Was bedeutet es, nachhaltig/grün zu investieren?

September 20, 2018 9:57 pm

Grüne und nachhaltige Geldanlagen zählen zu den Investment-Trends der letzten Jahre. Immer mehr Anleger nutzen alternative Investments, um in ihrer Geldanlage ökologische oder soziale Zwecke zu fördern.
Doch was genau bedeutet es, nachhaltig oder grün zu investieren? Und woran können Anleger erkennen, dass sie mit ihrem Geld tatsächlich gute Zwecke unterstützen? Müssen Anleger mit weniger Rendite oder mehr Risiko rechnen? In unserem großen Ratgeber beantworten wir diese Fragen.

  • Immer stärkere Nachfrage nach nachhaltigen Investments
  • Ziel ist, etwas Gutes mit dem Geld anzufangen
  • Nachhaltige Fonds mit Auswahlproblem
  • Verschieden Siegel für nachhaltige Finanzprodukte
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Nachhaltige Fonds eines der Trendthemen schlechthin

Das Thema der nachhaltigen Geldanlage ist einer der wichtigsten Trends der Finanzbranche der letzten Jahre. Anleger möchten mit ihrem Kapital Gutes bewirken und fragen derartige Angebote immer stärker nach. Und auch viele Unternehmen denken um und wollen abseits der üblichen Geldindustrie nützliche Projekte fördern oder lediglich AGs unterstützen, die sich sozial und ökologisch verantwortungsbewusst verhalten.
So überrascht es nicht, dass es immer mehr Organisationen und Unternehmen gibt, die sich genau diesem Trend widmen. So existiert mittlerweile beispielsweise mit der Oekom Reserarch eine Rating-Agentur, die Unternehmen nach ethischen Gesichtspunkten bewertet. Nachdem lange Zeit nur einige wenige Fonds einen Schwerpunkt auf ethische Geldanlagen setzen, sind es inzwischen mehre Hundert. Viele Broker erlauben es inzwischen sogar, Fonds und ETFs nach dem Stichwort Nachhaltige Investments zu filtern. Verschiedene Kriterien ermöglichen es dabei, verschiedene ökologische Probleme auszuschließen oder beispielsweise „Umweltorientiertheit“ oder die Anerkennung von Prinzipen als Voraussetzung zu setzen.
Viele Fondsgesellschaften haben mittlerweile diesen Trend für sich entdeckt. Inzwischen gibt es sogar ETFs, die Indizes wie den Dow Jones Global Sustainability oder den MSCI World in verschiedenen Varianten abdecken und so kostengünstige Geldanlage auf mehr oder weniger nachhaltige Unternehmen ermöglichen.
Manche bezeichnen nachhaltige Fonds allerdings auch als reines Marketing. Es ist lange kein Geheimnis mehr, dass sich viele Fonds Schlagwörter wie „nachhaltig“ oder „ökologisch“ zuschreiben lassen, die enthaltenen Unternehmen jedoch letztlich in vielerlei Hinsicht zu kritisieren wären.  Nachhaltigkeit wird dabei allerdings auch immer mehr zu einer Art Kapital, was auch zukünftige Entwicklungen und Rückschläge durch Shitstorms oder Umweltkatastrophen beeinflusst.

Wie können Geldanlagen überhaupt nachhaltig sein?

Vielen Anlegern erschließt sich auf dem ersten Blick nicht, wie beispielsweise ein Festgeldkonto oder auch ein Fonds nachhaltiger sein kann als eine herkömmliche Geldanlage. Vor allem bei der Fremdfinanzierung spielen Anleger und Bankkunden jedoch die entscheidende Rolle.
So nutzen etwa viele Banken oder Tagesgeldanbieter die Einlagen der Kunden, um Kredite zu ermöglichen. Ein klassisches Beispiel hierfür sind die Autobanken, die oftmals für relativ hohe Tagesgeldzinsen stehen. Sie nehmen die Einlagen der Kunden und ermöglichen es somit Autokäufern, einen Autokredit aufzunehmen. Nachhaltige Banken nutzen das Geld also für nachhaltige oder grüne Zwecke und unterstützen dabei beispielsweise den Bau von Solaranlagen oder Kindergärten.
Etwas komplexer ist das Investment in Fonds. Viele Anleger erkennen hier den konkreten Wert für das Unternehmen nicht, wenn die Aktien durch nachhaltige Fonds stärker nachgeführt werden. Dies führt vor allem zur Kurssteigerung von Aktien. Allerdings hat das für das Unternehmen auch Vorteile:

  • Höhere Kapitalisierung vereinfacht die Kapitalerhöhung
  • Kreditwürdigkeit steigt
  • Widerstand gegen feindliche Übernahmen
  • Zufriedene Aktionäre

Wer speziell in ethische Geldanlagen investiert, hilft also den Aktienunternehmen dabei, erfolgreich auf dem Markt zu existieren und auf Wunsch sogar zu wachsen. Natürlich achten die Fondsmanager darauf, dass die ausgewählten Unternehmen Investitionen auch in wirtschaftlicher Hinsicht rechtfertigen.
Es bestehen unterschiedliche Herangehensweisen, um nachhaltigere Aktiengesellschaften von anderen zu trennen. Oftmals wird dem wirtschaftlichen Aspekt mehr Gewicht beigemessen. So gibt es eine Reihe von Indizes, in denen die größten Unternehmen der Welt gelistet sind und nur bestimmte Merkmale zum Ausschluss führen.

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Best-in-Class oder Ausschlusskriterien? – Wichtiger Unterschied

Bei den meisten Fonds oder ETFs, die in nachhaltige Unternehmen investieren möchten, werden zwei unterschiedliche Arten angewandt, um passende Aktien zu finden: Entweder sie nutzen den „Best-in-Class“-Ansatz oder sie formulieren eindeutige Richtlinien und Ausschlusskriterien. Beide Methoden haben Vorteile und Schwächen.
Beim Best-in-Class-Prinzip wird zunächst ein Anlageuniversum definiert (beispielsweise die 5.000 größten Aktienunternehmen der Welt) und dann jene ausgewählt, die die besten Nachhaltigkeitsleistungen in ihrer Branche erbringen. Das bedeutet also nicht, dass die Unternehmen nach harten Kriterien als „nachhaltig“ gelten können. Stattdessen sind sie diejenigen der Branche, die am meisten Engagement zeigen. Dies bietet den Vorteil, dass das Anlageuniversum eine Vorauswahl trifft, die in der Regel aus finanzieller Hinsicht für den Anleger mit Vorteilen verknüpft ist. Auf der anderen Seite handelt es sich dabei nicht zwangsläufig um ein nachhaltiges oder grünes Investment, sondern im Zweifel eher um eines, das nicht ganz so viel Schaden anrichtet wie andere.
Deshalb gibt es auch Fonds, die nachhaltige oder ökologische Ausschlusskriterien formulieren. Ausschließlich Unternehmen, die sich nach diesen Verhaltenskodex richten, können dann in den Fonds aufgenommen werden. Möglich wären bestimmte Branchen oder Tätigkeiten, wie beispielsweise:

  • Waffenhandel
  • Glücksspiel
  • Alkohol und Zigaretten
  • Umweltzerstörerische Praktiken wie nicht nachhaltige Rodungen
  • Tierversuche

Beide Ansätze haben dabei durchaus Schwächen und ermöglichen es nicht immer, dass nur jene Unternehmen ausgewählt werden, die nach den moralischen Maßstäben des Anlegers handeln. Gerade einzelne Ausschluskriterien anstelle eines Verhaltenskodex führen oftmals dazu, dass Nachhaltigkeit nicht unbedingt gewährleistet wird.

Problem: Nachhaltig ist nicht gleich nachhaltig

Die unterschiedlichen Kriterien hinsichtlich der Fondswahl führen natürlich auch dazu, dass nicht immer Unternehmen in den Fonds auftauchen, die eine „weiße Weste“ vorweisen können. So finden sich in den meisten Fonds oftmals Konzerne, die nach vielen Maßstäben nicht als moralische Vorbilder gelten können. Durch den Best-in-Class-Ansatz rutschen jedoch oftmals Unternehmen wie McDonalds oder Automobilkonzerne ins Portfolio, ohne dass der Anleger etwas dagegen tun kann.
Grund dafür sind auch die Probleme, die die Fondsgesellschaften bei der Definition der Richtlinien haben. Ein Best-in-Class-Ansatz garantiert beispielsweise keine gelebte Nachhaltigkeit. Und wenn bestimmte Branchen nicht ausgeschlossen werden, ist ein grünes Investment nicht mehr ganz so ökologisch.
Diese Problematik hat sich mittlerweile etwas gebessert. Es bestehen inzwischen mehr Fonds, die sich der Nachhaltigkeit widmen und die Richtlinien und Ausschlusskriterien deutlich strenger definieren. Auch hier gibt es jedoch einige Probleme. Zum einen betrifft dies Kontrollen und Verstöße gegen die festgelegten Richtlinien. Die Unternehmen sind schließlich nicht dazu verpflichtet, Regelverstöße zu melden. Um Missstände aufzudecken, ist allerdings eine umfangreiche Recherche möglich. Letztlich lässt sich also niemals ausschließen, dass sich doch ein „schwarzes Schaf“ im Portfolio befindet. Wird dieses demaskiert, leidet darunter auch die Glaubwürdigkeit des Fonds.
Ein weiteres Problem stellt das Risiko dar. Die Blue Chips gelten als vergleichsweise sichere Aktien und sind deutlich weniger volatil, gerade in Krisenzeiten. Unternehmen, die Nachhaltigkeit als Unternehmenskultur leben, sind hingegen oftmals deutlich kleiner und somit auch unsichere Werte. Anleger wollen aber nicht mehr Risiko eingehen, nur weil sie nachhaltig investieren möchten. Fonds müssen hier ein Gleichgewicht finden.
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Wie können Kunden erkennen, ob es sich um eine nachhaltige Geldanlage handelt?

Der Markt für nachhaltige Finanzprodukte ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Doch nicht immer handelt es sich dabei um Angebote, die auch einem hohen Anspruch genügen. In vielen Fällen haben Tests gezeigt, dass Richtlinien zu schwach waren oder nicht eingehalten wurden.
Aus diesem Grunde bestehen inzwischen verschiedene Möglichkeiten für Anleger, herauszufinden, mit welchen Angeboten sie tatsächlich nachhaltig investieren. Es existiert eine Reihe an Organisationen und Einrichtungen, die ethische Geldanlagen auf ihre Kriterien prüfen und bewerten:

  • FNG-Siegel
  • ECOreporterSiegel
  • Climetrics
  • Fair Finance Guide
  • Dow Jones Sustainability Indices
  • Global Challenges Index

Diese bewerten allerdings unterschiedliche Aspekte und teils auch unterschiedliche Finanzprodukte. So versucht Climetrics beispielsweise nur, ein Klima-Rating für Fonds zu erstellen, damit Anleger Auswirkungen ihres Investments auf das Klima nachvollziehen können. Demgegenüber hat das FNG-Siegel zahlreiche Mindestkriterien aufgestellt sowie ein Stufenmodell entwickelt, um die besten Fonds auszeichnen zu können. Der Dow Jones Sustainability Index deckt hingegen unterschiedliche Aktienunternehmen ab, die nach dem Best-in-Class-Prinzip ausgewählt werden. Es gibt ihn für unterschiedliche Regionen. Der Fair Finance-Guide ist hingegen vor allem an der Fairness der Geldinstitute interessiert.
Auch wenn es mittlerweile einige Projekte gibt, die dem Anleger dabei helfen sollen, sich zurechtzufinden, bedeutet dies bislang leider noch nicht, dass es einfach ist, Zweitmeinungen einzuholen. Sie sind vor allem als ein guter Anhaltspunkt zu verstehen. Letztlich erhalten sie natürlich keinen Zugriff auf alle relevanten Daten oder können Verstöße nur bedingt ahnden.

CSR – drei Buchstaben helfen, die Nachhaltigkeit einzuschätzen

Fast alle Siegel und Projekte arbeiten mit der Corporate Social Responsibility (CSR) der Unternehmen. Es handelt sich dabei um den freiwilligen Beitrag des Unternehmens zu einer nachhaltigen Entwicklung. Viele Unternehmen haben inzwischen ihre CSR eindeutig definiert und veröffentlichen ihre Werte dazu auch. Erklärtes Ziel ist es dabei üblicherweise, dass die CSR Ins Kerngeschäft integriert wird und so von allen Mitarbeitern nach außen transportiert wird.
Welche Ziele genau gesetzt werden, variiert dabei von Unternehmen zu Unternehmen. Grundsätzlich haben sie jedoch üblicherweise den Anspruch, ihre Mitarbeiter fair und ohne Diskriminierung zu behandeln und dafür hohe Sozialstandards zu schaffen. Andere konzentrieren sich hingegen auf Umweltstandards.
CSR verbessert natürlich ebenfalls das Image des Unternehmens deutlich. Dies wird häufig auch missbraucht. Bei der ökologischen Nachhaltigkeit hat sich für solche Versuche, „grüner“ zu wirken, als das Unternehmen eigentlich ist, auch der Begriff „Greenwashing“ durchgesetzt.
Die CSR gilt bei vielen Fonds mittlerweile als die Grundlage dafür, dass Fonds aufgenommen werden. Sie ermöglichen es den Fondsmanagern und ihren Teams, relativ leicht, herauszuarbeiten, wofür das Unternehmen steht oder zumindest stehen möchte. Zudem lassen sich dadurch Verstöße gegen die CSR deutlich leichter feststellen und somit beispielsweise auch Ausschlüsse begründen.
Eine Berufung auf die CSR als Kriterium für die Fondsauswahl bietet folglich auch keine Garantie dafür, nicht-nachhaltige Unternehmen mit Sicherheit ausschließen zu können, sie macht den Prozess jedoch deutlich transparenter und nachvollziehbarer.
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Nachhaltige Geldanlagen nicht nur in Fonds möglich

Viele Anleger denken, dass sie nur in Fonds nachhaltig investieren können. Tatsächlich bestehen jedoch auch in den typischen Geldanlagen für Sparer immer mehr Möglichkeiten, in soziale oder ökologische Zwecke zu investieren. Während die Beeinflussung eines Aktienkurses nicht immer direkte Vorteile für ein Unternehmen hat, geht es in diesen Fällen hingegen vor allem darum, dass Unternehmen oder Projekte auf diese Weise finanziert werden können.
Klassische Produkte hierfür wären beispielsweise Tagesgeld oder Festgeld. Bei vielen Banken, die auf diese Weise gemeinnützige oder nachhaltige Projekte fördern, müssen Kunden allerdings mit einer etwas geringeren Rendite rechnen. Dafür helfen die Anleger dabei, Projekte zu fördern, die einen Vorteil für die Gemeinschaft bedeuten. Dazu können beispielsweise die folgenden Zwecke zählen:

  • Erneuerbare Energien
  • Nachhaltige Wirtschaft
  • Bildung und Kultur
  • Soziales und Gesundheit
  • Wohnen
  • Ernährung

Viele Banken mit nachhaltiger Geldanlage stellen Kunden und Projekte vor. Auf diese Weise weiß der Kunde zwar nicht direkt, „wem“ er sein Geld geliehen hat, er weiß jedoch, was er mit seiner Anlage bewirken konnte.
Die verzinslichen Geldanlagen sind dabei natürlich nicht riskanter als die anderer Banken. Die Kreditnehmer müssen natürlich dennoch ausreichende Bonität und Tragfähigkeit des Geschäftsmodell vorweisen. Einige Banken bieten dabei für die Projekte nicht nur vergleichsweise günstige Kredite an, sondern werden ebenfalls beratend tätig.

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Fazit: Nachhaltige Geldanlagen sind schwierig zu definieren

Auch wenn ethische Investments zunehmend beliebter werden, ist es nach wie vor eine der größten Herausforderungen, festzulegen, welche Kriterien gelten sollen, um von einem nachhaltigen Investment zu sprechen. Sowohl Fond als auch Unternehmen sind sich der Anziehungskraft bewusst. Nicht selten führt dies dazu, dass Anleger mit gutem Gewissen investieren, letztlich aber genau jene Probleme finanziell unterstützen, die sie eigentlich vermeiden wollen.
Anleger, die viel Wert darauf legen, tatsächlich ethisch oder ökologisch zu investieren, haben allerdings inzwischen immer mehr Möglichkeiten, herauszufinden, ob ein Fonds diesbezüglich gut geeignet ist oder sich eher Greenwashing hinter den Produkten verbirgt. Es existieren unterschiedliche Organisationen und Siegel, die Anlegern zumindest bei der Vorauswahl helfen können. Anleger müssen aber zusätzlich auch selbst tätig werden und überprüfen, wie genau die Fondsauswahl stattfindet und welche Ausschlusskriterien oder Positivkriterien angewandt werden. Grundsätzlich können sie aber bei den meisten Fonds nicht davon ausgehen, dass sich das Vorhandensein von schwarzen Schafen komplett ausschließen lässt. Selbst die Anspruchsvollsten können die Einhaltung der Kriterien nicht ausreichend gewährleisten.
Anleger, die sich sicher sein wollen, dass ihr Geld sinnvoll verwendet wird, müssen zudem nicht zwangsläufig in Fonds investieren. Viele „ethische Banken“ bieten auch andere Produkte wie Tagesgeld oder Festgeld an und ermöglichen es oftmals, zu erfahren, für welche Projekte oder Unternehmen somit Finanzierungen ermöglicht wurden.