Zalando: Aktionäre verkaufen vor Haltefrist

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Bereits beim Börsengang ging es heiß her! , Quelle: Pressematerial Zalando

Der Verkauf von Zalando-Aktien vor der Haltefrist hat zu einem Kurseinbruch geführt. 2014 ging Zalando zu 21,50 Euro je Aktie an die Börse. Nach einer Berg- und Talfahrt, bei der der Kurs zwischen 17 und 27 Euro schwankte, verkauften Großaktionäre nun einen Teil ihrer Wertpapiere zu einem Kurs von 23,75 Euro je Aktie im Rahmen eines beschleunigten Platzierungsverfahren und konnten somit von einer Steigerung von rund zehn Prozent gegenüber dem Ausgabepreis profitieren.

Welche Großaktionäre trennten sich von den Aktien?

Global Founders GmbH, Holtzbrinck Ventures GmbH & Co. KG, AI European Holdings S.à r.l. und Rocket Internet AG gehörten zusammen mit Mitarbeitern zu den Shareholdern, die Aktien veräußerten. Insgesamt sind rund 18 Millionen Wertpapiere und somit 7,3 Prozent des Grundkapitals bei institutionellen Investoren platziert worden. Die Samwers verkaufen 9.197.128 Aktien im Wert von knapp 224 Mio. Euro, Holtzbrinck trennt sich von 4.209.370 im Wert von 102 Mio. Euro. Mit dem schwedischen Fonds Kinnevik behielt der größte Anteilseigner alle Aktien. Kinnevik, Bestseller und weitere Zalando-Aktionäre wollen die Haltefrist für 64 % des Aktienkapitals sogar bis zum 28. Juni 2015 und somit um weitere 3 Monate verlängern. Ein möglicher Grund hierfür ist sicherlich, dass die Investoren die negativen Effekte der Gewinnmitnahme abfangen wollen. Grundsätzlich gilt ein Verkauf von Aktien vor der Haltefrist als schädlich für das Vertrauen der Anleger in das Management. Der frühe Verkauf der Aktien durch die anderen Altaktionäre nach nur 162 Tagen hat unterdessen für einen Kurseinbruch gesorgt.

Kurseinbruch, aber gesteigerte Chancen auf MDAX-Platz

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Zalando-Kurs auf Talfahrt , Quelle: Pressematerial Zalando

Die Aktie von Zalando fiel wegen der Platzierung am Dienstag um knapp sieben Prozent und um weitere 2,5 Prozent am Mittwoch Vormittag. Allerdings gehen die meisten Händler davon aus, dass der Kurs sich schnell wieder erholen wird. Grund dafür ist auch, dass der Streubesitz steigt und damit die Chancen auf einen Aufstieg in den Mittelwerteindex MDax in greifbare Nähe rückt.

Die Marktkapitalisierung auf Basis der Aktien, die dem Börsenhandel zur Verfügung stehen, dürften nun nach Einschätzung von Commerzbank-Analystin Petra von Kerssenbrock bei gut einer Milliarde Euro liegen. Damit liegt der Wert nur noch etwas unter anderen Aufstiegskandidaten wie CTS EVENTIM. Da TUI eine Fusion mit TUI Travel plant, ist davon auszugehen, dass bald einer der Aspiranten in den MDax aufsteigen wird. Als weiterer Konkurrent gilt der Autozulieferer Hella.

Eine schnelle Erholung des Kurses wird zudem auch von den guten Geschäftszahlen des Berliner Unternehmens aus dem vergangenen Jahr begünstigt. Der Aufstieg in den SDax gelang Zalando bereits zwei Monate nach Börsengang. Bereits zu diesem Zeitpunkt war über eine Aufnahme in den MDax spekuliert wurden, da der Streubesitz von Sky Deutschland unter zehn Prozent gefallen war und das Unternehmen somit aus dem MDax ausschied. Den Platz übernahm allerdings der Gabelstaplerherrsteller Jungheinrich. Auch von der umstrittenen Übernahme des Immobilienunternehmens Gagfah durch die Deutsche Annington konnte Zalando nicht profitieren und musste dem Autozulieferer Bertrandt den Vortritt lassen. Nun scheinen sich die Voraussetzungen jedoch wesentlich gebessert zu haben, sodass eine Aufnahme in den MDax immer wahrscheinlicher wird.

Zalando verbucht Erfolge

Der Kurs von Zalando konnte sich in den letzten Wochen auf einem stabilen Niveau etablieren. Auch die Geschäftszahlen überzeugten. 2014 konnte der Online-Händler nicht nur den Umsatz deutlich steigen, sondern auch erstmals Gewinn verbuchen. Allein innerhalb der DACH-Region konnte der Umsatz von 1,056 Mrd. Euro auf 1,234 Mrd. Euro gesteigert werden. 2015 ist ein weiteres Wachstum von 20 bis 25 % vorgesehen, sodass sich der Gesamtumsatz von 2,214 Mrd. Euro auf mindestens 2,65 Mrd. Euro steigern würde. Zudem hatte das Berliner Unternehmen angekündigt, seine Mitarbeiterzahl auf 10.000 zu erhöhen und dafür rund 2.000 neue Beschäftigte einzustellen.

Erste Akquisitionen sollen das Unternehmen vorwärtsbringen

Die Wachstumsstrategie des Unternehmens besteht dabei in der jüngeren Vergangenheit auch auf Akquisitionen. So hat Zalando gerade erst für einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag 100 % der Aktien des 2011 gegründeten Adtech-Spezialisten Metrigo erworben. Das Hamburger Unternehmen hat sich auf datengetriebene Lösungen für vertriebsorientierte Display-Werbekampagnen spezialisiert. Nun folgte die Übernahme der insolventen E-Reading-Plattform Txtr. Insgesamt 15 Entwickler wechseln im Rahmen eines Acqui-Hire zum Berliner Unternehmen. Sie sollen die Abteilung um Project Z verstärken, das an einem Stylisten-Service arbeitet. Die Höhe der Ablöse ist nicht bekannt. Für die Mitarbeiter hätten verschiedene Angebote vorgelegen, den Zuschlag erhielt Zalando auch aufgrund der Arbeitsumgebung und der interessanten Aufgabe. Technologie, der laufende Betrieb und die Kundenbasis von Txtr sollen von einem anderen deutschen Unternehmen übernommen werden.

Ziel des Unternehmens ist es nach wie vor, sich mit Größen des E-Commerce wie Amazon und Alibaba zu messen. Dafür ist langfristig ein Ziel von 10 Milliarden vorgesehen. Laut Angaben der Geschäftsführung hat das Unternehmen das Potenzial dafür, diese Marke zu knacken. In welchem Zeitrahmen und mit welcher Strategie dieses ehrgeizige Ziel letztlich erreicht werden soll, ist allerdings noch unklar.


Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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