Arms Index (TRIN) – Fast ein Super-Indikator – Teil 1

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Die meisten guten Indikatoren machen irgendwann schlapp

Viele Indikatoren verlieren über die Jahre ihre Wirkung. Das hängt oftmals damit zusammen, dass zu viele Marktteilnehmer den Indikator benutzen. Er wird dann einfach zu populär. Es starren zu viele Marktteilnehmer auf den Indikator, und wollen dann noch vor der Masse positioniert sein. Es ist eine Neigung den Indikator zu antizipieren. Das ist ein wenig verrückt, denn es geht immer noch darum, den Markt zu traden und nicht einen Indikator.

Der Arms-Indikator ist ein Indikator der viele Jahrzehnte überstanden hat, und trotzdem nie seine Wirkung verloren hat. Das macht ihn besonders wertvoll. Ursache dafür ist, dass er sich über die Art seiner Berechnung selbstjustiert. Man kann ihn deshalb nicht antizipieren.

Geburtsjahr 1967 – alt und gut

Die Idee des Arms Index stammt von Richard W Arms. Obwohl der Indikator bereits 1967 entwickelt wurde, zählt er immer noch zu den am meist genutzten Indikatoren unter den Tradern. Es sollte betont werden, dass tatsächlich mehr Trader und weniger Analysten ihn benutzen. Deshalb gibt es auch eine weitere Bezeichnung für den Arms-Index, nämlich den TRIN (TRading-INdex) oder auch „Short-Term-Trading-Index“.

Der TRIN ist ein kurzfristiger Indikator, der von Tag zu Tag betrachtet werden sollte. Die höchste Effektivität erreicht er, wenn man mit ihm überkaufte- und überverkaufte Marktzustände prognostiziert.

Als Grundlage für die Berechnung dienen Gesamtmarktdaten:

  • Anzahl gestiegener Aktien (Advances)
  • Anzahl gefallener Aktien (Declines)
  • Volumen der gestiegenen Aktien (Advancing Volume)
  • Volumen der gefallenen Aktien (Declining Volume)

TRIN-Formel

Bild: 1: Formel für die Berechnung des Arms Index (TRIN)

Beachten Sie, dass ein umgedrehtes Zahlenverhältnis gilt. Ein TRIN über 1 ist bearish, und unter 1 wäre bullish.

Je höher die Anzahl der Einzelaktien, desto präziser die Ergebnisse

Richard Arms wählte als Basis die Aktien der NYSE, um eine möglichst große Datengrundlage zu haben. Zunächst wird das Verhältnis von steigenden und fallenden Aktien gebildet. Würden zum Beispiel an einem Tag 2000 Aktien steigen und 1000 fallen, ist das Verhältnis 2.

Im zweiten Schritt wird das Volumen der gestiegenen Aktien durch das Volumen der gefallenen geteilt. Wenn das Verhältnis des gestiegenen Volumen zu den gefallenden auch 2 wäre, dann wäre der Markt im Gleichgewicht. Käufer und Verkäufer hätten dann eine Patt-Situation.

Ist das Verhältnis größer als 2, dann erfolgte der Kursanstieg mit verstärkten Volumen. Der TRIN als Quotient ist dann unter 1. Innerhalb eines Aufwärtstrends, wäre das ein Zeichen für eine Fortsetzung des Trends. Ist jedoch das Handelsvolumen übertrieben hoch, und damit der TRIN unter 0,6, könnte dies ein Zeichen von Erschöpfung sein. In diesem Fall würde das hohe Handelsvolumen darauf schließen lassen, dass sehr viele Marktteilnehmer versucht hätten, die Aktien zu verkaufen.

TRIN-Chart

Bild 2: Tages-Chart mit dem TRIN für NYSE

Im oberen Bild 1 wurde um den TRIN Bollinger-Bändern gelegt. Das Überschreiten der Bollinger-Bänder deutet immer auf ein Missverhältnis in der auf- bzw. absteigenden Bewegung des Marktes hin.

So interpretieren Sie den TRIN

Das Zusammenspiel gestiegener pro gefallener Aktien und des Volumens ist der Schlüssel zur Interpretation. Der TRIN zeigt eine inverse Tendenz zum Kursverlauf. Deshalb ist eine Kurssteigerung mit erhöhten Volumen gleichbedeutend mit einem tiefen TRIN unter 1. Umgekehrt deuten TRIN-Werte über 1 auf erhöhten Verkaufsdruck hin.
Die Berechnungsgrundlage des TRIN ist so aufgebaut, dass auch sehr extreme Zahlenwerte möglich sind. TRIN-Werte über 10 oder unter 0,1 sind mathematisch möglich. Hierbei ist zu beachten, dass in der Handelspraxis ein TRIN-Wert von 10 nicht bearisher wäre, als ein Wert von 5. Beide Werte sind absolute Ausnahmen sind. Das gleiche gilt im umgedrehten Fall mit 0,1 und 0,2.

Richard Arms sieht gewisse Grenzwerte an der NYSE für den TRIN bei 0,6 (zu bullish) und 1,6 (zu bearish). Die Grenzwerte sind als erster Hinweis zu sehen, wo der Markt geneigt ist seine Bewegungsrichtung zu ändern.

Woher bekommen Sie Daten für den TRIN?

Einige Kursdaten-Provider bieten den errechneten TRIN als Service für ihre zahlenden Kunden an. Soweit muss man jedoch nicht gehen. So kann der TRIN zum Beispiel kostenlos bei Yahoo abgefragt werden. Das passende Symbol für die historischen Daten ist STI.N.

Sie können den TRIN auch selbst berechnen. Unter http://finance.yahoo.com/stock-center/ finden Sie zum Beispiel eine Marktübersicht:

 

AD-Übersicht

Bild 3: Übersicht über die gestiegenen und gefallenen Aktien an den US-Märkten

Ähnliche Daten finden Sie auch unter

http://www.msn.com/en-us/money/markets

Passen Sie die Regeln an die Praxis an

Der Nutzen des TRIN kann auf unterschiedliche Weise gezogen werden. Wenn zum Beispiel ein übertrieben hoher TRIN für die US-Aktienmärkte angezeigt wird, ergeben sich oft hervorragende Kaufchancen für den DAX zum nächsten Handelstag.

Ein hoher TRIN (> 1,6) deutet auf eine überkaufte Situation hin. Daraus muss nicht zwingend eine komplette Trendwende für den Markt eingeleitet werden. Ein hoher TRIN kann auch bedeuten, dass es nur eine kurze Gegenbewegung geben könnte. Manchmal ist sie sogar nur auf einem Vormittag beschränkt. An andere Stelle kann sogar ein mehrmonatiger Trend beendet werden.

Bei der Anwendung des TRIN muss man als Trader in Wahrscheinlichkeiten denken. Grundsätzlich ist nämlich alles an der Börse möglich – nichts ist garantiert.

Sehr gute Handelsergebnisse gibt es, wenn der TRIN in ein bestehendes Handelssystem integriert wird.

So könnte man zum Beispiel in einem Aufwärtstrend starke Rücksetzer nutzen, um eine günstige Einstiegsmöglichkeit zu finden. Erfahrene Trader orientieren sich dabei gerne an Extreme der jüngsten Vergangenheit. Wenn zum Beispiel zuvor mehrmals eine bullishe Umkehr bei 1,4 geschafft wurde, dann könnte dies durchaus auch ein weiteres Mal wiederholt werden. Umgekehrt könnten auch gute Ausstiegspunkte bei einem TRIN von 0,7 möglich sein.
Lesen Sie weiter mit Teil 2: Handelssysteme mit dem TRIN »

Christian Lukas

Christian Lukas

Christian Lukas beschäftigt sich sein 1998 mit der Börse. Als privater Trader handelt er in erster Linie den DAX- und den Bund-Future. Seine Spezialität ist die Volumen-Analyse. Dabei wird der Kursverlauf mit dem Handelsvolumen in eine Beziehung gesetzt. Ziel ist die frühzeitige Erkennung von Veränderungen in Angebot und Nachfrage des Handelsobjektes. Weitere Infos unter www.volumen-analyse.de.
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