EZB plant Kauf von Staatsanleihen – was das für Sie bedeutet

Hunderte Milliarden Euro will die EZB für den Kauf von Staatsanleihen ausgeben

Hunderte Milliarden Euro will die EZB für den Kauf von Staatsanleihen ausgeben

Die Europäische Zentralbank hat angekündigt, in nächster Zeit in großem Umfang Anleihen aus den Euroländern zu kaufen. Das wirkt sich auch auf den Aktienmarkt aus. Der folgende Artikel erläutert, was das konkret bedeutet – für den Finanzmarkt allgemein und für Sie als Einzelperson im Speziellen.

 

1.) Was genau plant die EZB?

Themenicon TippsAb März will die EZB monatlich Staats- und Unternehmensanleihen im Wert von 60 Milliarden Euro auf dem Sekundärmarkt kaufen. Zu dem monatlichen Gesamtvolumen gehören auch forderungsbesicherte Wertpapiere (ABS) und Pfandbriefe, die die EZB schon seit Ende 2014 erwirbt. Insgesamt sollen durch das Programm zusätzlich 1140 Milliarden Euro in das Finanzsystem gelangen. Die Laufzeiten der einzelnen Anleihen sollen zwischen 2 und 30 Jahren liegen. Für 20 Prozent der Wertpapierkäufe haften alle EU-Mitgliedsstaaten. Für die restlichen 80 Prozent haften die jeweiligen nationalen Zentralbanken, die die Käufe tätigen.

Das gesamte Vorhaben soll mindestens bis September 2016 andauern und verlängert werden, wenn sich die Inflationsrate dann immer noch nicht im Zielrahmen der EZB bewegt. Vom Programm ausgenommen sind zunächst noch griechische Staatsanleihen. Sie werden erst mit einbezogen, wenn sich die Griechen mit der Troika auf ein neues Hilfsprogramm geeinigt haben. Der Grund für die Entscheidung der EZB ist die Angst vor einer Deflation und einer Abwärtsspirale der Preise. Das Ziel der EZB liegt bei einer Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent. Derzeit liegt die Inflationsrate aber deutlich darunter und es besteht die Befürchtung, dass so eine Deflationsspirale entstehen könnte. Deshalb sieht sich die EZB gezwungen dieser Entwicklung mit einem konkreten Programm entgegen zu wirken.

Die Maßnahme an sich, und vor allem die lange Mindestlaufzeit, sollen den Märktensignalisieren, dass die EZB entschlossen und in der Lage ist, die Probleme der Eurozone anzugehen.

2.) Welche Auswirkungen hat der Kauf von Staatsanleihen auf den Finanzmarkt?

Der EZB geht es auch um das Vertrauen der Bürger und Bürgerinnen in den Euro. Jedoch wird der Aufkauf von Staatsanleihen von vielen Ökonomen stark kritisiert.

Der EZB geht es auch um das Vertrauen der Bürger und Bürgerinnen in den Euro. Jedoch wird der Aufkauf von Staatsanleihen von vielen Ökonomen stark kritisiert.

 

Das Programm des Ankaufes von Staatsanleihen kann den Finanzmarkt auf verschiedene Arten beeinflussen. Eine mögliche Wirkung ist die Schaffung eines neuen Vertrauens in die EZB und damit auch den Euro als Währung. Unternehmen und Bürgern soll signalisiert werden, dass die Zentralbank einer Deflation und damit einer Schwächung der Wirtschaft aktiv entgegenwirkt. Eine weitere Auswirkung des Kaufs der Staatsanleihen durch die EZB ist eine Senkung der Zinsen. Das Geld, das die Banken durch den Ankauf der Staatsanleihen von der EZB erhalten, soll dazu genutzt werden, um mithilfe von Krediten die Wirtschaft anzukurbeln. Wenn das auf diese Weise gelingen sollte, hätten Unternehmen die Chance mehr Geld zu erwirtschaften, was sich auch positiv auf die Aktienkurse auswirken könnte.

Einen großen Einfluss könnte das Programm der EZB auf den Wechselkurs haben. Die Staatsanleihen führen wahrscheinlich zu einer Abwertung des Euros gegenüber dem Dollar. Eine solche Abwertung führt dazu, dass Exporte für die deutsche Wirtschaft billiger werden und Importe teurer, wodurch die Wirtschaft und damit auch die Inflation angekurbelt werden.

3.)Welche Gefahren birgt die Entscheidung der EZB?

Themenicon OptionsscheineDas aktuelle Staatsanleihen-Programm der EZB bringt auch einige Risiken mit sich.

Eine große Befürchtung vieler Experten ist die Entstehung von Spekulationsblasen. Es besteht die Gefahr, dass das zusätzliche Geld nicht über Kredite bei den Unternehmen und Verbrauchern ankommt, sondern in den Finanzmarkt fließt. Zusätzlich werden Anleger durch die Käufe und die damit verbundenen niedrigeren Renditen der Staatsanleihen in riskantere Investments gedrängt.Dieses Problem kann zum Beispiel Lebensversicherer in Deutschland treffen, die eine hohe Zinsverpflichtung haben und häufig ihre Kapitalanlage zu einem hohen Prozentsatz in festverzinsliche Papiere investieren. Außerdem sind die Zinsen schon durch die vergangenen Programme und die Ankündigungen gesunken. Es ist daher umstritten, welchen Effekt das kommende Programm noch haben kann.

Der Kauf der Staatsanleihen könnte auch einen Einfluss auf die Wirtschaftspolitik der einzelnen Staaten nehmen. Bereits stark verschuldete Staaten könnten dazu veranlasst werden sich durch sinkende Zinsen weiter zu verschulden, anstatt auf eine groß angelegte Reform ihrer Wirtschaftspolitik zu setzen.

Mit dem Kauf von Staatsanleihen kämpft die Europäische Zentralbank gegen die niedrige Inflation in der Eurozone.

Mit dem Kauf von Staatsanleihen kämpft die Europäische Zentralbank gegen die niedrige Inflation in der Eurozone.

Ein weiterer wichtiger Kritikpunkt beruht auf dem Grund für den Beschluss des Programmes. Die Entscheidung der EZB beruht auf der Annahme, dass es eine generelle Deflation gibt, die die Wirtschaft bremst. Vorrangig ist der aktuelle Preisverfall auf den gesunkenen Ölpreis zurückzuführen. Dieser kurbelt die Wirtschaft jedoch an, da Verbraucher weniger Geld für die Energiekosten ausgeben müssen und mehr für andere Dinge ausgeben können. Das Programm der Zentralbank wird daher gelegentlich auch als unnötigen Aktionismus bezeichnet. Außerhalb der EU kann das Programm auch zu ungünstigen Entwicklungen führen. Andere Notenbanken könnten eine ähnliche Politik wie die EZB anstreben um der Abwertung des Euros entgegen zu wirken. Daraus könnte ein weltweiter Währungskrieg entstehen.

Abschließend kann ein Kauf von Staatsanleihen auch die soziale Ungleichheit verstärken, da auch die Zinsen für Sparkonten sinken. Dagegen profitieren reiche Menschen, die ihr Geld eher in Anleihen und Aktien investieren.

4.) Wie können Sie konkret mit diesem Ereignis umgehen?

Themenicon Stopp-LossDas Programm der EZB hat auch einen großen Einfluss auf die Aussichten für Sie als privatem Anleger und Sparer.

Das Sparbuch wird auf absehbare Zeit nur noch geringe Zinsen abwerfen und eignet sich daher nicht mehr zur Vermögensbildung. Es stellt so nur noch eine Möglichkeit dar um das Geld zwischenzulagern. Für Tagesgeld-Konten gilt ähnliches. Hier gibt es jedoch immer wieder Banken, die für Neukunden Sonderkonditionen anbieten. Sind Sie ein Bestandskunde können Sie jedoch nicht davon profitieren, daher kann es sich lohnen, die Angebote verschiedener Banken zu vergleichen und eventuell zu wechseln. Bei einigen Festgeld-Konten liegen die Zinsen noch etwas höher, so dass sich auch hier ein genauer Vergleich für Sie lohnen kann. Im Gegensatz zu den sicheren Anlageformen wie Staatsanleihen kann sich die Investition in risikoreichere Aktien durchaus lohnen. Anleger sollten daher ihr Sicherheitsbedürfnis überdenken, und den Anteil der Aktien in ihren Portfolios erhöhen.

Beim Hausbau kommt Ihnen der niedrige Leitzins entgegen, da so auch für Sie als Privatperson Kredite günstiger sind. Allerdings steigt durch die Nachfrage auch der Preis der Immobilien, so dass Sie sich auch hier in Ruhe nach einem wirklich günstigen Angebot umsehen sollten. Und man muss auch darauf achten, dass ein Großteil des Kredites innerhalb der Zinsbindungsfrist abgezahlt werden kann, sonst droht eine deutliche Verschlechterung durch eventuell steigende Zinsen.

 

 

Verwendete Bilder
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