Der Mythos mit den COT-Daten

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Auf den Spuren des Smartmoney

Wäre es nicht ein Vorteil, wenn Sie Informationen über die Positionen der großen Marktteilnehmer hätten. Sie wüssten dann, wie sich Banken, Industriekonzerne oder auch Hedgefonds positioniert hätten. Solche Big-Player bezeichnet man als Smartmoney.

Die smarten Geldanleger verfügen über große Ressourcen, um detaillierte Informationen effektiv auszunutzen. Daher sollte es für Kleinanleger von Vorteil sein, sich passend zur Richtung des Smartmoneys, zu positionieren. Besonders in einem Trend fährt man gut im Windschatten eines Big Players.

COT-Daten bieten marktinterne Informationen

Wer an der Börse erfolgreich spekulieren will, der benötigt einen kleinen Vorteil. Einen solchen Vorteil soll es mit den COT Daten geben. COT ist die Abkürzung für Commitment of Traders. Hierbei handelt es sich, um einen wöchentlich erscheinenden Report der Positionen an der Chicagoer Terminbörse. Jeden Freitag werden die Daten veröffentlicht, und die Daten beziehen sich dabei auf den Dienstag zuvor. Eine tagesbezogene Aktualität ist nicht gegeben.

Christian Lukas

Christian Lukas

Christian Lukas beschäftigt sich sein 1998 mit der Börse. Als privater Trader handelt er in erster Linie den DAX- und den Bund-Future. Seine Spezialität ist die Volumen-Analyse. Dabei wird der Kursverlauf mit dem Handelsvolumen in eine Beziehung gesetzt. Ziel ist die frühzeitige Erkennung von Veränderungen in Angebot und Nachfrage des Handelsobjektes. Weitere Infos unter www.volumen-analyse.de.
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Die Informationen des COT-Reports

Die großen Marktteilnehmer der Chicagoer-Terminbörse verpflichten sich ihre Positionen zu veröffentlichen. Gesammelt werden die Daten von der „Commodity Futures Trading Commission“ (CFTC). Dabei gibt es drei Typen von Marktteilnehmern:

  1. Commercials
    2. Große Marktteilnehmer (auch bezeichnet als Large Speculators oder Non Commercials))
    3: Kleine Marktteilnehmer (auch bezeichnet als Small Speculators oder Non Reportables)

Im Fokus stehen die Nettopositionen und das Open Interest

Eine Nettoposition setzt sich aus der Summe der Long- abzüglich der Short-Positionen zusammen. Als Open Interest bezeichnet man die Summe aller offenen Kontrakte der Futures oder Optionen. An den Terminbörsen gibt es immer ein Null-Summen-Spiel. Das bedeutet, zu jedem Käufer eines Kontraktes gibt es einen Verkäufer. Was der eine gewinnt, muss der andere verlieren.

Risikominimierung durch Absicherungs-Trades

Die wichtigste Gruppe sind die Commercials. Es sind die Marktteilnehmer, die direkt mit den Rohstoffen arbeiten, und ein geschäftliches Interesse an der Sicherheit ihrer Unternehmensplanung haben. Wenn zum Beispiel ein Brothersteller große Mengen Weizen eingekauft hat, dann kalkuliert er damit seine Preise. Der Weizenpreis bleibt natürlich nicht konstant, und kann im Verlauf der Monate beträchtliche Schwankungen erreichen. Würde der Weizenpreis deutlich fallen, weil die Ernte besser ausfällt als erwartet, dann könnte es zu starken Gewinneinbußen für den Brothersteller kommen. Infolgedessen wird er bei fallenden Weizenpreisen Short-Positionen aufbauen. Wie man an diesem Beispiel sieht, ist eine Terminbörse in erster Linie nicht ein Spielplatz für Zocker, sondern sie hat die Aufgabe den Marktteilnehmern eine Möglichkeit der Risikominimierung zu geben. Die Chance auf Spekulationsgewinne ist nur eine zusätzlich Eigenschaft der Terminbörsen.

Das Wort „Hedgen“ ist nicht ein anderer Begriff fürs Zocken, sondern für das Absichern. In den Medien wird der Begriff „Hedgefonds“ meistens falsch interpretiert, denn er wird als Synonym für hochspekulative Zockerfirmen verwendet. Die reine Spekulation ist zwar ebenso möglich, doch diese Art des Tradings erzeugt nur ein relativ geringes Handelsvolumen.

Hedging ist eine wichtige Aufgabe für Unternehmen

Produzierende Unternehmen werden hauptsächlich als Hedger und nicht als Spekulanten aktiv. Sie wollen sich absichern, weil sie direkt mit den Rohstoffen zu tun haben. Zu den Commercials zählen zum Beispiel Firmen wie Starbucks (Kaffee-Verarbeiter) oder Exxon (Ölverarbeiter). Diese Firmen handeln an den Terminbörsen vorrangig ohne die Absicht Spekulationsgewinne zu erzielen. Wenn Sie aktiv werden, dann geschieht das in der Regel durch einen fundierten Informationsvorsprung. Ein Kaffeeverarbeiter kann nämlich am ehesten abschätzen, ob die weltweite Kaffeeernte besser oder schlechter ausfällt. Passend dazu wird dann der Produzent am Markt aktiv.

Damit sich die produzierenden Unternehmen absichern können, benötigen Sie an der Terminbörse große Marktteilnehmer, die eine Gegenposition einnehmen. Man könnte sagen, dass sie mit den Commercials eine Wette eingehen. Diese Gegenspieler werden als Managed Money bezeichnet. Es sind Fonds, Banken und sonstige Großinvestoren. Sie bewegen große Positionen, ohne dass sie direkt mit dem Rohstoff und den Produktionsprozessen zu tun haben.

Als dritte Gruppe gibt es noch die kleinen Marktteilnehmer. Es sind die geringkapitalisierten Spekulanten, die auch nicht dazu gezwungen werden, ihre Positionen zu veröffentlichen. Das ist nicht notwendig, weil sich deren Anteil aus der Differenz errechnen lässt. Die Gesamtzahl des Open Interest abzüglich der Commercials und der Large Speculators ergibt die Anzahl der offenen Kontrakte die auf Kleinspekulanten anfallen.

Die Idee COT-Daten auszunutzen

Die COT-Daten geben Aufschluss über die Positionierung der drei Händlergruppen. Die Commercials dominieren den Markt, und wissen mehr über die Eigenheiten der Rohstoffe, deren Verfügbarkeit und deren Verarbeitung. Wer das Verhalten der Commercials lesen kann, der sollte sich vorzeitig positionieren können. Daher hängen sich viele Kleinspekulanten an die Fersen der Commercials.

Die offizielle Webseite der CFTC mit den COT-Daten ist: http://www.cftc.gov/Marketreports/CommitmentsofTraders/index.htm

Historische Daten unter:

http://www.cftc.gov/marketreports/commitmentsoftraders/historicalcompressed/index.htm

Die Daten gibt es als Text-Datei und im Excel-Format. Hierdurch lassen sich auf einfache Weise Grafiken erstellen.

Um die COT-Daten zu nutzen, ist es sinnvoll die Nettopositionen der Commercials mit denen der Non-Commercials und Kleinspekulanten zu vergleichen. Die Handelsidee mit den COT-Daten sieht nun vor, die großen Veränderungen der Commercial-Positionen zu erahnen. In Kombination mit der Technischen Analyse sollte sich daraus ein gutes Timing ergeben.

Als zweite Analyseform wäre die Interpretation des Open Interest möglich.

Grundsätzliche Probleme bei der Analyse

Die Aufbereitung der COT-Daten lässt kein exaktes Timing zu. Es existieren nur Wochendaten mit Verzögerung. Die Daten lassen sich bestenfalls für mittel- bis langfristiges Trading nutzen. Eine Verpflichtung zur Veröffentlichung der Positionen gibt es auch nur in den USA. Dort steht zwar weltweit die größte Terminbörse, doch andere Terminbörsen, außerhalb der USA, werden nicht berücksichtigt. Somit ist das Gesamtbild der Terminmärkte nicht vollständig.

Typische Verlaufsform der COT Daten

Bei der Darstellung und technischen Untersuchung lassen sich unterhalb des Kurs-Charts die COT-Daten darstellen. In unseren Beispielen sind die Commercials mit einer blauen Linie und die Large Speculaters mit roter Linie dargestellt. Weil die Commercials und die Large Speculators praktisch natürliche Gegenspieler sind, verlaufen deren Kurven meistens entgegengesetzt.

Effektivität der COT Daten

Damit es eine Möglichkeit gibt, mit den Daten (Kurven) einen Vorteil zu erzielen, muss daraus ein Muster erkennbar sein. Das bedeutet, markante Hochs bzw. Tiefs der COT-Daten sollten noch vor den Hochs oder Tiefs des Kursverlaufes entstehen.

Im unteren Beitragsteil sehen Sie vier verschiedene Charts mit unterschiedlichen Verläufen und den COT Daten. Dabei wurde bewusst auf die Unterschiedlichkeit der Underlyings wert gelegt. Der S&P500-Index, Gold, Weizen und Kaffee sollten kaum Korrelationen aufweisen. Um es vorwegzunehmen, auch nach vielen Versuchen in unterschiedlichen Zeiten und Märkten konnte nicht einmal ein Vorlauf der COT Daten herausgearbeitet werden.

S&P500-Chart mit COT-Daten

Bild: S&P500-Chart mit COT-Daten (blaue Linie = Commercials und rote Linie = Large Speculators

 

Gold-Chart mit COT-Daten

Bild: Gold-Chart mit COT-Daten (blaue Linie = Commercials und rote Linie = Large Speculators

 

Weizen-Chart mit COT-Daten

Bild: Weizen-Chart mit COT-Daten (blaue Linie = Commercials und rote Linie = Large Speculators

Kaffee-Chart mit COT-Daten

Bild: Kaffee-Chart mit COT-Daten (blaue Linie = Commercials und rote Linie = Large Speculators

 

Kein Vorteil mit COT erkennbar

In vielen Fachartikeln wird suggeriert, dass mit den COT-Daten, wenn man sie nur richtig interpretiert, ein Vorteil entsteht. Dies erscheint in einer Welt, in der Künstliche Intelligenz immer stärker wird, ziemlich unwahrscheinlich. Selbst der kleinste Vorteil, wäre nach kurzer Zeit nicht mehr vorhanden. Hinzu kommt, dass die COT-Daten nicht einmal tagesgenau sind. Sie sind bei ihrem Erscheinen bereits mehrere Tage alt.

Es liegt die Vermutung nahe, dass die Analysevorgänge überzogen werden. Es wird von den Analysten so viel hineininterpretiert, dass scheinbar immer eine Logik entsteht. Dabei werden Muster erkannt, die in der Realität nicht vorhanden sind. Solche Phänomene gibt es überall: Wenn man sich lange genug den Himmel anschaut, wird irgendwann in den Wolken eine Figur oder ein Muster erkennbar sein. Kurz danach verschwindet es.

COT-Daten bieten zwar zusätzliche Informationen über den Markt, doch die Daten sind nicht als Vorläufer nutzbar. Nicht nur ein Vergleich der Nettopositionen ist ohne Vorteil, sondern auch das Open Interest brachte keinen Nutzen. Wenn der Markt sich ändert, und vielleicht seinen Trend umkehrt, dann ist das alles an den COT Daten ablesbar, nur leider nicht als Vorläufer.

Vielleicht muss man auch die Fragestellung ändern? Wenn die COT-Daten einen Vorteil bieten würden, wären diese Informationen nicht sogar Insider-Informationen? Dann würde sich der Herausgeber (CFTC) eigentlich des Insider-Handels schuldig machen!

 

Trading mit GDL

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