Wie entstehen hohe Bösengewinne?

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Der Anreiz ist Reichtum

Eigentlich sind wir Börsianer gar nicht so unterschiedlich. Welcher Trader kann denn schon von sich behaupten, dass er an der Börse spekuliert, um eine kleine Rendite zu erzielen. Ist das der Anreiz? Seien wir doch mal ehrlich. Wir wollen doch nicht 5% sondern 5000%. Eben die große Kohle – und das möglichst schnell.

Christian Lukas

Christian Lukas

Christian Lukas beschäftigt sich sein 1998 mit der Börse. Als privater Trader handelt er in erster Linie den DAX- und den Bund-Future. Seine Spezialität ist die Volumen-Analyse. Dabei wird der Kursverlauf mit dem Handelsvolumen in eine Beziehung gesetzt. Ziel ist die frühzeitige Erkennung von Veränderungen in Angebot und Nachfrage des Handelsobjektes. Weitere Infos unter www.volumen-analyse.de.
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Nach dem Einstieg liegt der Trader hinten

Bevor das „Wie?“ der Ausgangsfrage beantwortet werden kann, sollten die Rahmenbedingungen offengelegt werden. Kurse können steigen oder fallen, und deshalb kann der Durchschnittsbörsianer nicht besser als ein Münzwurf sein. In der Realität sieht es dann noch einmal ein wenig schlechter aus, denn wir sind schon im Nachteil, wenn wir eine Position eröffnen. Es gibt immer eine Differenz zwischen dem An- und dem Verkaufspreis. Zusätzlich entsteht beim Kauf- und Verkauf eine Gebühr durch den Broker. Noch schlechter wird es, wenn man penibel die Kosten für Hard- und Software, Internetzugang usw. hinzurechnet. Um also an der Börse Geld zu verdienen, muss man also besser sein als der Zufall. Grobgeschätzt benötigt der Durchschnittsbörsianer eine Trefferquote von ungefähr 52%, um einen Gleichstand zwischen Gewinn und Verlust zu erzielen, vorausgesetzt der Durchschnittsgewinn und -verlust ist gleich hoch.

Eckdaten eines Handelssystems

In der Praxis werden mehrere Kennzahlen für die Beurteilung eines Handelssystems verwendet. Entwickler möchten im Idealfall, eine möglichst konstant ansteigende Kapitalkurve erreichen. Die Ausgangspunkte für eine erste Beurteilung sind die folgenden drei Kennzahlen:

Trefferquote in % = Anzahl der Gewinn-Trades / Anzahl der Verlust-Trades

Payoff-Ratio = Durchschnittsgewinn / Durchschnittsverlust

Profitfaktor = Summe der Gewinne / Summe der Verluste

Beeinflussen kann der Trader die Trefferquote oder die Payoff-Ratio. Der Profitfaktor ist lediglich eine mathematische Formel aus Trefferquote und Payoff-Ratio.

Der Profitfaktor ist eine zusammenfassende Kennzahl des Handelssystems. Ohne Handelskosten ist der Grenzwert gleich 1. Ist also der Profitfaktor über 1, dann produziert das System Gewinne. Bei einem Wert unter 1 entstehen Verluste. Der Profitfaktor setzt sich mathematisch aus der Trefferquote und der Payoff-Ratio zusammen. Wenn man von der oben angesprochenen Notwendigkeit von 52% Trefferquote ausgeht, dann benötigt man einen Profitfaktor von 1,08, um ein ausgeglichenes Konto zu erreichen.

Bleiben wir jedoch zunächst in der Theorie: Ein Profitfaktor von 1 wäre dann die „natürliche“ Situation des Börsenhandels. Was der eine verdient, muss der andere verlieren. Und langfristig gleicht sich alles aus, und niemand kann als Gewinner dastehen. Das klingt ernüchternd. Wie wir jedoch wissen, gibt es Trader, die über Jahre außerordentliche Renditen erwirtschaften konnten. Deshalb steht die Frage im Raum, was diese besonderen Trader anders machen?

Die Stellschrauben des Handelssystems

Um ein Handelssystems zu verändern, hat ein Entwickler zwei Stellschrauben. Er kann versuchen, die Trefferquote oder die Payoff-Ratio zu erhöhen. Auf den ersten Blick sind Trefferquote und die Payoff-Ratio unabhängig voneinander. Doch in der Praxis beeinflussen sie sich gegenseitig. Wenn man bei einem vorgegebenen Handelssystem die Trefferquote erhöhen möchte, geht das nämlich oft zu Lasten der Payoff-Ratio, und umgedreht. Mit dieser Ausgangssituation dreht sich der Trader im Kreis. Ein echter Fortschritt ist so nicht zu erzielen. Über Marktfilter könnte man zusätzlich versuchen, beide Stellschrauben positiv zu beeinflussen. Das funktioniert manchmal gut. Meistens hat es jedoch den Nachteil, dass sich die Anzahl der Trades verringert. Der Effekt ist, dass man tolle Systemkennzahlen geschaffen hat, aber weiterhin ein kleines Konto behält, weil die Gewinnsumme klein bleibt.

Irreführende Weisheit

Bevor man in eine Position einsteigt, so lautet eine Börsenweisheit, sollte man sicher sein, dass das Chance-Risiko-Verhältnis (CRV) mindestens doppelt so hoch ist. Demnach wären nur die Trades interessant, bei denen der Gewinn mindestens zwei Mal so hoch wäre, wie ein möglicher Verlust. Das klingt gut, funktioniert aber in der Praxis nicht gut. Denn niemand weiß, was der Markt als nächstes tun wird. Und wenn der Trader trotzdem auf diese Regel besteht, dann muss er manchmal sehr lange warten, bis er zum Handeln kommt. Ein Geduldsspiel, das nur die wenigsten aushalten. Die Realität bringt den Trader auf den Boden der Tatsachen.

Der Kulminationspunkt ist der Gewinn-Multiplikator

Wenn wir einen Berg betrachten, dann liegt der Kulminationspunkt auf dem Bergrücken. Es ist die Grenzlinie zwischen aufwärts und abwärts. Übertragen auf die Börse gibt es den Kulminationspunkt zwei Mal. Einmal in der Aufwärtsbewegung, wenn der Kurs übergeht, um zu fallen, und das andere Mal in der Abwärtsbewegung, wenn der Kurs umkehrt, und steigen will.

Wenn der Trader den Kulminationspunkt erwischen kann, dann ist er in der Lage seinen Durchschnittsgewinn beträchtlich zu erhöhen. Zwangsläufig erhöht er damit die Payoff-Ratio seines Handelssystems.

An der Börse herrscht immer Unsicherheit. Ein Trader weiß deshalb nie, ob er den Punkt wirklich erwischt hat. Der Kulminationspunkt ist der Punkt der höchsten Unsicherheit der Marktteilnehmer. An diesem Punkt gibt es deshalb nur eine Maxime: Der Trader muss einen engen Stop setzen, und wenn der Kurs in die gewünschte Richtung läuft, muss er den Kurs laufen lassen. Nur so kann er viel gewinnen und wenig verlieren.

So kommt man an die großen Gewinne heran

Der heilige Gral liegt im Markt selbst. Um außerordentliche Gewinne erzeugen zu können, muss ein Trader spezielle Marktsituationen suchen. Das ist nicht einfach, denn zweifelslos muss der Trader sich mit riskanten Marktsituationen auseinandersetzen. Risiko und Gewinn sind untrennbar miteinander verknüpft. Diese speziellen Situationen gibt es nicht oft, deshalb muss man sie genau studieren. Hierzu kann man nicht eine Anleitung schreiben, denn Märkte ändern sich ständig. Vielmehr muss der Trader selbst aktiv werden, und sein eigenes persönliches und emotional ertragbares Risikolevel finden.

So könnte eine spezielle Marktsituation mit hohem Gewinnpotenzial aussehen.

Risiko-Management

Bild: Tages-Chart des DAX mit Short-Signalen

Beispiel für gutes Risiko-Management in einem unbekannten Umfeld

Das obere Bild zeigt eine interessante Situation im September 2014. Es bildete sich ein klassisches A-B-C-Korrekturmuster. Die Abwärtswelle A fand im August einen Tiefpunkt. Anschließend startete eine Gegenbewegung, nämlich die Welle B. Die Welle B ist der Ausgangspunkt für einen potenziellen Short-Trade. An der Dynamik der Welle B ist zu erkennen, dass sie nicht impulsiv war. Daher wartet der Trader auf den Beginn der Welle C, um einen Short-Trade zu platzieren.

Was er allerdings nicht weiß, ist der Zeitpunkt, wann die Welle B endet. Deshalb zeichnet er einen ersten Trendkanal ein. Ende August ist es soweit. Der erste Trendkanal wird gebrochen gleichzeitig ist der Stochastik-Indikator in einem überkauften Bereich (Punkt (1)). Das sind gute Bedingungen für einen Short-Trade. Vier Tage später ist es allerdings schon wieder vorbei. Die Stochastik dreht erneut nach oben und der Trader schließt den Trade mit einem Verlust.

Der Markt könnte nach dem Punkt (1) erneut bullish werden, und neue Dynamik entfachen. Deshalb zieht der Trader einen zweiten Trendkanal jeweils zum nächsten Hoch. Sieben Tage später kommt das nächste Short-Signal (Punkt (2). Erneut ist der Aufwärtstrendkanal gebrochen worden, und die Stochastik steht auf „short“. Der Stochastik-Indikator deutet zudem ein doppeltes Hoch an, was die Gewinnchance noch einmal erhöht (abflachender Marktschwung).
In dieser Situation wäre es angebracht das Risiko zu erhöhen, und die Short-Position mit mehr Kapitaleinsatz zu wiederholen. Doch nun passiert das emotional Unangenehmste. Der Markt dreht wieder nach oben, und ein erneuter Verlust muss realisiert werden. 95% der Trader sind nun frustriert, wütend oder niedergeschlagen: Sie geben auf. Und deshalb holen sich nur 5% der Trader die hohe Belohnung ab.

Am Punkt (3) ist es nämlich wieder soweit. Zum dritten Mal wird der Trendkanal gebrochen und die Stochastik dreht nach unten ab. Dieser Punkt trägt ein enormes Gewinn-Potenzial in sich. Aggressive Trader gehen am Punkt (3) mit hohen Kapitaleinsatz in eine Short-Position. Und das Risiko wird außerordentlich hoch belohnt. Der DAX bricht kurzfristig ein.

Beherrschen Sie Ihre Emotionen

Um hohe Börsengewinne zu erzielen, müssen Sie das Risiko suchen. Gleichzeitig müssen sie die riskanten Börsensituationen emotionslos beherrschen. Der Großteil der Marktteilnehmer ist emotional aufgeladen. Extreme Gier und höchste Angst liegen ganz dicht nebeneinander. Wenn Sie es schaffen, das hohe Risiko der Marktsituation perfekt zu managen, dann haben Sie den Schlüssel zur ganz großen Geldtruhe.

 

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