Teil 8: So zeichnen Sie korrekte Trendlinien in einen Chart ein

Trading Ratgeber Teil 8: Trendlinien einzeichnen

Teil 8: Die Trendlinie – Der Faustkeil der Technischen Analyse

Die Trendlinie ist wahrscheinlich das am häufigsten genutzte und älteste Tool. Eigentlich ist sie ein sehr primitives Instrument, und doch ist sie wirkungsvoll, wenn sie richtig eingezeichnet wird.

Von richtigen und falschen Trendlinien

In den meisten Fällen verbinden die Trendlinie mindestens zwei Punkte. Im Idealfall haben sie sogar eine logische Verknüpfung. Die Aussagefähigkeit einer Linie steigt, wenn es technisch einen inneren Zusammenhang gibt. Eine Trendlinie die Teil einer Schulter-Kopf-Schulter–Formation oder einer Flagge wäre, ist bedeutender als nur einfach zwei Punkte miteinander verbunden wären.

Das nachfolgende Bild 1 zeigt eine unzusammenhängende Sammlung verschiedener Trendlinien. Als wichtigste Regel gilt, dass eine Trendlinie aus zwei Punkten, nicht durch einen dazwischenliegenden Kursverlauf gestört werden sollte.

Beispiele von richtigen (blau) und falschen (rot) Trendlinien

Bild 1: Viele Beispiele von richtigen (blau) und falschen (rot) Trendlinien

Das Bild 1 zeigt, dass man in jeden Chart eine Vielzahl von Trendlinien einzeichnen kann. Der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Damit wird auch deutlich, dass die subjektive Wahrnehmung eine große Rolle spielt. Eine gute oder schlechte Trendlinie definiert somit nicht der Analyst, sondern der spätere Kursverlauf.

Eine schräge Trendlinie muss eine ausreichende Länge haben, denn die Wirkung einer zu kurzen Trendlinie ist begrenzt. Zwei Auflagepunkte, die eng zueinander stehen, lassen nur eine ungenaue Aussage über Widerstand und Unterstützung zu. Es gilt die Regel, dass bei einer schrägen Trendlinie der Abstand der äußeren Auflagepunkte ungefähr die Prognoselänge bildet (siehe Bild 2).

Die richtige Länge einer schrägen Trendlinie

Bild 2: Die richtige Länge einer schrägen Trendlinie

In Bild 2 stimmt die Länge der Trendlinie nicht. Die Entfernung der Auflagepunkte bestimmt die maximale Wirkung der Trendlinie. Das bedeutet, je enger die Auflagepunkte zueinander stehen, desto wirkungsloser ist die Trendlinie.

Eine Trendlinie mit Neigungswinkel ist unbedeutender als eine horizontale Linie

Wenn Sie Trendlinien in einen Chart einzeichnen, dann konzentrieren Sie sich auf horizontale Linien. Was in Bild 2 als Prognosefehler dargestellt wurde, gilt nicht für die horizontale Linie. Ihre Wirkung kann zeitlich sehr lang sein – manchmal über Jahre.

Eine horizontale Trendlinie darf sogar mit nur einem einzigen Auflagepunkt gezeichnet werden (zum Beispiel bei einem Gipfel oder Boden). Eine horizontale Linie ist immer korrekt! Diskutieren darf man lediglich über die Stärke der horizontalen Linie.

Die Wirkung einer horizontalen Trendlinie

Bild 3: Die Wirkung einer horizontalen Trendlinie

Das Bild 3 zeigt eine waagrechte Trendlinie, die an mehreren Stellen berührt wird. Die horizontale Linie wirkt in beide Richtungen, nach oben und unten. Mit Pfeilen sind die wichtigen Punkte der Trendlinie Berührungspunkte markiert.

Sowohl Widerstand als auch Unterstützung

Das Bild 3 machte die besondere Qualität der horizontalen Trendlinie deutlich. Sie wirkt bei steigenden und fallenden Kursen. Kommt der Kurs von unten an die Linie, dann gibt es einen Widerstand. Wenn die Kurse den Widerstand durchbrechen, dann ist es nicht selten, dass die Kurse nach einer kurzen Aufwärtsbewegung erste Erschöpfungserscheinungen zeigen. Die Kurse fallen dann zurück. In dieser Situation wird die ehemalige Widerstandslinie dann zu einer Unterstützung. Innerhalb eines Aufwärtstrends prallen die Kurse an der neuen Unterstützung ab, und der Trend setzt sich fort.

Es gibt keinen einzelnen Kurs der Widerstand oder Unterstützung wäre

Analysten sprechen gerne von bestimmten Kursmarken, an denen die Kurse auf einen Widerstand oder eine Unterstützung treffen. Das ist nicht ganz korrekt. Es ist zwar richtig, dass runde Kursmarken anziehend sind (wie zum Beispiel 10000 DAX-Punkte oder 50 Euro), doch die Wirkung entsteht als eine sich selbsterfüllende Prophezeiung. In der Praxis ist keine Kursmarke ein Widerstand oder eine Unterstützung. Es immer eine Unterstützungs- oder Widerstandszone um diese Kursmarke herum. Die Zone kann breiter oder schmaler sein, doch es bleibt eine Zone.

Trendlinien in der Schräge (gewinkelt)

Sehr häufig werden Sie einen Chart in einer Analyse vorfinden, in denen gewinkelte Trendlinien eingezeichnet sind. Ein häufiges Problem innerhalb dieser Charts ist, dass der Analyst in den meisten Fällen, eine vorgefasste Meinung äußert. Die eingezeichneten Trendlinien sind subjektiv, und sind so eingezeichnet, dass sie seine Meinung unterstützen. Wirklich wissenschaftlich ist das nicht, denn ein anderer Analyst sieht möglichweise ganz andere Linien.

Ein zweites Problem gibt es in der Skalierung des Charts. Wenn Sie eine gewinkelte Trendlinie mit linearer Skalierung benutzen, dann zeigt dieselbe Trendlinie mit logarithmischer Einstellung ein anderes Ergebnis. Welche Skalierung wäre nun korrekt? Beide Skalierungstypen sind in der Technischen Analyse üblich.

Provozierend muss auch die Frage in den Raum gestellt werden, welcher Trader benutzt gewinkelte Trendlinien, um eine Handelsentscheidung für Ein- oder Ausstieg zu treffen? Das dürfte nur eine Minderheit sein. In der Praxis zeigt sich nämlich, dass eine schräge Trendlinie eine hohe Fehlerquote hat.

Tipp zu Trendlinien

Nutzen Sie bevorzugt horizontale Trendlinien. Zeichnen Sie Trendlinien nur in Charts ein, die auf Kursen basieren, die durch Angebot und Nachfrage erzeugt werden. Nur dann haben Sie Gewissheit, dass Widerstand und Unterstützung Wirkung zeigen. So wäre zum Beispiel eine Trendlinie in den veröffentlichten Zahlenreihen der US-Erstanträge zur Arbeitslosenhilfe sinnlos. Studieren Sie, wie sich die Kurse bei Linienberührung verhalten. Kurse neigen dazu, den Weg des geringsten Widerstandes zu suchen. Suchen Sie nach Wahrscheinlichkeiten und gehen Sie davon aus, dass an der Börse nichts unmöglich ist.

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Christian Lukas

Christian Lukas

Christian Lukas beschäftigt sich sein 1998 mit der Börse. Als privater Trader handelt er in erster Linie den DAX- und den Bund-Future. Seine Spezialität ist die Volumen-Analyse. Dabei wird der Kursverlauf mit dem Handelsvolumen in eine Beziehung gesetzt. Ziel ist die frühzeitige Erkennung von Veränderungen in Angebot und Nachfrage des Handelsobjektes. Weitere Infos unter www.volumen-analyse.de.
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