High Frequency Trading – Die Technikschlacht an der Börse (HFT)

teaser_christian_Lukas

Ein Kampf um Millisekunden

Wenn Millionen an der Börse verdient werden, und nur der Standort über den Handelserfolg entscheidet, dann geht es um HFT (High Frequency Trading). In der Richtlinie für Finanzinstrumente (MiFiD) wird HFT als Subkategorie des algorithmischen Handels definiert. Es werden Transaktionen in Millisekunden umgesetzt. Damit wird deutlich, dass wir hier nicht vom Traden im traditionellen Sinn sprechen können. Hier geht es um einen technischen Vorteil. Genauer gesagt um Speed.

Sendetürme auf einem Acker

Auf einem unbestellten Acker in Aurora in der Nähe von Chicago gibt es verdächtige Antennen. Wieso Chicago? Ganz einfach, es geht um die größte Terminbörse der Welt, die CME. Der Standort bringt Vorteile im Bereich von Millisekunden oder sogar nur Nanosekunden. Doch es reicht für garantierte Börsengewinne.

Christian Lukas

Christian Lukas

Christian Lukas beschäftigt sich sein 1998 mit der Börse. Als privater Trader handelt er in erster Linie den DAX- und den Bund-Future. Seine Spezialität ist die Volumen-Analyse. Dabei wird der Kursverlauf mit dem Handelsvolumen in eine Beziehung gesetzt. Ziel ist die frühzeitige Erkennung von Veränderungen in Angebot und Nachfrage des Handelsobjektes. Weitere Infos unter www.volumen-analyse.de.
Christian Lukas

Letzte Artikel von Christian Lukas (Alle anzeigen)

Einer der bekannten großen Player der HFT-Firmen ist Jump Trading LLC. Sie haben den „unbrauchbaren“ Acker in der Nähe von Chicago für 14 Millionen US-Dollar gekauft. Ein Grundstück, das eigentlich nicht viel Wert ist. Es gibt jedoch einen Grund, warum Jump Trading einen überhöhten Preis dafür zahlt. In diesem Fall liegt in Ackernähe das Daten-Center der CME. Dort sind nämlich die CME-Server stationiert. Jump Trading baut mit dem optimierten Standort eine risikolose Geldmaschine auf. Der Trick der HFT-Firmen besteht darin, möglichst nahe an der Chicagoer Börse zu sein, um kurze ungestörte Wege zu haben. Je weiter die Distanz zum Daten-Server liegt, desto langsamer sind die Signale. Es geht hier also nicht um menschliche Reaktionszeit, sondern um die technischen Möglichkeiten auf elektronischen Wege.

HFT - Mikrowellen Sender

Quelle: pixabay

Bild: Ein 107-Meter Turm, der Mikrowellen zum Daten-Center der CME sendet. Es steht 182 Meter davon entfernt.

Ein geringer aber entscheidender Geschwindigkeitsvorteil

Nur auf Grund der Nähe kann Jump Trading einen Geschwindigkeitsvorteil erarbeiten. Und er ist besonders wichtig im Bereich der Arbitrage. Das Ziel des Arbitrage-Handels ist der Ausgleich von minimalen Preisunterschieden, welcher durch eine normale Ineffizienz des Börsenhandels entsteht. Ein Beispiel: An der CME gibt es einen regen Handel mit Rohöl. An der CME werden dazu Kontrakte mit unterschiedlichen Laufzeiten gekauft oder verkauft. Es entstehen dabei kleine Schwankungen im Wert der Kontrakte. Somit ist ein Kontrakt manchmal etwas teuer oder zu preiswert.

Mit einem schnellen Handelsprogramm und einer schnellen Hardware ist Jump-Trading in der Lage, die kleinen Wertineffizienzen im Bruchteil einer Sekunde zum eigenen Vorteil auszunutzen. Wer jedoch weiter vom CME-Server entfernt ist, benötigt eine Millisekunde länger und kommt zu spät. Weil die Orderübertragung schneller ist, entsteht für Jump Trading ein garantierter Handelsgewinn. Alle Konkurrenten mit langsamer Technik haben zwangsläufig das Nachsehen.
Man kann sich leicht vorstellen, dass sich alle HFT-Firmen in einem permanenten Technik-Krieg befinden. Wer den besten Standort mit der besten Technik hat, der betreibt legales „Frontrunning“.

Aus dem Technik-Krieg hat sich inzwischen ein eigener Geschäftsbereich gebildet. HFT-Firmen handeln nicht mehr selbst an der Börse, sondern sie vermieten für sehr hohe Beträge ihren Standort. Sie bieten die Technik und die Software und überlassen den anderen das „Schlachtfeld“.

Der „Königsplatz“ ist direkt auf dem Dach eines Daten-Centers. Die New Yorker NYSE hat so etwas schon installiert. Man kann sich also leicht vorstellen, wie gierig die HFT-Firmen sind. Die CME sträubt sich noch, weil man den technischen Vorteil nicht leichtfertig weitergeben möchte.

HFT-Firmen sind technisch im Vorteil

Für private Trader ergeben sich inzwischen ein paar Konsequenzen. Bestimmte Handelsstrategien sollten Tabu sein.

 

  1. Abitrage ist nur etwas für Profis
    Aus den oberen Ausführungen ergibt sich schon von selbst, dass der Abitrage-Handel kein Gebiet ist, in dem private Trader langfristig erfolgreich sein können. Selbst mit einer fixen Börsenanbindung und mit einem programmierten Algorithmus ist kein Vorteil zu erzielen.
  2. Market-Maker nutzen HFT
    Market-Maker sind institutionelle Börsenhändler, die kontinuierlich Kurse für ein Handelsprodukt stellen. Market-Maker gehören inzwischen selbst zum Bereich des HFT. Sie haben die Funktion stets genügend Liquidität an der Börse anzubieten. So kann der Handel reibungslos funktionieren.
  3. News-Trading
    Noch vor ein paar Jahren war News-Trading eine interessante Handelsvariante. Nach der Veröffentlichung von Wirtschaftsdaten gibt es oft einen Überraschungseffekt, der die Kurse nach oben oder unten schießen lässt. Kurzfristig entsteht so höhere Volatilität von der geschickte Trader profitierten. Diese Form des klassischen Intraday-Tradings ist für Privat-Trader so gut wie nicht mehr gewinnbringend umsetzbar.

 

Geld wächst

Quelle: Pixabay

Untersuchungen an der Eurex zum HFT

Die Betreiber der Börsen wissen natürlich auch von den neuen Handelsbedingungen durch HFT. In diesem Zusammenhang hat die Deutsche Bundesbank im Oktober 2016 eine Studie veröffentlicht: „Bedeutung und Wirkung des Hochfrequenzhandels am deutschen Kapitalmarkt“.

Die Studie zeigt, wie besorgt die Bundesbank ist. Anscheinend haben HFT-Firmen einen illegalen Handelsvorteil. Noch fehlen eindeutige Beweise, doch die Vermutung liegt nahe.

 

Hier sind die Erkenntnisse der Studie zusammengefasst:

 

  • Untersuchungen an der Eurex (Handel mit DAX- und Bund-Future) haben ergeben, dass HFT-Akteure in Zeiten erhöhter Volatilität besonders aktiv sind.

 

  • HFT-Akteure gehen mit Bekanntwerden von wichtigen Informationen eine blitzschnelle Marktposition ein, um sie nach wenigen Sekunden wieder abzustoßen (News-Handel). Sie traden die Überraschungskomponente. Die Auswertungen zeigen, dass die HFT-Akteure auf schnelles und aggressives Handeln setzen. Sie haben einen erheblichen Geschwindigkeitsvorteil, und sobald die anderen Marktteilnehmer auf Nachrichten reagieren, schließen HFT-Akteure ihre Positionen. Sie erzielen in kurzer Zeit in Abhängigkeit zur Stärke der Marktreaktion deutliche Gewinne.

 

  • An der Eurex konnte nachweisen, dass die Aktionen der HFT-Akteure zu einem „Überschießen“ der Marktreaktion führen. Kurze Zeit später jedoch, die Markteffizienz wieder erhöhen. Ein ökonomischer Vorteil bei der Preisbildung, nur weil sie in Millisekundenbereich effizienter sind, ist nicht nachvollziehbar.

 

  • In Phasen außergewöhnlicher Volatilität stellen HFT-Akteure keine Liquidität zur Verfügung. Offenbar haben die Programme einen Volatilitätsfilter mit einer oberen Grenze. Im Fall eines Crashes entziehen sie dem Markt ihre Liquidität.

 

  • Im Bereich eines normalen Handelstages ist es so, das HFT-Akteure durchaus Liquidität bereitstellen, und damit zur Verbesserung der der Preiseffizienz beitragen.

 

  • Ein weiteres Problem einiger HFT-Akteure ist das Einstellen und Herausnehmen von Orders. Sie stören bewusst die Abläufe im Orderbuch der Börse, in dem sie den Datenstrom signifikant erhöhen, und damit Rechenkapazität binden. Das Ziel ist eine Verlangsamung der Order-Verarbeitung, um sich Vorteile zu verschaffen (Quote-Stuffing). Weil die Erforschung der Effekte noch nicht detailliert genug ist, gibt es zu dieser Problematik keine handfesten Fakten, sondern nur Vermutungen.

 

  • Ein großes Fragezeichen gibt es bei HFT-Akteuren, die ihren Geschwindigkeitsvorteil beim News-Trading gegenüber anderen Marktteilnehmern ausnutzen. Die empirischen Daten reichen noch nicht aus, um ein Urteil über die Fairness des Handels zu fällen.

 

  • Die Eurex debattiert schon, ob generell eine Zeitverzögerung in der Orderausführung eingeführt werden sollte. So könnte Fairness unter den Marktteilnehmer sichergestellt werden.

 

Algorithmen verändern den Börsenhandel

Der Beitrag zum HFT deutet an, wie sich der Börsenhandel verändert. Den extremen Einsatz von Algorithmen sollte man nicht unkritisch hinnehmen. Solange Algorithmen von Menschen programmiert werden, und somit menschliche Handlungen umsetzen, ist nichts dagegen einzuwenden.
Problematisch wird es, wenn HFT-Firmen technische Vorteile erlangen, die nicht zum fairen Börsenhandel gehören. An den Börsen werden enorme Geldbeträge bewegt. Insofern darf man sich nicht wundern, wenn einige Akteure bestimmte Grauzonen ausnutzen, um sich an der Allgemeinheit zu bereichern.

Traditionelles Daytrading wird immer schwieriger. Das HFT revolutioniert den kurzfristigen Börsenhandel. Wer mit klassischen technischen Handelssignalen versucht den Markt zu handeln, der kämpft gegen superschnelle Computer. Jeder Daytrader sollte sich deshalb seiner Wettbewerbsvorteile bewusst sein. Wer sie nicht kennt, der hat auch keine!

 

Trading mit GDL

Hier haben Sie die Möglichkeit den Artikel zu Kommentieren. Bitte beachten Sie die Nettiquete.


    © 2018 - brokervergleich.net | auch auf Google+

    Zur DEGIRO Aktion