Goldman Sachs forciert High-Speed-Handel

Nun will die US-Investmentbank doch in den Hochfrequenzhandel einsteigen. Im letzten Jahr klang das noch anderes: Der High-Speed-Handel berge zu große Risiken für die Finanzmärkte. Jetzt folgt aber die Kehrtwende. Golman Sachs will in Personal und Technologie investieren und im High-Speed-Handel konkurrenzfähig werden.

Dabei helfen soll ein spezialisierter Top-Manager vom großen Rivalen Morgan Stanley, den man unbedingt abwerben will. Schon im Januar wechselte ein Experte für das Geschäftsfeld von Allston Trading zu Goldman Sachs. Im April erwarb man dann eine Beteiligung von 20,5 Millionen Dollar an Perseus. Das Unternehmen rüstet Turbo-Händler mit Netzwerktechnik aus. In der nächsten Zeit soll ein komplett neues Team aufgebaut werden, dass sich um die High-Speed-Geschäfte der Bank kümmern soll.

Noch vor einem Jahr warnte Gary Cohn, der Präsident des Bankenhauses, vor den Risiken durch den starken Anstieg automatisierte High-Speed-Geschäfte. Die Bank forderte sogar eine schärfere Regulierung.

Kritik am High-Speed-Handel

Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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Worum geht es? An der Börse sind automatisierte Handelssysteme mittlerweile Standard. Sie folgen bei ihren Wertpapierorders bestimmten Algorithmen. Im Prinzip sind Roboter am Werk, die die Wertpapiere automatisch ordern. Genau vor diesem Punkt warnen Experten. Wenn es zu einer Panik an den Märkten kommt, kann der High-Speed-Handel außer Kontrolle geraten. Kursentwicklungen würden stark beschleunigt. Außerdem sind die Profi-Investoren durch die Technik Kleinanlegern immer einen Schritt voraus.

Deshalb sind die US-Finanzaufsicht, die New Yorker Staatsanwaltschaft und das US-Justizministerium alarmiert. Es gab und gibt bereite mehrere Ermittlungen. Ein Beispiel ist auch der sogenannte „Flash Crash“ im Mai 2010, als der Dow Jones in kurzer Zeit mehr als sechs Prozent seines Werts verlor. Dabei wurden große Summen an Aktienwerten vernichtet. Aber die Kurse erholten sich ebenso rasch wieder, wie sie gesunken waren. Damals waren Hochfrequenzhändler maßgeblich an der Situation beteiligt. In der Folge führte man in den USA einen Sicherheitsmechanismus ein, der den Handel bei zu starken Schwankungen stoppt. Im April wurde der Brite Navinder Singh Sarao als Verantwortlicher für den Vorfall in London festgenommen.

Abschied von Alexander Dibelius

Das Hauptquatier von Goldman Sachs in New York „GoldmanSachsHeadquarters“ von Quantumquark - Eigenes Werk

Das Hauptquatier von Goldman Sachs in New York  von Quantumquark – Eigenes Werk

In Deutschland hat Goldman Sachs gerade ganz andere Sorgen. Alexander Dibelius, der wohl bekannteste Investmentbanker hierzulande, verlässt die Bank. Schon im Herbst hatte er seine Aufgabe als Deutschland-Chef aufgegeben, jetzt verlässt er das Unternehmen nach 22 Jahren ganz.

Dibelius gilt als der am besten vernetzte deutsche Investmentbanker mit besten Kontakten in Industrie, Politik und Finanzsektor und gehört auch zum Beraterstab von Angela Merkel. 2002 übernahm er die Geschicke von Golman Sachs von Paul Achleitner, dem heutigen Aufsichtsratschef der Deutschen Bank. Zu seinen Erfolgen zählen zahlreiche Übernahmen in Milliarden-Höhe wie den Kauf von Chrysler durch Daimler und den Verkauf von Mannesmann an Vodafone. Als Berater war er in den vergangenen 20 Jahren an zahlreichen Übernahmen beteiligt. Ob Dibelius noch einmal eine andere Aufgabe übernehmen oder in den Ruhestand gehen wird, blieb offen.

In den letzten Jahren geriet Dibelius immer wieder in die Kritik, unter anderem, weil er 2010 die Gemeinwohl-Verantwortung von Banken verneinte. Darauf hin wurden 2010 keine öffentlichen Aufträge der Bundesregierung mehr an Goldman Sachs vergeben. Immer wieder gibt Dibelius Interviews und Statements zur aktuellen Wirtschaftslage oder zu geplanten Gesetzen.

Auch sein Privatleben war immer wieder in der Presse. Vor eineinhalb Jahren wurde der 55-jährige erstmals Vater, 2013 gab es Schlagzeilen zu der teuren Scheidung von seiner Frau. Zuletzt verkaufte er die wieder aufgebaute Villa des Schriftstellers Thomas Mann. Nun hat der gebürtige Münchener angeblich für mehr als neun Millionen Euro eine Villa in Berlin gekauft, in die er mit seiner neuen Familie einziehen will.

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