Underperformance mit Aktien – Loser´s Game

Underperformance mit Aktien

Warum Fonds eine Underperformance zeigen

Im Jahr 1995 hat Charles D. Ellis einen sehr interessanten Artikel im Financial Analysts Journal veröffentlicht. Ellis, Jahrgang 1937, arbeitete als Berater für Investment-Fonds, und trat mit einer revolutionären Meinung auf. Fast alle Fonds-Manager gehen davon aus, dass sie Fähigkeiten besitzen, mit denen sie den Markt schlagen können. Im angesprochenen Artikel beweist er jedoch, dass die Annahme falsch ist.
Tatsächlich ist es so, dass eine deutliche Mehrheit der Fonds-Manager schlechter als ein Vergleichsindex abschneidet. Das ist etwas peinlich, denn die „hervorragende“ Performance ist normalerweise das Hauptargument beim Fonds-Marketing.

Christian Lukas

Christian Lukas

Christian Lukas beschäftigt sich sein 1998 mit der Börse. Als privater Trader handelt er in erster Linie den DAX- und den Bund-Future. Seine Spezialität ist die Volumen-Analyse. Dabei wird der Kursverlauf mit dem Handelsvolumen in eine Beziehung gesetzt. Ziel ist die frühzeitige Erkennung von Veränderungen in Angebot und Nachfrage des Handelsobjektes. Weitere Infos unter www.volumen-analyse.de.
Christian Lukas

Niedriges Risiko durch Management

Angesichts der realen Ergebnisse entstehen Widersprüche. Meist wird die Underperformance mit Absicherung und niedrigem Risiko gerechtfertigt. Ob es tatsächlich so ist, kann nur im Einzelfall geklärt werden. Ellis untersuchte den S&P500 in einen Zeitraum von 12 Jahren, und er kam zu dem Ergebnis, dass der Durchschnitt der Fonds-Manager 0,8% unterhalb der Index-Performance liegt. Das ist nicht viel, und doch widerspricht es den Glaubensgrundsätzen der Fonds-Manger. Insgesamt waren 85% der Manager schlechter als der Index.

NYSE Börsenparkett

Quelle: pixabay

Trading ist ein Loser´s Game

Ursache für die schwache Performance sieht Ellis in der Tatsache, dass das Geschäft extrem institutionalisiert ist. Es gibt immer weniger private Börsenteilnehmer, so dass die Profis unter sich bleiben. Während in den frühen 20er-Jahren des vorherigen Jahrhundert das Börsenspiel noch ein Winner´s Game war, ist es in der heutigen Zeit ein Loser´s Game. Früher war es möglich, mit einer effizienten Strategie konstante Gewinne zu erzeugen, weil viel privates Vermögen die Börsenliquidität erhöhte. So konnten Top-Trader mit einer aggressiven Herangehensweise schnell reich werden. Infolgedessen zog es immer mehr Marktteilnehmer zu den Börsen. Das führte zu einem heftigen Wettbewerb der Trading-Fähigkeiten. Um in einem umkämpften Markt zu gewinnen, war nicht mehr die Fähigkeit zum Gewinnen gefragt, sondern die Verlustminimierung. Daher sind die Gewinner des Loser´s Game konservative Trader. Sie sind zwar nicht besonders talentiert, jedoch machen sie nur wenige Fehler.

Es gibt viele Sportarten mit Loser´s Game-Eigenschaften

Nicht nur innerhalb der Börse gibt es ein Loser´s Game. Denken Sie an Golf oder an Tennis. Beim Golf kommt es meistens nicht auf den Superschlag an, sondern auf konstante Fehlervermeidung. Innerhalb der Top-Ten des Tennissports sind die Unterschiede der Spieler-Fähigkeiten minimal. Natürlich gibt es unterschiedliche Spielstile, doch wer sich die Statistiken genauer ansieht, wird feststellen, dass für einen Sieg weniger die Gewinnerpunkte bedeutend sind, sondern in den meisten Fällen die „unforced errors“. Es sind die unerzwungenen Fehler, die den feinen Unterschied ausmachen. Die Schlussfolgerung ist deshalb, dass die körperliche Fitness und die psychologische Stärke Erfolgsfaktoren sind. Ein beeindruckendes Beispiel war damals Steffi Graf. Sie schaffte es, mit einer Weltklasse-Vorhand und überdurchschnittlicher Fitness für viele Jahre das Damentennis zu dominieren. Alle Gegnerinnen kannten ihre Spielweise und Strategie, doch es war fast unmöglich ihr einen Satz abzunehmen. Ihre mentale Stärke war erdrückend. Sie ging immer mit unerschütterlichen Siegeswillen auf den Tennisplatz. Das färbte übrigens auch auf ihren Ehemann Andre Agassi ab. Die erfolgreichste Zeit seiner Karriere begann er, als er mit Steffi Graf liiert war.

Die Kosten des Tradings sind ein Handicap

Zurück zum Trading: Die Börse ist ein Loser´s Game geworden, das sogar von sehr intelligenten Menschen gespielt wird. Untersucht man die Handelsstatistik der Trader, wird man selten große Fehler entdecken. Und trotzdem schafft die Mehrheit es nicht besser zu sein, als ein Vergleichsindex. Die Hauptursache für die Performance-Schwäche sind die Kosten des Business selbst. Egal ob man Profi oder Amateur ist, jede Position ist mit Kosten verbunden. Man startet immer im Verlust. Profis haben in der Regel geringere Börsenkosten (Gebühren und Spread), doch die laufenden Kosten des Geschäftsbetriebes sind höher. Während ein Amateur aus einer Wohnung heraus agieren kann, unterhält der Profi ein Büro mit Mitarbeitern, die bezahlt werden müssen.
Irgendwann wird die Börse wahrscheinlich wieder ein Winner´s Game werden. Es hängt vom Zeitpunkt des nächsten Bullenmarktes ab. Sobald die Aktienbörsen hohe Kursgewinne im Trend verbuchen können, werden sie für viele Privatanleger interessant – schnelle Gewinne locken. Dann entdecken Privatanleger die Börse neu, und die Aktienmärkte erhalten eine Liquiditätsschwemme. Es entstehen neue Marktrhythmen, die dazu führen, dass die effektivsten Handelsstrategien eine Outperformance zum Aktienindex erzeugen.

boersen-treffer

Quelle: pixabay

Ellis Tipps für Trader im Loser´s Game

Passiv bleiben
Wenn es unmöglich ist, den Index zu schlagen dann ist es am besten, sich passiv zu verhalten. Man tradet so wenig wie möglich, und bildet den Index nach. So wäre zum Beispiel ein kostengünstiger ETF eine gute Lösung.

DAX-ETF im Tages-Chart 29-09-16

Bild: Tages-Chart des DAX-ETF mit WKN: DBX1DA
Eine einfache Alternative um den DAX-Index nachzubilden.

Spiel dein eigenes Spiel
Solche Trader, für die ein passives Verhalten nicht akzeptabel ist, müssen ihr eigenes Spiel spielen. Dabei ist es wichtig eigene spezifische Regeln zu besitzen, und diese umzusetzen. Man darf nur dann handeln, wenn eine besondere Situation eintritt, die vorteilhaft genutzt werden kann.

Halten Sie das Trading sehr einfach
Suchen Sie nur die Handelschancen mit der größten Gewinnmöglichkeit. Halten Sie die Regeln sehr einfach, und konzentrieren Sie sich auf die Ausführung. Tun Sie immer das Gleiche, und das wiederholen Sie, so oft Sie können. Es gilt die Regel: Weniger ist mehr. Setzen Sie wenige Handelsentscheidungen um, aber diese mit höchster Perfektion. Versuchen Sie nur wenige Dinge zu tun, diese aber ungewöhnlich gut.

Der Ausstieg ist wichtiger als der Einstieg
Konzentrieren Sie sich auf Ihre Defensive. Es ist zu schwer, andere Marktteilnehmer mit einem guten Markteinstieg zu übertrumpfen. In einem Winner´s Game kommt es auf den guten Einstieg an. Aber bei einem Loser´s Game ist der Ausstiegszeitpunkt die wichtigere Entscheidung.

Nehmen Sie nichts persönlich
Die meisten Trader wollten um jeden Preis ein Gewinner sein. Sie bauen Wissen auf, sind ehrgeizig, diszipliniert und arbeiten hart. Und trotzdem gibt es Verluste. Versuchen Sie Verluste niemals persönlich zu nehmen. Je besser, die persönliche Ebene ausgeblendet werden können, desto besser kann man sich auf den nächsten Trade konzentrieren.
Trading mit GDL

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