Der geniale VWAP-Indikator

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Mit den VWAP Widerstand und Unterstützung finden

VWAP steht für die Abkürzung Volume-Weighted-Average-Price. Es ist ein besonderer Trading-Indikator, weil er sich im Vergleich zu anderen Indikatoren sehr flexibel einsetzen lässt. Hinzu kommt, dass er bestens für das Intraday-Trading genutzt werden kann. Im Gegensatz zu den meisten anderen Indikatoren wird der Indikator weder eingestellt noch geglättet.

Eigenschaften im Intraday-Handel

Zu jeder Handelseröffnung startet die Berechnung des VWAP neu. Infolgedessen liegen die ersten VWAP-Werte stets dicht am Kurs. Im Lauf des Tages entwickelt sich der VWAP weiter. Er zeigt die Linie, bei der das höchste Handelsvolumen entstand. Der VWAP beschreibt somit den fairen Wert über einen zeitlichen Verlauf des Tages.

Der VWAP besitzt eine gewisse Verbindung zum Volumenprofil bzw. Market Profile. Die letztgenannten Instrumente haben einen Point-of-Control (POC). Der POC bildet den fairsten Preis des Tages (Fair Value) ab. Erkennbar ist der POC an der stärksten Auswölbung des Profils. Der VWAP ist durchaus vergleichbar mit dem POC. Den Unterschied kann man dahingehend beschreiben, dass der VWAP ein sich zeitlich fortbewegender POC wäre.

VWAP = (Summe aus Volume x Preis) / Summe des Volumens

Christian Lukas

Christian Lukas

Christian Lukas beschäftigt sich sein 1998 mit der Börse. Als privater Trader handelt er in erster Linie den DAX- und den Bund-Future. Seine Spezialität ist die Volumen-Analyse. Dabei wird der Kursverlauf mit dem Handelsvolumen in eine Beziehung gesetzt. Ziel ist die frühzeitige Erkennung von Veränderungen in Angebot und Nachfrage des Handelsobjektes. Weitere Infos unter www.volumen-analyse.de.
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Institutionelle Marktteilnehmer interessieren sich für den VWAP

Der VWAP ist ein Vergleichswert für die Trading-Aktivität des Tages, und das ist besonders für institutionelle Marktteilnehmer interessant. Wenn die Big-Player des Marktes ein großes Ordervolumen abwickeln müssen, dann wollen Sie grundsätzlich den Markt nicht negativ beeinflussen. Der VWAP verspricht einen Handelswert mit dem stabilsten Preis, denn dort lag zuvor die höchste Liquidität. Aus diesem Grund gibt es viele Handelsalgorithmen, die den VWAP beim Abarbeiten von Orders nutzen.

Berührt der Kurs den VWAP, dann könnte die Kursreaktion aufschlussreich sein. Bei Berührung sollte in Abhängigkeit zur Ausgangrichtung ein Widerstand oder eine Unterstützung entstehen. Durchdringt der Kurs den VWAP, dann ist die Handelsaktivität der Big-Player gering. Der Markt wäre somit bereit, neue Wege zu gehen, und sogar grundlegend die Richtung zu ändern.

Es ist anzunehmen, dass die Reaktion am VWAP in den typischen volumenstarken Handelszeiten des Tages den Willen der Big-Player widerspiegelt. Prallt der Kurs am VWAP ab, dann befindet sich der Markt quasi in einem Trendmodus.

15-min-Chart des FDAX mit VWAP

Bild: 15-min-Chart des FDAX mit VWAP (blau). Die rot-gestrichelten Trendlinien sind eine Fortsetzung der Vortags-VWAPs. Sehr oft wirkt der Vortags-VWAP als Widerstand oder Unterstützung.

Garantierte VWAP-Transaktionen

Einige Broker bieten einen besonderen Service an. Es ist die Abrechnung eines Handelstrades zum Kurs des VWAP-Wertes. Sie garantieren damit die VWAP-Ausführung. Einige Datenanbieter, wie zum Beispiel Bloomberg, bilden deswegen den VWAP im Vergleich zum Schlusskurs auf den Handelsmonitor ab. Aufgrund der garantierten VWAP-Ausführung kann jede Kursberührung des Indikators ein Hinweis auf den allgemeinen Marktzustand sein.

Der Vortags-VWAP wirkt nach

Der VWAP des Vortages hat eine Wirkung auf den nächsten Tag. Der Vortags-VWAP wirkt fast immer als Widerstand oder Unterstützung. Es gilt die Daumenregel: Der VWAP wird zu ungefähr 65% am nächsten Tag wieder berührt. Hohes Handelsvolumen wirkt magnetisch auf den laufenden Kurs. Der VWAP ist in erster Linie ein Tool zur Marktdiagnose. Er hat nicht die Aufgabe direkte Handelssignale zu generieren. In Relation zum Kurs zeigt er, wie stark die Bären oder die Bullen augenblicklich sind. Am Ende eines Handelstages wird die Reaktionsgeschwindigkeit des VWAP immer geringer.

Was steckt hinter dem VWAP?

Die Idee des VWAP stammt von Paul Levine. Er veröffentlichte 1995 den Indikator. Die Methode beinhaltet die Beziehung zwischen dem Kurs und einem Widerstand oder einer Unterstützung auf Basis der Marktpsychologie. Eine Weiterentwicklung in der Anwendung gab es bei Andrew Cole. Er baute ein eigenständiges Diagnosesystem mit dem VWAP auf. Er nannte es MIDAS (Market Interpretation Data Analysis System).

Levine ging davon aus, dass jeder Markt aus Fraktalen besteht. Fraktale sind selbstähnliche Kursmuster, die sich ständig wiederholen, jedoch nur selten identisch sind. Der VWAP ist flexibel einsetzbar und lässt sich ebenso als Fraktal nutzen. Der VWAP wird nicht eingestellt, sondern der Ausgangspunkt ist immer eine besondere Stelle im Chart. Dazu gehören zum Beispiel markante Hochs, Tiefs oder auch Intraday-Eröffnungen. Den richtigen Ausgangspunkt muss der Trader selbst wählen. Hierdurch entsteht der diskretionärer Einfluss des Traders auf die Handelsergebnisse. Infolgedessen ist es unmöglich, ein VWAP-Handelssystem zu testen, und Kennzahlen zu berechnen.

VWAP ausgehend von Hochs oder Tiefs

Die VWAP-Kurve beschreibt einen Platz für „Fight oder Flight“. Innerhalb eines Trends bedeutet es, dass der Kurs am VWAP abprallen wird. Nur dann, wenn kein Trend vorliegt bzw. der Trend endet, wird der Kurs durch die VWAP dringen können. Die VWAP-Kurve ist also kein typischer Gleitender Durchschnitt. Ein allgemeines Kurspendeln um den VWAP wäre völlig untypisch.

Das Kursverhalten am VWAP macht den VWAP für Trader interessant, wenn es um das Setzen von Stopps geht. Ebenso nützlich ist er, als Ort des Wiedereinstiegs in einen Trend.

Wochen-Chart der Münchner Rück-Aktie mit dem Einsatz des VWAP-Indikators

Bild: Wochen-Chart der Münchner Rück-Aktie mit dem Einsatz des VWAP-Indikators

Warum funktioniert der VWAP?

Die Eigenschaft des VWAP entsteht weniger aus der Kombination Kurs x Volumen. Vielmehr ist es der Ausgangspunkt der Verankerung (Startpunkt des VWAP). Grundsätzlich bewegt sich jeder Kurs um einen gleitenden Durchschnitt. Er pendelt um ihn, unabhängig von der Glättung. Setzt man den Startpunkt auf einen markanten Kurswert, wie zum Beispiel einem Hoch oder Tief, dann zeigt sich mit dem Abstand des Kurses zum VWAP, ob eine starke Kurswelle entsteht. Je größer der Abstand, desto stärker die Welle. Zu einem späteren Zeitpunkt kommt der Kurs mit der Konsolidierungsbewegung wieder zurück zum VWAP. Innerhalb eines Trendmodus wird der Kurs am VWAP abprallen, und die Trendbewegung fortsetzen. Der gesamte Ablauf ist dann nichts anderes als eine zyklische Bewegung innerhalb des Trends.

Ein Top-Tool für Könner

Der VWAP ist unter den Indikatoren außergewöhnlich. Die meisten Indikatoren besitzen eine Periodeneinstellung. Hierbei steht dann die korrekte Einstellung im direkten Zusammenhang mit der Genauigkeit des Indikators. Das entfällt beim VWAP. Aufgrund der vielseitigen Einsetzbarkeit kann der VWAP eine ideale Ergänzung für den diskretionären Trader sein. Wer den VWAP in sein Training integrieren möchte, der sollte sich mit Übung-Charts die Handhabung des Indikators näher anschauen. Der VWAP ist kein Wunderindikator sondern auch nur ein Werkzeug. Jedes Werkzeug kann nur so gut sein, wie die Erfahrung des Traders es zulässt.

Trading mit GDL

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