Die Trading-Revolution läuft

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Programme bestimmen die Börse

Weitgehend unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit hat sich in den vergangenen zehn Jahren die Börsenwelt verändert. Nicht-Börsianer denken immer noch, dass ein Börsensaal ein lautes Spektakel ist, bei dem Käufer und Verkäufer auf Zuruf handeln. Das gibt es schon lange nicht mehr, denn die Börsen werden auf dramatische Weise von Computer und Algorithmen dominiert. Weltweit einer der größten Börsen-Player ist Goldman Sachs. Noch im Jahr 2000 beschäftigte Goldman über 600 Aktienhändler. Sie kauften und verkauften Aktien für ihre Klienten. Im Jahr 2017 sind davon nur noch zwei übrig geblieben. (Quellartikel: „As Goldman embraces automation, even the masters oft he universe are threatened“ aus technologyreview.com)

Trading mit selbstlernenden Programmen

Komplexe Trading-Algorithmen haben die Arbeit übernommen. Einige Programme sind teilweise so weit fortgeschritten, dass sie selbstlernend sind. Dadurch passen sie sich an neue Marktumstände an.

Die üblichen Aufgaben eines Händlers können damit durch Programmierer gelöst werden. Die Programmierer müssen nicht selbst Trader sein, sondern erfahrene Trader beschreiben ihrer Wünsche in einem Pflichtenheft. Das Heft dient als Richtlinie für die Programmierung.

Christian Lukas

Christian Lukas

Christian Lukas beschäftigt sich sein 1998 mit der Börse. Als privater Trader handelt er in erster Linie den DAX- und den Bund-Future. Seine Spezialität ist die Volumen-Analyse. Dabei wird der Kursverlauf mit dem Handelsvolumen in eine Beziehung gesetzt. Ziel ist die frühzeitige Erkennung von Veränderungen in Angebot und Nachfrage des Handelsobjektes. Weitere Infos unter www.volumen-analyse.de.
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Die Bankenwirtschaft hat das schon lange erkannt. Sobald es wiederholte Abläufe gibt, stellt sich sofort die Frage, ob das nicht ein Programm übernehmen kann. Der personelle Aktienhandel ist deshalb fast Tod, und die Entwicklung ist noch nicht am Ende. Es geht weiter zu den Devisenhändlern und zum traditionellen Investmentbanking. Aktuell beträgt der Anteil des elektronischen Handels weltweit 45%.

Wer jetzt denkt, dass mit dem Einsatz der Computer das Einkommen in den Handelsabteilungen gesunken ist, der irrt. Das durchschnittliche Gehalt beträgt inklusive Boni weiterhin circa 500000 US-Dollar. Ursache dafür ist die Tatsache, dass sich das obere Management mehr Gehalt in die Tasche steckt, und die unteren Levels entsprechend geringer bezahlt werden.

Goldman Sachs ist der Primus am Börsenhimmel und wandelt eifrig den Devisen- als auch den Futures-Handel um. Die Firma geht davon aus, dass vier Händler durch einen Programmierer ersetzt werden können. Schon ein Drittel des Mitarbeiteranteils bei Goldman Sachs besteht aus Programmierern.

Welche Konsequenzen ergeben sich für uns private Trader?

Der Computer-Handel ist nicht kreativ, und er übernimmt in erster Linie Routinearbeiten. Der Computer hat klare Vorteile in der Genauigkeit und Fehlervermeidung gegenüber Menschen. Trotzdem bleiben die Programmtätigkeiten ganz nah am menschlichen Handel. Damit wir private Trader nicht von den Algorithmen „erstickt“ werden, müssen wir uns in Zukunft von den traditionellen Ideen lösen.

Ein Beispiel: Der Ausbruchshandel

Vermutlich wird es immer schwerer mit dem typischen Ausbruchshandel profitabel zu sein. Die idealisierte Handel funktioniert so: Es bildete sich eine starke Aufwärtswelle, die anschließend zur Korrektur führt. Die Konsolidierung zeigt abnehmendes Handelsvolumen. Kurstechnisch bilden sich A-B-C-Muster, Dreiecksformen oder sonstige Standardformen. Nach Beendigung der Konsolidierung läuft der Markt erneut aufwärts und durchbricht das Hoch der Ursprungsbewegung. Sobald der Kurs das Hoch durchdringt, springen die Trader wie auf einen Zug auf, und versuchen die Bewegung mitzunehmen.

Neue Break-Varianten

Bild: Vergleich von Break-Varianten

 

Die neue Form eines Ausbruchs

Man kann sich das in etwa so vorstellen, dass sich ein Ausbruch nicht langsam in seiner Idealform entwickelt, sondern die Marktbewegung stets unerwartet kommt, und dann in kürzester Zeit schon wieder beendet ist. Genau dann, wenn wir private Trader den Ausbruch bemerken, ist die Bewegung größtenteils erledigt. Für den normalen Trader bleibt nur noch eine „Resteverwertung“ übrig. Genau das fand zum Beispiel im Dezember beim DAX statt.

Ausbruch beim DAX

Bild: Tages-Chart des DAX mit Ausbruch aus der Handelsspanne

Innerhalb des Charts wir deutlich, wie schwierig der Ausbruchshandel geworden ist. Bei 10800 Punkten baute der DAX einen starken Widerstand auf. Am 07.09.16, 24.10.16 und am 10.11.16 versuchte der DAX den Widerstand zu überwinden. Daraus resultierten drei Fehlversuche, die für viele Trader emotional zermürbend waren. Als keiner damit rechnete war es dann am 07.12.16 soweit.

Der DAX berührte zuvor nicht einmal die 10800 Kursgrenze sondern sprang sofort darüber. In diesem Augenblick muss man die Psychologie der Marktteilnehmer bedenken. Drei Mal zuvor scheiterte der Ausbruch. Warum sollte der Kurs jetzt nicht wieder zurückfallen? Das Zögern und Grübeln macht einen möglichen Gewinn-Trade kaputt. Wer sich so verhält, der verpasst am nächsten Tag die Fortsetzung des Ausbruchs. Tatsächlich gab es erst am 09.12.16 ein kurzes Verharren des Kurses.

Der Mega-Move wurde innerhalb von nur zwei Tagen gebildet. Diese beiden Tage waren sogar trendauslösend, denn der Kurs trieb ohne emotionale Ausreißer einfach weiter.

Wie hätte man als Trader richtig gehandelt?

Sieht man sich den Verlauf des DAX über Monate an, dann gibt es kein logisches Trading. Um die volle Ausbruchsbewegung mitzunehmen, hätte man sich zuvor positionieren müssen. Gleichzeitig bedarf es beim Trader eine hohe emotionale Beharrlichkeit, denn der Zeitraum der Konsolidierung (Seitwärtsmarkt von August bis November)) verlief unverhältnismäßig lange.
Innerhalb der Konsolidierung gab es eine Untergrenze. Die Unterstützung verlief bei 10400 Punkten und im Laufe der Monate wurde die Unterstützung mehrfach getestet und leicht durchstoßen. Das ist nichts für schwache Nerven. Das Chartbild zeigt eine hohe Zufälligkeit der Kursbewegungen.

 

Überprüfen Sie Ihre Strategien

Je mehr Algorithmen den Markt beherrschen, desto schwerer wird das Timing beim Ein- und Ausstieg. Das Problem ist dabei die Schnelligkeit. Sobald eine Chance erkannt wird, ist es schon vorbei.
Trading-Tools wie zum Beispiel Fibonacci-Relationen können von Algorithmen sehr leicht durchschaut werden. Hier muss sogar hinterfragt werden, ob Fibo-Tools den Algorithmen in die Karten spielen. Wenn menschliche Verhaltensweisen berechenbar sind, dann entsteht daraus eine Gewinnchance.

Längere Trendbewegungen werden wahrscheinlich

Man muss sogar davon ausgehen, dass Trends durch Algorithmen verlängert werden. Der Kurs bleibt bei einem Trend länger im Extrem, als der Mensch vermuten würde. Nehmen wir als Beispiel einen RSI-Indikator. Wann ist der Kurs überkauft? Ist es bei 70 oder 80? Wenn die obere These stimmt, dass die Algorithmen Kurwellen verlängern, dann müsste es sogar so sein, dass ab einem RSI-Wert von 70 die Power der Welle erst startet.

 

Schlussfolgerung zu den Algorithmen

Es ist noch zu früh, um ein endgültiges Fazit zu ziehen. Es gibt zum Thema keine offiziellen statistischen Untersuchungen. Wir privaten Trader sollten aber die Möglichkeit im Kopf behalten, dass alle Trading-Techniken, die üblicherweise in der Literatur als Standard gelten, praktisch eine umgedrehte Wirkung haben werden.

 

Trading mit GDL

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