Wechsel in der Metro-Chefetage

Die Duisburger Familenholding Haniel bestimmt seit Jahrzehnten die Strategie des Handelskonzerns Metro. Nicht immer zur Freude aller Beteiligten. Nun will Haniel die Abhängigkeit reduzierten und ein Chefwechsel im Aufsichtsrat ist geplant. Markus Haniel wird seine Position als Aufsichtsratschef abgeben. Als Nachfolger will man einen unabhängigen Kandidaten einsetzen und hat ihn mit Jürgen Steinemann wohl bereits gefunden. Steinemann war bislang bei Barry Callebaut, dem größten Schokoladen- und Kakao-Herstellers der Welt tätig.

Haniel seit Jahrzehnten bei Metro

Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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Metro-Aufsichtsratschef Franz Markus Haniel , Quelle: haniel.de

Metro-Aufsichtsratschef Franz Markus Haniel , Quelle: haniel.de

Metro ist ein Handelskonzern mit Tradition. Die Gründung erfolgte bereits 1964. Schon zwei Jahre später traf der damalige Geschäftsführer Otto Beisheim Friedrich Willhelm Lenz, den Vorsitzenden der Geschäftsführung bei der Franz Haniel & Cie GmbH. Damals war Haniel auf der Suche nach neuen Anlage-Möglichkeiten und hat diese bei Metro gefunden. So schlossen sich die bekanntesten Unternehmerfamilien des Ruhrgebiets zusammen und Haniel wurde Gesellschafter der Metro. Beisheim konnte dadurch im gleichen Atemzug ebenfalls Gesellschafter werden.

Von da an bestimmte Haniel die Geschicke von Metro mit. In den vergangenen Jahren baute Haniel seine Anteile bei Metro jedoch Stück für Stück ab. Die Holding will sich unabhängiger von dem Handelskonzern machen. So verlässt nun Franz Markus Haniel, der seit 2012 Aufsichtsratsvorsitzender war, das Unternehmen. Bereits in den Jahren 2007 bis 2010 war er in dieser Funktion tätig.

Nun geht der Aufsichtsratsvorsitz also an einen unabhängigen, externen Kandidaten. Dennoch will Haniel Metro nicht ganz aufgeben, dafür sind die Unternehmens- und Familiengeschichten aus den vergangenen 50 Jahren zu eng miteinander verbunden. Franz Markus Haniel wird auch weiterhin Aktien bei Metro halten.

Verluste in den vergangenen Jahren

In den letzten Jahren war die Freude bei Haniel über Metro nicht immer groß: Der Handelskonzern brachte der Holding Abschreibungen in Milliardenhöhe ein. 2012 fiel Metro aus dem Dax und Haniel musste einen Verlust von 1,9 Milliarden Euro in Kauf nehmen. Allein 1,2 Milliarden Euro davon waren Abschreibungen auf die Metro-Anteile der Holding.

Auch aus diesem Grund will Haniel nun seinen Einfluss verringern. Hielt man von einigen Jahren noch 34 Prozent an Metro, sollen es 2020 nur noch 20 Prozent sein. So behält Metro aber immer noch seinen Platz im Haniel-Portfolio. Neben Haniel sind die Unternehmerfamilien Schmidt-Ruthenbeck und Beisheim Großaktionäre bei Metro und halten 15 bzw. neun Prozent der Stimmrechte im Aufsichtsrat.

Franz Markus Haniel tritt bei der Hauptversammlung im kommenden Februar endgültig ab. Dann übernimmt Jürgen Steinemann die Aufgabe und wird den Metro-Vorstand unterstützen. Der 56-jährige Steinemann kennt die Lebensmittel- und Handelsbranche sehr gut. Vor seiner Tätigkeit bei Berry Callebaut war er unter anderem bei dem Konsumgüterkonzern Unilever beschäftigt. Schon im September wird Steinemann seine Arbeit im Aufsichtsrat aufnehmen. Zunächst ersetzt er den ehemaligen E.on-Chef Wulf Bernotat, der aus dem Aufsichtsrat ausscheidet. Der Wechsel an der Aufsichtsratsspitze wird auch von den beiden anderen Großaktionärsfamilien mitgetragen.

Zäsur für Metro

Haniel ist in der fünften Generation an der Metro-Spitze. In dieser Funktion koordinierte Franz Markus Haniel die Interessen der 700-köpfigen Familiendynastie. Nach seinem Ausscheiden aus dem Aufsichtsrat wir nur noch Florian Funck, der Finanzchef von Haniel, im Aufsichtsrat vertreten sein.

Die Distanz zwischen Haniel und Metro wurde in der vergangenen Zeit immer größer. So äußerte sich Stephan Gemkow, der Chef von Haniel, im Februar kritisch über die Entwicklung des Metro-Konzerns. Es wurde deutlich, das Haniel mit den Ergebnissen bei Metro nicht zufrieden ist. Im Mai folgte dann ein Teilrückzug des Großaktionärs. Dieser fand ausgerechnet während einer Präsentation von Metro-Chef Olaf Koch vor Analysten statt, als dieser in Berlin die Vorteile seiner Strategie darstellte. Zudem wurde ein Pool-Vertrag aufgelöst, der den Familien Haniel und Schmidt-Ruthenbeck die Mehrheit bei Metro sicherte.

Übrigens legt Metro am Donnerstag die Zahlen für das dritte Quartal vor. Die Ergebnisse werden allerdings etwas verzerrt sein. Der Hauptgrund dafür ist der Verkauf der Kaufhof-Kette Mitte Juni an den kanadischen HBC-Konzern. Daher wird Kaufhof erstmals nicht als fortgeführtes Geschäft berücksichtigt. Allerdings profitiert Metro von Immobilienverkäufen aus dem letzten Jahr. Und es kommt ein starkes Ostergeschäft im zweiten Quartal 2015 dazu. Metro erwartet trotz aller Schwierigkeiten einen leichten Umsatzanstieg für das zweite Halbjahr. Allerdings stammen diese Einschätzungen aus der Zeit vor dem Kaufhof-Verkauf und dem Führungswechsel an der Aufsichtsratsspitze.

Darüber hinaus kommt es mit dem Minderheitsgesellschafter Erich Kellerhals immer wieder zu Konflikten. Er plant, Media-Saturn von Metro zu lösen und ganz oder teilweise selbst zu übernehmen. In der nächsten Zeit werden also einige Unsicherheiten auf die Metro-Kette zukommen.


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