So funktioniert erfolgreicher Trendhandel

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In der Literatur ist der Trendhandel ganz einfach – aber nur dort

In vielen Trading-Büchern findet man die Aussage, dass die Gewinnchancen im Trend besonders hoch sind. Wahrscheinlich ist sogar die Mehrzahl der Börsenliteratur auf das Ausnutzen von Trends aufgebaut. Doch oft ist der Umstieg von der Theorie zur Praxis ernüchternd.

Ein Trend definiert sich dadurch, dass die Mehrheit der Marktteilnehmer über einen längeren Zeitraum die gleiche Marktmeinung vertritt. Gleichzeitig sind sich die Fachleute der Behavioral Finance (Börsenpsychologie) einig, dass die Mehrheit der Börsenteilnehmer falsch liegt. Wenn also die Mehrheit oft falsch liegt, wie passt das mit erfolgreichen Trendhandel zusammen?

Christian Lukas

Christian Lukas

Christian Lukas beschäftigt sich sein 1998 mit der Börse. Als privater Trader handelt er in erster Linie den DAX- und den Bund-Future. Seine Spezialität ist die Volumen-Analyse. Dabei wird der Kursverlauf mit dem Handelsvolumen in eine Beziehung gesetzt. Ziel ist die frühzeitige Erkennung von Veränderungen in Angebot und Nachfrage des Handelsobjektes. Weitere Infos unter www.volumen-analyse.de.
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Die Marktstruktur ist entscheidend

Um den Widerspruch innerhalb des Trendhandels aufzulösen werden, muss man sich die Marktstruktur näher betrachten. Jede Marktstruktur kann über die Marktsteigung und seine Volatilität definiert werden. Hat die Steigung eine beständige Aufwärts- oder Abwärtsneigung, so ist ein Trend definierbar. Trends laufen weiter, wenn die Mehrheit (ungefähr zwischen 50 und 70%) der Marktteilnehmer, eine einheitliche Meinung vertreten. Als zusätzliche Eigenschaft kommt die Volatilität hinzu. Die Volatilität steht in einem engen Zusammenhang mit den Emotionen der Marktteilnehmer. Je höher die Emotionen, desto schwankender wird die Kursbewegung.

Märkte mit erhöhter Crash-Gefahr?

Innerhalb der Aktienmärkte gibt es Unterschiede in den Bewegungsmustern. Die „natürlichsten“ Bewegungen gibt es innerhalb der Terminmärkte. Ein Markt läuft grundsätzlicher harmonischer, wenn es allen Markteilnehmern erlaubt ist, Long- und Short-Positionen aufzubauen. Nur so kann die Volatilität in der Auf- und Abwärtsbewegung ähnlich verlaufen.

Anders sieht es aus, wenn in Aktienmärkten Short-Positionen verboten sind. Solche Verbote sind oft von unwissenden Politikern per Gesetz festgelegt worden. Die Politiker unterliegen dem Irrglauben, dass die Crash-Gefahr vermindert werden würde. Mehrere wissenschaftliche Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass genau das Entgegengesetzte passiert. Die Crash-Gefahr erhöht sich!

Sieht man sich zum Beispiel den DAX an, dann stellt man fest, dass erhöhte Volatilität mit Angst und fallenden Kursen verbunden sind. Sinkt die Volatilität gibt es meist steigende Kurse und Zuversicht. Für den DAX-Rhythmus heißt das: Es gibt zeitlich lange, schwankungsarme Aufwärtsbewegungen und kurze, ruckartige Abwärtsbewegungen.

In einem freien Markt mit der Möglichkeit Short-Positionen aufzubauen, gibt es bei zu hohen Kursen einige Marktteilnehmer, die auf fallende Kurse setzen. Der Markt hat es deshalb schwerer übertrieben hoch steigen, und die Gefahr der Blasenbildung reduziert sich.
Wenn dann der Markt in eine Abwärtsbewegung übergeht, und die Short-Positionen im Gewinn liegen, gibt es die natürliche Neigung die Buchgewinne zu realisieren. Das bedeutet im praktischen Handelsablauf, dass die Short-Positionierten, die ersten Marktteilnehmer sind, die in einer Abwärtsbewegung wieder kaufen. Denn: Um zum Beispiel eine Short-Position mit 10 Microsoft-Aktien zu schließen, muss man 10 Microsoft-Aktien kaufen. Die Mitnahme des Gewinns aus der Short-Position führt dazu, dass die Crash-Gefahr abgefedert wird. Deshalb gibt es in freien Märkten mit Long- und Short-Positionen geringere Volatilitätsunterschiede bei Auf- oder Abwärtsbewegungen.

Wann der Trend kippt

Wenn viele Marktteilnehmer gleicher Meinung sind, dann wird der Trend steiler – irgendwann sogar zu steil. Ein gewisser Grenzwert liegt zwischen 65 und 70% der Marktteilnehmer.

Darüber kann der Markt sehr leicht in die entgegengesetzte Richtung kippen. Mehr oder weniger funktioniert so das Konzept der Überkauft-Überverkauft-Logik. Dann gibt es kurzfristig zu viele Marktteilnehmer die bullish bzw. bearish sind – und es gibt zu wenige, die den Markttrend weiter füttern könnten.

Es gibt mehr Seitwärts- als Trendphasen

Aktienmärkte bewegen sich die meiste Zeit über in Seitwärtsbewegungen. Eine Seitwärtsbewegung ist das „Arsen“ der Trend-Trader. Immer dann, wenn der Markt scheinbar einen Trend ausbildet, kippt er wieder um, und wechselt die Richtung. So verlieren Trend-Trader immer ein wenig Geld. An diesem Punkt scheitern die meisten Börsenanfänger.

Die kleinen Geldverluste sind unvermeidlich, weil die meisten Trendfolgesysteme nur eine Trefferquote zwischen 30 und 50% haben. Die relativ schlechte Trefferquote sagt aber nichts über den Erfolg des Trend-Traders aus. Denn der durchschnittliche Gewinn je Trade ist um ein vielfaches höher als der durchschnittliche Verlust.

Lange Trends sind Goldadern

Gelegentlich gibt es Zeiten, in denen der Markt einem sehr langen Trend folgt. In diesen Marktphasen verdienen sogar Börsenanfänger und Mitläufer gutes Geld. Begriffe wie „Milchmädchen-Hausse“ wurden in solchen Börsenzeiten geprägt. Aber auch scheinbar endlose Trends enden irgendwann, um anschließend Börsenanfänger in einen Schockzustand zu versetzen. Eine Börsenblase ist das Ergebnis überzogener Trends, und wenn diese platzt, gibt es eine dramatische Gegenbewegung. Deshalb geben viele Börsianer bei einem schnellen crash-artigen Markt einen Großteil ihrer Buchgewinne wieder ab.

Die richtigen Filter helfen

Die Profis benutzen Filter, um Trends oder Seitwärtsmärkte zu diagnostizieren. Ein Trend-Trader ist niemals der erste im Trend – aber er surft seine Kurswellen mit großer Ausdauer. Technische Filter und die Diagnose des Trends entscheiden über Erfolg und Misserfolg. Ein Trendfilter macht die Trend-Diagnose objektiver.

 

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Bild: Wochen-Chart des DAX-Futures mit Filter-Indikatoren

Im oberen Chart-Beispiel wurde der FDAX mit drei bekannten Filterindikatoren analysiert.

Der ADX-Filter

ADX(14) (Average Directional Movement Index) wird hier mit einer Einstellung von 14 Perioden abgebildet. Der ADX zeigt die Trendstärke eine Bewegung an. Er zeigt aber nicht die Richtung. Bei der Einstellung von 14 Perioden sind die Grenzwerte 15, 30 und 40 prägnant. Ist der DAX unter 15, dann herrscht Trendlosigkeit. Steigt der ADX über 20 kann sich ein Trend bilden. Ab einem ADX-Wert von 25 besteht ein Trend. Und über 30 wird der Trend sehr stark. Bei einem Grenzwert von 40 ist der Trend in einer überzogenen Phase. Eine Blase wird wahrscheinlich. Meistens schafft es der Trend aber nicht in den Extrembereich von über 40. Vielmehr erschöpft sich die Trendbewegung bei Werten zwischen 30 und 40.

Der Aroon-Filter

In der Mitte befindet sich der Aroon mit 20er Periodeneinstellung. Der Aroon ist ein sehr direkter Trendfilter, denn er richtet sich nach den Hochs und Tiefs des Marktes. Der Aroon unterteilt sich in zwei Indikatorenlinien. Der Aroon-Up zeigt nur die Hochs und der Aroon-Down nur die Tiefs. Im Indikator wird das optisch durch grüne und rote Flächen sichtbar. Der Aroon zeigt praktisch den Rhythmus der Hochs und Tiefs. Gibt es viele Hochs, dann steigt der Aroon-Up. Bei vielen Tiefs steigt der Aroon-Down an.

Der Aroon ist zu dem ein guter Einstiegsfilter, wenn man in der Ruhe eines Trends in den Markt einsteigen möchte. Wenn sowohl der Aroon-Up als auch der Aroon-Down unter einem Wert von 50 liegen, herrscht Ruhe im Markt. In Abhängigkeit zur langfristigen Trendrichtung ergibt das eine gute Einstiegschance, um von einer Trendfortsetzung zu profitieren.

Der HV-Filter (Historische Volatilität)

Der unterste Indikator sagt etwas über die Volatilität des Marktes aus. Hier geht es um die historische Volatilität (6/100). Dabei werden die jüngsten 6 Schlusskurse mit den letzten 100 der Vergangenheit verglichen. Das Ergebnis ist eine Aussage über die Schwankungsfreude des Marktes. Im Allgemeinen bringen panische Verkäufe eine hohe Volatilität. Sobald der Trend stark ist und die Volatilität gering, ist die Kursbewegung stabil. In diesem Fall, sollte man sich unter keinen Umständen dem Trend entgegen stellen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass man vom ihm überrollt wird. In diesem Fall wäre die niedrige Volatilität eher eine Chance zum Einstieg in Trendrichtung. Bei einem Grenzwert der historischen Volatilität von kleiner als 0,5 herrscht absolute Ruhe im Markt. Unruhe gibt es über den Indikatorwert von 1. Gier und Angst sieht man bei Werten von über 1,5.

Tipp für die Anwendung der Marktfilter

Die meisten Filter funktionieren mit üblichen Periodeneinstellungen. Die Einstellung sollte weder zu klein noch zu groß sein. Dazwischen hat man die freie Wahl. Ob der Trader eine 10er, 15er oder eine 25er-Einstellung wählt, ist eigentlich egal. Sehr viel wichtiger ist das Wissen um Grenzwerte. So hat eine 15er-Einstellung andere Grenzwerte als eine 25er. Besonders bei Marktfiltern sollte man deshalb nicht mit den Einstellungen spielen. Das schafft nur Unsicherheit. Besser ist es, immer nur mit einer einzigen Einstellung zu arbeiten. Nur so bekommt man ein Gefühl für die relative Lage des Indikators und dem Markt.

 

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