Ukrainische Notenbank erhöht Leitzins

Unsere Empfehlung - Kostenloses DemokontoDie ukrainische Notenbank hat den Leitzins für das krisengebeutelte Land um 10,5 Prozent auf nun 30 Prozent angehoben. Damit wehrt sich die Zentralbank mit einer drastischen Zinserhöhung gegen den dramatischen Wertverlust der Landeswährung. Das Ziel ist, den Geldmarkt wieder zu stabilisieren. Problematisch ist zudem, dass dem Land der Zugang zu den internationalen Devisenmärkten fehlt. Daher warnt die Chefin der Notenbank vor negativen Folgen, Inflationsgefahr und Panik am Devisenmarkt.

Bereits im Februar wurde der Leitzins von 14 auf 19,5 Prozent angehoben. Die Zentralbank kämpft zudem mit einem drastischen Absturz der Landeswährung Hryvnia. Die Zinserhöhungen sollen dem entgegenwirken. Daher wurde an Dienstag die erneute Erhöhung des Leitzinses von 19,5 auf 30 Prozent bekannt gegeben.

Maßnahmen gegen Wertverlust

Notenbank der Ukraine

Zu Beginn des Jahres verlor die Währung bereits gut 30% an Wert , Quelle: Wikimedia / Alexander Noskin

Bereits die Erhöhung um fünf Prozent im Februar war als Maßnahmen gegen den Verlust der Währung und die anhaltende Inflation gedacht. Außerdem stoppte die ukrainische Notenbank Anfang Februar die Unterstützung der Hryvnia am Devisenmarkt. Sie gab ihre täglichen Interventionen am Devisenmarkt auf und gab damit die Währung frei. Als Folge verlor die Landeswährung 30 Prozent ihres Werts gegenüber dem Dollar. Nach Angaben von Experten hat die Ukraine keine ausreichenden Devisenreserven, um den Wechselkurs zu stützen.

Die stark gestiegene Inflationsgefahr und negative Folgen am Devisenmarkt bewogen Valeria Gontarewa, die Chefin der ukrainischen Zentralbank, zu diesem Schritt. Die Hryvnia verlor in diesem Jahr die Hälfte an Wert. Bereits im vergangen Jahr sank aufgrund der instabilen Situation im Land der Wert der Währung um 50 Prozent. Die Folge ist, dass sich Importe verteuern, was wiederum die Inflation verschärft.

Ukrainische Unternehmen müssen derzeit 75 Prozent ihrer Gewinne, die sie in ausländischen Währungen erzielt haben, verkaufen. Dies soll den Wechselkurs stabilisieren. Das Ziel ist, dass der Kurs der Währung in kurzer Zeit von 20 auf 22 steigt. Zu Beginn der Woche war ein Dollar 25 Hryvnia wert. Je höher der Leitzins, umso interessanter wird eine Währung für ausländische Anleger. In dieser Woche erfuhr die Währung jedoch einen dramatischen Absturz: Innerhalb von 48 Stunden sank der Wert der Hryvnia um 13 Prozent. Die Notenbank verbot darauf hin Devisenkäufe von ukrainischen Banken.

Diese raschen Maßnahmen führten dazu, dass der Wert der Hryvnia im Vergleich zum Dollar anstieg. Der Dollar fiel auf 24,2 Hryvnia, zuvor lag der Wechselkurs noch bei 26,4 Prozent. Im vergangen Jahr hatte die ukrainische Landeswährung rund 60 Prozent ihres Werts gegenüber dem Dollar verloren und war damit weltweit die am schlechtesten entwickelte Währung. Die jüngsten Maßnahmen gegen den Wertverlust der Hryvnia bleiben zunächst in Kraft.

Nach Ansicht der ukrainischen Notenbank-Chefin wird die Inflation im Land aufgrund höherer Energiepreise auf 26 Prozent ansteigen. Die Erhöhung der Energiepreise ist eine der Bedingungen des Internationalen Währungsfonds für neue Kredite. Darüber hinaus brauchte bereits die größte Bank des Landes, die „Privatbank“, einen Kredit, um ihre Liquidität aufrechterhalten zu können.

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Folgen der Währungskrise

Notenbank verärgert Regierung

Notenbank verärgert Regierung, denn die Maßnahmen sind nicht abgesprochen , Quelle:www.pixabay.com

Diese Maßnahmen und die Währungskrise verschärfen die innerpolitischen Spannungen in Kiew noch einmal. Die Aktivitäten der Zentralbank sind wohl nicht mit der Regierung abgesprochen. Der Premierminister Arseni Jazenjuk kritisierte Gontarewa daraufhin scharf und verlangt sogar ihre Entlassung. Über mehrere Parteien hinweg wurden mehr als 100 Unterschriften gesammelt, um dies zu unterstützen. Zudem gibt es Anzeichen, dass ein Verfahren wegen Hochverrats gegen die Notenbank-Chefin eingeleitet wurde.

Spätestens seit der Annektierung der Krim durch Russland und dem Ausbruch des militärischen Konflikts im Osten des Landes befindet sich die Ukraine in einer schweren wirtschaftlichen Krise. Einen großen Anteil an der Industrie des Landes hatten bisher die Regionen im Osten, die derzeit umkämpft sind. Der Schwerpunkt der ukrainischen Schwerindustrie ist das umkämpfte Donbass-Becken rund um Donezk.

Laut Experten haben die Separatisten im Osten des Landes die Ukraine wirtschaftlich abstützen lassen. Im Januar sank die Industrieproduktion um mehr als ein Fünftel. Derzeit bittet die Ukraine den Internationalen Währungsfonds um Kredite in Höhe von 17,5 Milliarden Euro. Laut Gontarewa sind die Vorgaben des IWF für den Erhalt der Kredite erfüllt. Zudem sank durch den Wertverlust der Hryvnia der Mindestlohn unter das Niveau afrikanischer Staaten. Die Folgen der Wirtschaftskrise wirken sich damit zunehmend auf die Bürger aus.

Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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