Die Spuren des Marktes

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Wie verhalten sich Marktteilnehmer?

Erfahrene Trader sind in der Lage, die Spuren des Marktes zu lesen. Leider gibt es zu diesem Thema keine praxisrelevante Literatur. Es bleibt wohl nur Learning by Doing übrig.

Manche Trader hatten das Glück, eine Ausbildung innerhalb einer Eigenhandelsabteilung einer Bank zu machen. Aufgrund der Tatsache, dass institutionelle Marktteilnehmer sehr viel Geld bewegen, gibt es die Neigung, eigene Handelsabsichten zu verschleiern. Das funktioniert natürlich nur, wenn man weiß, welche Spuren man selbst hinterlässt. Institutionelle Marktteilnehmer sollten generell ihre Handlungen soweit es geht verschleiern, damit konkurrierende Unternehmen nicht schmarotzend davon profitieren können. Allerdings gibt es ein Problem: Je größer der zu investierende Betrag ist, desto schwerer wird es.

Es geht um die grobe Struktur

Für uns private Trader ist eine genaue Analyse, wer gerade im Markt aktiv ist, kaum möglich. Was wir jedoch tun können, ist eine Analyse der Marktstruktur. Ein sehr einfaches Mittel, dass sich auch für Anfänger handhaben lässt, ist der Stochastik-Indikator. Er zeigt uns über seine Berechnung überkaufte und überverkaufte Marktsituation und sollte in Idealform zyklisch verlaufen. Es steht also die Frage im Vordergrund, ob man mit der Stochastik Geld verdient hätte. Wenn ja, dann ist es ein Markt der kurzfristigen Trader.

Bund-Future im 15-Minuten-Chart

Bild: Bund-Future im 15-Minuten-Chart

Der obere Chart zeigt einen trendigen Markt in der langfristige Investoren kaufen. Der Stochastik-Indikator zeigt uns die mathematisch überkauften und überverkauften Marktphasen. Sobald der Stochastik-Indikator über 80 oder unter 20 steht, hätte es sofort eine Gegenbewegung geben müssen, die direkt zur gegenüberliegenden Seite reicht. Das war nicht der Fall, und beweist damit, dass es sich um einen Markt handelt, in dem leicht Widerstände gebrochen werden können. So sieht ein Chart aus, wenn langfristige Investoren auf der Long-Seite aktiv waren. In der Aufwärtsbewegung gibt es keine überkaufte Zone.

Den großen Marktakteuren sollte man folgen

Ohne Zweifel ist es von Vorteil, wenn markt-dominante Akteure erkannt werden können. Im Detail lassen sich genaue Absichten der großen Marktteilnehmer nicht erkennen. Aber es sollte sich lohnen, wenn man als privater Trader seine Trading-Aktivitäten auf die großen Akteure ausrichtet.

Üblicherweise konzentrieren sich die privaten Trader auf ihre Ein- und Ausstiege, und sie basieren in der Regel auf technische Merkmale. Früher gab es auch eine große Anzahl von Experten, die sich mit dem Orderbuch beschäftigten und daraus Handelsakteure ableiten konnten. Das Orderbuch hat allerdings seine Zuverlässigkeit mit dem Einsatz von Algorithmen verloren.

Die Diagnose der dominanten Marktteilnehmer sollte Teil des Plans sein

Bevor ein Trade umgesetzt wird, muss überprüft werden, ob der Handelsplan sich mit den aktuell dominanten Marktteilnehmern vereinbaren lässt. Manchmal gibt es gewisse Interessen und Zwänge der dominanten Marktteilnehmer, sodass ein Trade nicht ins Schema passt. Daran sollte man denken. Im Idealfall lassen sich zukünftige Kursbewegungen mit höherer Wahrscheinlichkeit ableiten.

Ein Profi passt sein Verhalten an die Marktumstände an

Fast alle privaten Trader orientieren sich an Trendlinien, Widerstände und Unterstützungen oder Pivot-Punkte. Dabei wird die Ursache der Marktbewegung nicht erkannt.
An der klassischen Terminbörse werden keine Werte geschaffen. Es ist nur eine gigantische Umverteilung von Vermögen. Was der eine verdient, muss der andere verlieren. Deshalb gibt es immer wieder Marktphasen, die Verluste erzeugen. Sobald der eigene Handelsansatz den dominanten Marktteilnehmern entgegensteht, gibt es Probleme.

Gesucht: Trader mit einem neuen Anforderungsprofil

Früher suchten die Handelsbanken hungrige und kämpferische Trader. Sie sollen selbstbewusst sein, und gleichzeitig urteilssicher mit Risiko und Zeitdruck umgehen können. Im Zeitalter der Algorithmen hat sich das Anforderungsprofil geändert. Die Kapitalmärkte haben in den vergangenen 20 Jahren große Veränderungen vollzogen. Eines der wichtigsten Merkmale ist die ausufernde Menge an Derivaten. Dadurch wurden die Märkte unglaublich komplex und unvorhersehbar. Heute gibt es eine erhöhte Nachfrage an hochgebildeten Physikern, Mathematikern und anderen akademischen Quereinsteigern an der Börse. Sie können alle exzellent mit Zahlen umgehen, und werden für ihre Fähigkeiten gut bezahlt.

Neue Regularien veränderten die Märkte

Nach der Finanzkrise in 2008 gab es neue gesetzliche Bemühungen, um die Finanzmärkte stärker zu regulieren. Diese politisch gewollte Neigung ist immer noch aktiv, und äußert sich durch die Regularien von Basel III. Mit Argusaugen werden die Aktivitäten der Handelscomputer, Algorithmen und des Hochfrequenzhandels verfolgt.

Die meisten Banken haben ihre Eigenhandelsabteilungen reduziert, und konzentrieren sich wieder auf ihre Dienstleistungsfunktion. Die Banken sind wieder als Börsenmitglied die Schnittstelle zwischen dem normalen Marktakteur und der Börse. Der risikoreiche Eigenhandel, wie er bis 2008 betrieben wurde, hat sich in den vergangenen zehn Jahren drastisch reduziert. Manchmal sogar gänzlich abgeschafft. Die Banken sind Investmentbereich überwiegend als Dienstleister aktiv. Sie sind nur noch die Mittelsmänner der Hedgefonds, Versicherungsgesellschaften und sonstiger Kapitalverwalter.

Die Märkte werden durch zwei Gruppen dominiert

  1. Die erste Gruppe kann man als finalen Akteur bezeichnen. Es sind Marktteilnehmer, die langfristig Denken und ihre Positionen final in den Markt eingeben oder herausnehmen. Darunter fallen Fonds oder Versicherungsgesellschaften. Eine getroffene Entscheidung ist endgültig.
  2. Die zweite Gruppe kann man als kurz- bis mittelfristige Trader bezeichnen. Handelspositionen können dabei schnell von long auf short gedreht werden. Eine Handelsentscheidung ist nicht final, sondern steht im Zusammenhang mit dem Handelsverlauf.

 

Wenn wir als Trader im Laufe eines Handelstages erkennen, welche der beiden Gruppen aktiv ist, dann lässt sich daraus eine dominierende Marktrichtung erahnen. Wir können sie nutzen, um daraus einen Profit zu ziehen.

Dominieren vornehmlich kurzfristige Marktteilnehmer den Handel, dann spielen besonders technische Aspekte eine große Rolle. Widerstände und Unterstützung funktionieren gut und psychologische Merkmale wie Fibonacci-Kursziele bekommen Bedeutung. Sind jedoch langfristige Marktteilnehmer im Spiel, dann überrennen deren Order-Ausführungen die Widerstände und Unterstützungen. Der Kurs verhält sich zunehmend trendiger.

Wir als kurzfristige Marktakteure hätten also einen Vorteil, wenn wir erkennen ob der Markt gerade von den langfristigen Marktteilnehmern dominiert wird.

Ganz grob heruntergebrochen könnte man sagen, dass die Verursacher von Seitwärtsmärkten mit und ohne Volatilität eher die kurz- bis mittelfristigen Marktteilnehmern sind. Sie setzen auf die technische Analyse und reagieren an Widerständen und Unterstützungen. Sie kaufen, wenn der Markt in der übertrieben fällt, und sie verkaufen wenn er zu stark ansteigt.

Tages-Chart der Beiersdorf-Aktie

Bild: Tages-Chart der Beiersdorf-Aktie

Der obere Chart zeigt zwei verschiedene Marktphasen. Die grau-markierte ist ein dynamischer Markt, der seine relativen Hochs immer wieder überbietet und mit Kraft nach oben läuft. Solche Märkte sind geprägt durch die Aktivität langfristiger Marktteilnehmer.

Ganz anders Verhalten ist in der zweite Chart-Hälfte mit oranger Markierung zu sehen. In dieser Phase hätte man idealerweise mit einem Oszillator überkaufte und überverkaufte Situationen handeln können. Die Volatilität wäre ausreichend hoch gewesen, um kräftige Gewinne zu erzielen. So könnte das Paradies eines kurzfristigen Traders aussehen.
Abgegrenzt werden die beiden Phasen durch die große rote Candlestick im Juni. Sie erzeugte einen Strukturbruch im Kursverlauf. Danach erholte sich der Markt zwar, doch er konnte an sein früheres impulsives Verhalten nicht mehr anknüpfen.

 

Trading mit GDL

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