ausfällt. Oder kurz gesagt: die Aktie ist umso preiswerter, je kleiner das KGV ist. Doch neben der Möglichkeit, durch Verluste einen negativen KGV hervorzurufen, gibt es die eine oder andere weitere Tücke, auf die wir im Text noch zu sprechen kommen.

Ab welchem KGV ist die Aktie günstig?

Themenicon kostenHier eine allgemeingültige Aussage zu treffen, ist fast nicht möglich. Abhängig von Branche, Land oder Zeit weißen die Kurs-Gewinn-Verhältnisse erhebliche Unterschiede auf. Bis Ende der 1980er Jahre wurde ein KGV von 15 beispielsweise als teuer angesehen, wohingegen das KGV des amerikanischen S&P 500 Index im historischen Durchschnitt bereits im Jahre 2002 bei 14,7 lag. Zur Berechnung wurden die KGV aller im Index gelisteten Aktien der vergangenen 70 Jahre herangezogen.

Die KGV aller im Deutschen Aktienindex („DAX“) gelisteten Unternehmen lagen im Jahr 2014 zum größten Teil zwischen 10 und 25. Ein KGV unter 12 kann durchaus als günstig angesehen werden, hier positionierten sich vergangenes Jahr beispielsweise die Volkswagen AG (KGV: 8,44) und die Münchner Rückversicherungs-Gesellschaft AG (KGV: 9,09). Extreme Ausreißer nach oben gab es nur seitens der Deutsche Lufthansa AG (KGV: 115,61), der ThyssenKrupp AG (KGV: 60,35) und der Commerzbank (KGV: 47,35).

Empfehlenswert ist es, von Aktien, die deutlich über oder unter dem marktweiten KGV Durchschnitt liegen, die Finger zu lassen. Auch wenn die Aktien beispielsweise im Falle eines sehr hohen Kurs-Gewinn-Verhältnisses in der Regel zu einem günstigen Kurs erworben werden können, ist die Gewinnerwartung eindeutig als zu niedrig zu bewerten.

Umgekehrt kann auch ein sehr niedriger KGV ein Warnsignal sein. Oftmals erwartet der Markt in so einem Fall starke Gewinneinbrüche des Unternehmens, wodurch langfristig der Aktienkurs fällt. Ein niedriger Aktienkurs wirkt sich allerdings nur auf den ersten Blick positiv auf den KGV aus, da auch die zunächst hohe Gewinnerwartung alsbald nicht mehr gehalten werden kann.

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Ob eine Aktie günstig ist, entscheidet nicht nur der Preischart

Das KGV als Kennzahl ist ein nützliches Werkzeug bei der Bewertung und dem Vergleich der Aktienkurse einzelner Unternehmen. Als Merksatz gilt zwar „niedriger ist günstiger“ allerdings sollten Aktien spätestens ab einem KGV unter 8 mit äußerster Vorsicht behandelt werden. Je nach Branche und Konjunkturlage variieren die Kurs-Gewinn-Verhältnisse mitunter sehr stark, einen Idealwert gibt es also nicht. Wichtig ist bei der Überlegung ist jedoch nicht nur der Preis der Aktie, sondern auch die Ordergebühr. Wir empfehlen deshalb unseren Online Broker Vergleich.

Problematik bei der KGV Berechnung

Themenicon KontaktDa das KGV immer auf Kennzahlen zurückgreift, die entweder tagesaktuell sind oder in der Vergangenheit liegen, sind Aussagen über zukünftige Gewinnentwicklungen des Unternehmens rein spekulativ. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist einerseits zwar ein gern eingesetztes Mittel zur Bewertung von Aktien, kann unerfahrene Anleger andererseits aber schnell vor Probleme stellen, wenn diese das KGV als „Wundermittel“  und einziges Kaufargument einer Aktie betrachten.

Insbesondere der Gewinn pro Aktie für das laufende Geschäftsjahr kann regelmäßig revidiert werden, da es sich hier lediglich um eine reine Schätzung handelt, die von zahlreichen, unvorhersehbaren innerbetrieblichen Ereignissen beeinflusst werden kann. Positiv wie auch negativ.

Weiteres Problem: die Gewinnkennzahlen, die Aktiengesellschaften im Jahresbericht präsentieren, sind oftmals „geschönt“. Es ist zwar einerseits nicht verboten, beispielsweise nur den Gewinn vor Steuern anzugeben und so den Jahresabschlussbericht aufzuhübschen, andererseits fallen Anleger regelmäßig auf diesen kleinen Kniff herein und lassen sich von diesen Zahlen blenden. Relevant für das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist lediglich der Gewinn, der nach Abzug von konzernfremden Gewinnanteilen, Steuern und Zinsaufwand übrig bleibt.

Damit die Kurs-Gewinn-Verhältnisse einzelner Aktien sinnvoll miteinander verglichen werden können, muss bei allen Aktienkursen der gleiche Zeitpunkt zur Berechnung herangezogen werden. Es macht daher keinen Sinn, den Kurs der Aktie von Unternehmen A zu Jahresanfang mit dem aktuellen Tageshoch der Aktie von Unternehmen B zu vergleichen.

Als Variante zum oben beschriebenen KGV, welches lediglich den unter Umständen kaum aussagekräftigen Vorjahresgewinn berücksichtigt, hat der bekannte US-Ökonom Robert J. Shiller ein 10-Jahres-KGV entwickelt, welches –inflationsbereinigt – den mittleren Gewinn der vergangenen zehn Geschäftsjahre berücksichtigt. Dieses wird auch als „Shiller-KGV“ bezeichnet und ist auf Grund des längeren Betrachtungszeitraums deutlich aussagekräftiger als die klassische Variante.

Fazit: KGV ist eine der wichtigsten Kennzahlen

Fazit:
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist als eine der wichtigsten Kennnummern vom Aktienmarkt definitiv nicht wegzudenken.

Mit kaum einer anderen Methode lassen sich die Aktien mehrerer Unternehmen ähnlich schnell vergleichen. Allerdings sollten sich gerade Anfänger im Börsenhandel nicht alleine auf diese Zahl verlassen und vor dem Aktienkauf immer auch weitere Unternehmenszahlen langfristig im Auge behalten und vor allem die Regeln beim Aktienkauf beherzigen


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