Levy´s Relative Stärke zur Marktprognose

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Aktien, die besser als der Durchschnitt sind

Der Amerikaner Robert A. Levy stellte Ende der 1960 Jahre ein revolutionäres Konzept für die Aktienselektion vor. Damals war Levy einer der ersten, der mithilfe eines Computers eine Aktienanalyse betrieb. Obwohl das Konzept schon viele Jahrzehnte angewendet wurde, ist es bis heute nicht veraltet. Es gibt lediglich Verfeinerungen in der Handhabung, aber die grundsätzliche Idee blieb stets erhalten. Das spricht für die Qualität der Idee.

Die Konzentration auf das Momentum bringt statistische Vorteile

Bei Levy steht der Marktschwung im Fokus. Ein Wertpapier, das stark ansteigt, wird seinen Kursfortschritt wahrscheinlich noch eine Weile fortsetzen. Ein Trend in einem Aktienindex, zum Beispiel DAX, basiert auf dem Momentum seiner Einzelaktien. Manchmal lässt ein hohes Momentum den Index sogar stärker erscheinen als er möglicherweise ist, denn schwächere Aktien werden mitgezogen.

In einem Aufwärtstrend steigt die Mehrheit der Aktien, dabei steigen die guten Aktien umso mehr. In einem extremen Bullenmarkt entsteht ein grundsätzliches Problem im Risikomanagement. Ein risiko-diversifiziertes Portfolio ist praktisch bei einem Index, wie dem DAX, schwer umsetzbar. In einem Aufwärtstrend steigen nämlich fast alle Aktien und in einem Abwärtstrend fallen sie gemeinsam. Je stärker der Trend ausgeprägt ist, desto einheitlicher werden die Bewegungen. Ein eigenständiges Kursverhalten der Einzelaktien wird im Trend unterdrückt.

Christian Lukas

Christian Lukas

Christian Lukas beschäftigt sich sein 1998 mit der Börse. Als privater Trader handelt er in erster Linie den DAX- und den Bund-Future. Seine Spezialität ist die Volumen-Analyse. Dabei wird der Kursverlauf mit dem Handelsvolumen in eine Beziehung gesetzt. Ziel ist die frühzeitige Erkennung von Veränderungen in Angebot und Nachfrage des Handelsobjektes. Weitere Infos unter www.volumen-analyse.de.
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Levy`s Ansatz der relativen Stärke

Levy untersuchte damals 200 Aktien der New Yorker Stock Exchange (NYSE) mit Wochenkursen. Auf Grundlage einer 27 Wochenperiode stellte er seine Berechnungen an. In seinem untersuchten Zeitraum stieg der Dow-Jones-Index um 64 % an (Okt.1960 – Okt.1965). Für seine Analysen hat Levy mit unterschiedlichen Zeitintervallen gearbeitet. Er unterteilte die Daten in kurzfristig (eine Woche), mittelfristig (einen Monat) und langfristig (halbes Jahr). Er entschied sich für diese Intervalle, weil die Marktteilnehmer in diesen Zeiträumen denken, handeln und planen.

Relative Stärke Levy (RSL) =

Aktuelle Wochenschlusskurs / MA(Wochenschlusskurs,27)

 

So funktioniert das Momentum

Levy beschrieb den Grundgedanken des Momentums anhand eines Balls. Wirft man den Ball in die Luft, dann weist der Beginn der Bewegung eine starke Beschleunigung auf. Deshalb ist die Geschwindigkeit des Balles im ersten Drittel der Bewegung am höchsten. Während der Aufwärtsbewegung steigt der Ball dann immer langsamer an, bis er durch die Erdanziehung wieder nach unten fällt. Ähnlich läuft es im Aktienmarkt ab. Ein Trend des Aktienmarktes ist deshalb immer ein Zusammenspiel mit dem Momentum der Einzelwerte.

Die oben dargestellte Formel ist die übliche Berechnung des Momentums. Das Ergebnis ist eine Zahl um 1. Ist der Wert größer als 1, dann tendiert die Aktie aufwärts. In einem Abwärtstrend liegt das Momentum des Wertpapieres unter 1. Aber eine relative Stärke zum Index lässt sich aus dem RSL-Wert nicht herauslesen. Auf jeden Fall ist es aber so, dass die Aktien mit den stärksten RSL-Werten oft auch relative Stärke zum Index bieten.

Das Herzstück der Analyse ist die Rangliste

Eine qualitative Aussage zu den Aktien entsteht durch die tabellarische Darstellung. Die besten Aktien besitzen oft einen hohen RSL-Wert. Levy empfiehlt eine Investition zu gleichen Teilen in die besten 5-7% der Rangliste. Bezogen auf den DAX wäre Aktienanzahl allerdings etwas gering, denn hier kämen rechnerisch nur zwei Aktien für das Investment infrage.

Die Idee des Ranking erweist sich als Top-Idee, denn das Levy-Prinzip erzeugt regelmäßig eine Outperformance des Portfolios zum Aktienmarkt. Ausgewählte Aktien sollten erst wieder verkauft werden, wenn der RSL-Wert eine kritische Schwelle erreicht. Eine Aktie wird uninteressant, wenn Sie in der Rangliste zu den 31% der schwächsten Aktien gehört (cast-out-rank).

Aufgrund der Berechnungsweise des Momentums über die letzten 27 Wochen, ist das Relative-Stärke-System nach Levy ein Trendfolgehandel.

 

Beispiel Tabelle für den TecDAX-Index mit 30 Aktien

TickerDate/TimeUnternehmenWKN/SymbolKurs$/€Levy
MOR.DE20.07.2018MorphosysWKN 663200120,41,36
WDI.DE20.07.2018WirecardWKN: 747206155,61,33
ISR.DE20.07.2018Isra VisionWKN: 54881053,2D1,28
NEM.DE20.07.2018Nemetschek AGWKN: 645290116,11,22
SRT3.DE20.07.2018Sartorius AG VzWKN 716563145,91,21
AFX.DE20.07.2018Carl Zeiss MeditecWKN 53137065,751,19
EVT.DE20.07.2018EvotecWKN: 56648017,421,18
SANT.DE20.07.2018S&T AGWKN A0X9EJ23,661,13
QIA.DE20.07.2018Qiagen NVWKN: A2DKCH31,641,1
O1BC.DE20.07.2018XINGWKN XNG888287,51,08
JEN.DE20.07.2018JenoptikWKN 62291033,71,06
BC8.DE20.07.2018BechtleWKN: 51587074,61,05
COP.DE20.07.2018CompuGroup MedicalWKN: 54373046,581,04
NDX1.DE20.07.2018NordexWKN: A0D6559,671,02
WAF.DE20.07.2018SiltronicWKN: WAF300134,31
SOW.DE20.07.2018Software AGWKN: 33040041,440,99
PFV.DE20.07.2018Pfeiffer VacuumWKN 691660137,40,96
O2D.DE20.07.2018Telefonica DeutschlandWKN A1J5RX3,60,95
DRW3.DE20.07.2018Drägerwerk VZWKN: 55506366,50,94
FNTN.DE20.07.2018Freenet NWKN: A0Z2ZZ23,560,92
AM3D.DE20.07.2018SLM Solutions Group AGWKN: A1113330,70,9
AIXA.DE20.07.2018AixtronWKN: A0WMPJ12,390,9
UTDI.DE20.07.2018United InternetWKN  50890347,470,88
DRI.DE20.07.2018DrillischWKN: 55455050,40,85
MDG1.DE20.07.2018MediGene  AGWKN: A1X3W012,390,85
RIB.DE20.07.2018RIB SoftwareWKN: A0Z2XN18,620,82
DLG.DE20.07.2018Dialog SemiconductorWKN 92720015,430,79
S92.DE20.07.2018SMA SolarWKN: A0DJ6J32,540,7
COK.DE20.07.2018Cancom IT Systeme AGWKN: 54191046,840,54

 

Hinweis: In der oberen Tabelle sind nur 29 Aktien dargestellt. Die 30. Aktie betrifft Siemens Healthineers. Die Kurshistorie ist zu kurz, um einen Levy-Wert zu berechnen.

In der oberen Tabelle zeigen sich die aktuell stärksten Aktien des TecDAX. Für eine Investition kämen die ersten sieben Aktien der Tabelle infrage, weil die Aktien einen hohen RSL-Wert haben. Eine zusätzliche Analyse könnte die Erfolgswahrscheinlichkeit erhöhen. Sie kann technisch als auch fundamental umgesetzt werden.

Levy-Konzept funktioniert in Bullen-Märkten

Wie heißt es so schön? „Wo gehobelt wird, dort fallen auch Späne.“ Das Levy-Konzept hat in der Vergangenheit bewiesen, dass es gute Resultate erzeugen kann. Es bedeutet jedoch nicht, dass es auch Schwächen hat. Die Schwächen kommen zum Tragen, wenn der Aktienmarkt mit volatilen Schwankungen zu kämpfen hat, und die Trendsignale wechseln. Das Levy-Konzept benötigt immer Trends, und ohne Trends gibt es auch keine Out-Performance.

Trading mit GDL

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