US-Waffenhersteller Colt vor Pleite

Der Slogan „The legend continues“ könnte bald so nicht mehr stimmen: Nach 160 Jahren könnte es bald keine Waffen der legendären Herstellerfirma Colt mehr geben. Laut dem TV-Sender CNN droht Colt in wenigen Tagen die Zahlungsunfähigkeit. Im Mai habe man eine Rechnung über 10,9 Millionen Dollar nicht mehr bezahlen können. Vielleicht ist die Pleite aber auch ein Neuanfang.

Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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Das Unternehmen aus Hartfort in Connecticut hat zudem bereits die zuständige Finanzaufsichtsbehörde informiert. In einer Mitteilung habe man Zweifel über die weitere Geschäftsfähigkeit eingeräumt und einen Insolvenzantrag angekündigt. Danach bekam Colt eine Frist bis zum 14. Juni, um seine Schulden, vor allem Zinszahlungen an Käufer von Anleihen, zu begleichen. In einer Mitteilung des Dachverbands Colt Defense an die US-Börsenaufsicht heißt es, bereits am Freitag sei eine Entscheidung fällig. Nur wenn Colt weitere finanzielle Unterstützung erhält, könne man die ausstehenden 14,7 Millionen Dollar zahlen.

Umschuldung und Verkaufspläne

 

Colt und die zuständige Bank haben sich schon auf eine Umschuldung geeinigt

Colt und die zuständige Bank haben sich schon auf eine Umschuldung geeinigt

Colt und die zuständige Bank haben sich schon auf eine Umschuldung geeinigt. Eine Investorengruppe lehnte jedoch ein erstes Angebot mit der Begründung ab, man wolle keine Verluste hinnehmen. Insgesamt drücken Colt wohl mehr als 350 Millionen Dollar Schulden. Ein Verkauf des Waffenherstellers steht dennoch im Raum. Größere Rivalen wie Smith & Wesson oder Sturm Ruger könnten das Unternehmen übernehmen.

Auch ein deutscher Hersteller bekundet Interesse: Bei Heckler & Koch in Oberndorf am Neckar beobachtet man die Geschehnisse in den USA sehr genau. Beide Firmen sind in etwa gleich groß. 1999 wollte Colt den deutschen Konkurrenten kaufen. Vor 16 Jahren gehörte Heckler & Koch noch zum Luftfahrt- und Rüstungskonzern British Aerospace. Der Einstieg scheiterte und 2002 kaufte der Multiunternehmer Andreas Heeschen mit weiteren Investoren Heckler & Koch.

Kurz danach wollte Heckler & Koch dann seinerseits bei Colt einsteigen. Man reiste auch aus Baden-Württemberg nach Connecticut, um sich die Produktion anzusehen und zu verhandeln, aber auch diese Übernahme kam nicht zustande. Bietet sich nun für eine neue Chance für Heckler & Koch? Auf Anfrage der „Welt“ sagte Mehrheitseigentümer Heeschen, dass er die Vorgänge bei Colt nun seit etwa zehn Jahren verfolge. Derzeit sei es aber zu früh, um festzustellen, ob sich ein für Heckler & Koch tragbares Konzept darstelle. Man wartet also erst einmal ab, wie sich die Situation, Eigentumsverhältnisse bei und das Kundeninteresse bei Colt entwickeln. Davon könnte auch der Kaufpreis abhängen. Derzeit baut Heckler & Koch sein eigenes US-Geschäft aus.

Colt schon seit längerem in Schwierigkeiten

Samuel Colt konstruierte Mitte des 19. Jahrhunderts für die Texas Rangers, eine Polizeitruppe, den ersten Revolver für den Kampf gegen Indianer. 1836 erhielt Samuel Colt das Patent für Revolver mit Drehtrommel. Erstmals konnte man sechs Schüsse ohne Nachladen abgeben. Diese Erfindung war eine Revolution in der Waffenindustrie. 1855 wurde die Colt’s Manufacturing Company gegründet und im Laufe der Jahrzehnte entstand ein weltweit bekanntes Traditionsunternehmen.

Die Colt-Waffen sind nicht nur aus Wild-West-Filmen bekannt, sondern wurden auch mehr als 80 Jahre von der US-Armee genutzt. Heute steht Colt unter dem Dach der Colt Defense LLC und der New Yorker Hedgefonds und Finanzinvestor Sciens Capital Management ist Eigentümer des Unternehmens. Sciens Capital Managment kaufte seine Anteile am Unternehmen schrittweise vom bekannten New Yorker Investor Donald Zilkha. Colt musste in der letzten Zeit Kritik dafür einstecken, dass man zu wenig in Forschung und Entwicklung investiert habe und Geld abgezogen hat. Im Übrigen gelten die Produktionsanlagen von Colt gelten unter Experten als veraltet.

Colt kennt Höhen und Tiefen. Schon einmal stand das Unternehmen kurz vor dem Bankrott. 1994 brach das Geschäft mit Verkäufen von Revolvern und Pistolen an Privatpersonen ein. Zudem sah sich das Unternehmen teuren Schadenersatzklagen ausgesetzt. Davon erholte sich Colt jedoch wieder. In den vergangenen fünf Jahren gab es dann Gewinne und Verluste. 2013 machte man 270 Millionen Dollar Umsatz und 23 Millionen Dollar Gewinn. 2010 und 2012 machte man noch Verluste. Für 2014 liegen die abschließenden Zahlen noch nicht vor, man geht jedoch von 190 Millionen Dollar Umsatz und hohen Verlusten nach einer Restrukturierungsphase aus.

Entscheidend für die Zukunft von Colt ist auch die Frage, ob die US-Armee weiter in Hartford einkauft. Bislang waren die US-Streitkräfte ein Großabnehmer für die amerikanischen Standardwaffen M16 und M4. Aber Colt produziert diese Waffen nicht allein. Das M16 wird auch im US-Werk von Fabrique Nationale Herstal, einem belgischen Unternehmen, hergestellt. Angeblich kostet ein M16 650 Dollar. Für Experten ein absoluter Dumping-Preis. Zudem verlor Colt vor zwei Jahren einen wichtigen Auftrag der US-Armee. Bei den Verkäufen an Privatkunden sind unter anderem Bushmaster, Daniels Defense, Smith & Wesson oder Remington Mitkonkurrenten.

Bildquelle: Pixabay

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