Langeweile ist beim Trading zerstörerisch

- Christian Lukas - 126 Kommentare

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Daytrading und Langeweile zerstört Ihr Konto!

Am 05.06.17 strahlte das ZDF eine interessante Dokumentation aus „Die Macht der Langeweile“. In der Doku wurde über ein Experiment berichtet, das weltweit Erstaunen bei den Psychologen erzielte. Die Erkenntnisse sind für alle kurzfristigen Trader von höchster Bedeutung.

An diesem Experiment nahmen 42 Teilnehmer teil. Es waren sowohl Männer als auch Frauen dabei. Den Teilnehmern wurde die Aufgabe gestellt, in einem informationsfreien Raum zu verweilen. Sie mussten sich auf einen Stuhl setzen, und 15 Minuten nichts tun. Einfach nur sitzen, und den Gedanken freien Lauf lassen. Zusätzlich wurde die Bedingung gestellt, dass die Versuchsteilnehmer in dieser Zeit keine andere Beschäftigung ausüben durften.

Stromstöße zum Spaß?

Die Forscher haben sich dann eine kleine „Gemeinheit“ ausgedacht, die das Experiment zu einer Sensation in der Verhaltensforschung machte. Bevor die Aufgabe umgesetzt wurde, installierte man eine kleine elektronische Vorrichtung am Unterarm jedes Teilnehmers. Hierbei handelte es sich um eine Vorrichtung, die kleine – aber schmerzhafte Stromstöße verursachen kann. Den Teilnehmern wurde zuvor erläutert, dass diese Stromstöße keine gesundheitlichen Schäden verursachen, allerdings schmerzhaft wären. Der Zweck der Vorrichtung wurde nicht erklärt, damit das Experiment ohne Beeinflussung blieb.

Christian Lukas

Christian Lukas

Christian Lukas beschäftigt sich sein 1998 mit der Börse. Als privater Trader handelt er in erster Linie den DAX- und den Bund-Future. Seine Spezialität ist die Volumen-Analyse. Dabei wird der Kursverlauf mit dem Handelsvolumen in eine Beziehung gesetzt. Ziel ist die frühzeitige Erkennung von Veränderungen in Angebot und Nachfrage des Handelsobjektes. Weitere Infos unter www.volumen-analyse.de.
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Die Überraschung gab es schon beim ersten Probanden

Als das Experiment startete, gab es schnell die erste Überraschung. Der erste Versuchsteilnehmer langweilte sich schon nach wenigen Minuten. Er spielte dann an der elektronischen Vorrichtung herum, und versetzte sich aus Langeweile und Neugier den ersten Stromschlag. Noch seltsamer: Er wiederholte die Stromstöße sogar. Das versetzte die Psychologen in Erstaunen, weil es schließlich nur um 15 Minuten Stillsitzen ging.

Die Versuchsteilnehmer konnten untereinander nicht miteinander kommunizieren. Somit waren die Verhaltensweisen der Teilnehmer massenpsychologisch nicht beeinflusst. Hielt man der ersten Teilnehmer noch für einen „Ausreißer“ des Experiments, musste man sich im Laufe des Experiments eines Besseren belehren lassen.

Im weiteren Ablauf des Experiments versetzen sich noch eine ganze Reihe andere Teilnehmer die Stromstöße. Zwei Drittel der Männer und ein Viertel der Frauen fühlten sich emotional genötigt, sich aus Langeweile Schmerzen zu zufügen.

Welche Erklärung gibt es zum Langeweile-Effekt?

Nach Beendigung des Experiments versuchten die Psychologen, die Handlungen der Teilnehmer zu erklären. Man konnte sich darauf einigen, das simples Nachdenken ohne zu handeln, nicht in der DNA des Menschen liegt.

Erstaunlich war zudem die Tatsache, dass die Teilnehmer einen Selektionsprozess vor dem Experiment unterzogen wurden. Man wollte alle Teilnehmer mit masochistischen Neigungen aussortieren. Es sollten nur solche Leute am Experiment teilnehmen, die zuvor im Fragebogen angekreuzt hatten, dass sie grundsätzlich Geld dafür bezahlen würden, wenn sie damit einen schmerzhaften Stromstoß vermeiden könnten.

Welche Gedankenprozesse laufen im Hirn ab?

Unser Gehirn kommt bei Langeweile in einem Konflikt zwischen dem Aufgabenteil und dem Ruheteil des Hirns. Der Effekt zeigte sich bei allen Teilnehmern. Um der Langenweile zu entgehen, gingen überraschend viele Teilnehmer dazu über, die Langeweile gegen Schmerz zu tauschen.

Die Macht der Langeweile kannten übrigens schon die alten Römer. Im historischen Rom war deshalb Langeweile ein „ehrbarer Grund“ für Selbstmord.

Ein Nährboden für Kreativität

Frühere Untersuchungen zeigten, dass Langeweile manchmal sogar einen positiven Effekt hat. Langeweile ist nämlich ein Nährboden für Kreativität. Viele moderne Errungenschaften und Experimente basierten darauf, dass sich jemand aus Langeweile darüber Gedanken machte, und Ideen und Lösungen entwickelte.
Ein Beispiel: Es ist bekannt, dass der berühmte Albert Einstein während seiner Arbeitszeit im Münchener Patentamt, ein Übermaß an Langeweile empfand. Er musste jedoch der Arbeit nachgehen, weil er Geld zum Leben brauchte. Das Resultat der Langeweile könnte die Entstehung der Relativitätstheorie gewesen sein. Seine Theorie entwickelte er überwiegend nach der regulären Arbeitszeit. Man könnte annehmen, dass sein Hirn Anregungen und Aufgaben benötigte, um nicht im Patentamt zu verkümmern.

Langeweile ist beim Trading tödlich

Vielleicht werden Sie sich fragen, wieso Langeweile ein wichtiges Thema für Trader ist? Es gibt Parallelen zum Trading und zwar mit negativer Auswirkung. Ein Trader, der fortwährend den Kursverlauf verfolgt, und über Stunden einen langweiligen Chart ohne Chancen vor sich hat, ist geneigt seinen „Spieltrieb“ nachzugehen.

Chart Euro-Stoxx50 mit langweiligen Handelstagen

Bild: 15min-Chart des Euro-Stoxx50-Index mit „Langeweile-Tage“

In oberen Bild ist der beliebte Euro-Stoxx-50 abgebildet. Hier sind zwei Tage als Beispiel aufgeführt, bei denen aktives Trading mit großer Wahrscheinlichkeit zum Misserfolg geführt hätte. Die Kursbewegungen reichen nicht aus, damit ein Trader im Intraday-Swing ausreichend Gewinn erzielen könnte. Die beiden Tage sind extrem langweilig und würden nur Geld kosten.

Trading aus dem Chart

Ein gelangweilter Trader hat immer unbewusst das Gefühl, dass er etwas tun müsste. Passend dazu, haben zum Beispiel Broker, die „Click-Order aus dem Chart“ entwickelt. Trader können mit dieser Funktion über den Chart eine Order auslösen, die direkt zum Broker weitergeleitet wird. Die Idee der „Click-Order“ hatten Broker nicht selbst. Sie ist aus der häufigen Nachfrage der Kunden entstanden. Für einen Profi mag die Funktion durchaus nützlich sein, aber für den Trading-Anfänger ist sie wahrscheinlich eher schlecht. Mit dieser Art der Funktion wird nämlich der Spieltrieb angeregt.
Grundsätzlich sitzen alle Trading-Anfänger vor dem Monitor, und neigen zu spontanen Handlungen. Order-Spontanität ist aber keine Eigenschaft, mit der man langfristig Geld verdienen kann. In der Regel fehlt es an der tieferen Analysearbeit. Zwangsläufig leidet darunter der Aufbau eines guten Risiko-Chance-Verhältnis.

Die Beseitigung von Langeweile im Trading

Menschliche Hirne sind so strukturiert, dass sie Langeweile beseitigen wollen. Das ist ein wichtiges Thema, mit dem sich besonders Daytrader beschäftigen sollten. Eine zwanghafte Order-Aufgabe passt nicht zum erfolgreichen Trading.

Die Aufgabe eines Traders muss sein, die Langeweile beim Trading zu verhindern. Wie gut das gelingt, hängt von der Handelsstrategie ab. Wenn die Strategie mit ernsthafter und dauerhafter Beobachtung des Kursverlaufes verbunden ist, dann wird der Trader vermutlich sehr leicht der Macht der Langeweile erliegen.

Es gibt keine pauschale Lösung zu diesem Problem. Entscheidend ist aber, dass der Trader versteht, dass Langeweile eine Gefahr ist. Insofern muss er ihr vorbeugen, und sobald Langeweile entsteht, Gegenmaßnahmen ergreifen. Im Idealfall führt er neue Tätigkeiten durch, die zu seiner Trading-Strategie passen, aber nicht zur routinierten Langeweile werden.

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