Trading-Ratgeber Teil 9: Indikatoren und Marktstruktur

Indikatoren und Marktstruktur

Marktstruktur: So lesen Sie die Struktur des Marktes

 

Die Technische Analyse bietet unendlich viele Instrumente. Deshalb steht jeder Börsenneuling vor dem Problem der richtigen Auswahl. Die Lösung liegt in der Marktstruktur. Sie entscheidet, welches Instrument sinnvoll ist.

Charts oder Indikatoren?

Die Technische Analyse ist das wichtigste Instrument des kurzfristigen Traders. Je kürzer eine Position gehalten wird, desto wichtiger ist das Timing für Ein- und Ausstieg. Mit dem Einstieg entscheiden Sie, ob Sie gewinnen, und mit dem Ausstieg, wie viel Sie gewinnen. Umso bedeutender ist die richtige Auswahl der Charts und Indikatoren.

Nur Kurs-Charts oder auch Indikatoren benutzen?

Bei den Experten der Technischen Analyse gab es schon immer eine heftige Diskussion, ob Indikatoren sinnvoll sind oder nicht. Einige behaupten, dass Indikatoren überflüssig sind, und die anderen sagen, dass sie wertvolle Zusatzinformationen bieten. Es herrscht Uneinigkeit.

In der Technischen Analyse gibt es fünf Elemente.

  1. Kurs (Eröffnung, Hoch, Tief, Schlusskurs)
  2. Volumen
  3. Zeit
  4. Sentiment (psychologischer Zustand des Marktes)
  5. Open Interest (Summe der offene Kontrakte eines Futures oder einer Option)

Alle fünf Elemente sind Informationen der Vergangenheit. Daher ist der Trader am erfolgreichsten, der die Ereignisse der Vergangenheit als Muster benutzt, um die Zukunft zu prognostizieren.

Es gibt keinen Wunderindikator

Kein Indikator kann schneller als der Kurs selbst sein! Es ist unmöglich, eine mathematische Formel zu entwickeln, die Daten der Vergangenheit so umwandelt, dass die Zukunft angezeigt wird. Um mit dem Trading Geld zu verdienen, müssen Sie deshalb mit Wahrscheinlichkeiten arbeiten.

Wie eine Wetterprognose

Ein Technischer Analyst hat eine ähnliche Vorgehensweise wie ein Meteorologe. Wenn Sie sich einen Wetterbericht im Fernsehen betrachten, dann zeigt Ihnen der Meteorologe immer die Hoch- und Tiefdruckgebiete. Er zeigt Ihnen, in welche Richtung sich die Gebiete verändern, und erstellt daraus eine Wetterprognose für Ihren Wohnort.

Im Vergleich dazu, untersucht der Technische Analyst die Bewegungen des Marktes. Er analysiert Marktmuster, Kursschwung und den Trend.
Konsequenz: Die Prognose eines Meteorologen und eines Technischen Analysten hat immer eine gewisse Eintrittswahrscheinlichkeit, die aber niemals 100% beträgt.

So setzen Sie Ihre Trading-Software richtig ein

In Ihrer Chart-Software werden Sie sich am häufigsten mit den Elementen Kurs, Volumen und Zeit auseinandersetzen. So enthält zum Beispiel ein Standard-Chart mit Candlesticks und Volumen alles was ein „Trader-Herz“ benötigt.

Einfacher Candlestick-Chart mit Handelsvolumen

Bild 1: Typischer Candlestick-Chart, der alle wichtigen Informationen enthält

 

Der Candlestick-Chart ist der am häufigsten genutzte Chart-Typ in der Technischen Analyse. Unterhalb der Candlesticks ist das Handelsvolumen dargestellt. Je höher das Handelsvolumen einer Candlestick ist, desto aussagefähiger ist sie.

Candlestick-Grundmuster

Bild 2: Grundschema für Candlesticks

 

In Bild 2 sind die Farben grün und rot für steigende und fallende Candlesticks benutzt worden. Je nach Geschmack werden auch weiß-schwarz oder weiß-rot als Farbvariante verwendet.

Wieso sind Indikatoren nützlich?

Ein erfahrener Trader liest den nackten Chart so präzise wie eine Zeitung. Er sieht die voraussichtliche Kursrichtung, und erkennt die wichtigen Kursniveaus, bei denen eine Kursumkehr wahrscheinlich ist. Meistens lässt er den Kurs solange für sich laufen, bis der Hinweis kommt, dass der Markt seine Richtung wechselt.

Ein Profi kann aufgrund seiner Erfahrung, das Wichtige vom Unwichtigen trennen. Für einen Börsenneuling ist es kaum möglich, denn es gibt einfach zu viele Details.

Das ist nicht schlimm, denn ein Neuling kann zum Beispiel die Effektivität von Indikatoren nutzen. Indikatoren haben immer die Aufgabe, die Komplexität der Kursverläufe zu reduzieren, und eine Entscheidung für LONG oder SHORT zu erleichtern. Einem Börsenneuling kann man deshalb nur empfehlen, seine ersten Chartanalysen mit Indikatoren zu unterstützen.

Bevor ein Börsenneuling einen beliebigen Indikator auswählt, sollte er Grundwissen über die Marktstruktur haben.

Die Marktstruktur zeigt Ihnen, welcher Indikator geeignet ist.

Jeder Markt kann zum Beispiel mit nur zwei Variablen definiert werden. Es ist der Trend und die Volatilität (Schwankungsbreite). Hieraus ergibt sich dann der optimale Indikatoreinsatz.

Einteilung in Markttypen

Bild 3: Vier Markttypen auf Basis des Trends und der Volatilität

Mit diesen vier Typen lässt sich jede Marktsituation beschreiben. Erkennt ein Trader die Marktstruktur kann er seine Handelsinstrumente darauf optimieren.

  1. mit Trend und geringer Volatilität
  2. mit Trend und großer Volatilität
  3. ohne Trend mit geringer Volatilität
  4. ohne Trend mit großer Volatilität

 

Tipp:

Wenn Sie beim Trading über den Einsatz eines Indikators nachdenken, müssen Sie sich zunächst die Marktstruktur ansehen. Von den genannten vier Markttypen lassen sich nämlich nur drei Märkte profitabel handeln. Typ 3 enthält weder Volatilität noch einen Trend. Finger weg von dem Markttyp! Er enthält kaum Bewegung, und ist in erster Linie zufallsgesteuert. Er kostet Sie nicht nur Geld, sondern auch Nervenkraft.

So finden Sie den richtigen Indikator

Standardindikatoren kann man grob in zwei Typen unterteilen. Die einen sind zyklische Oszillatoren und die anderen sind Trendindikatoren. Wenn Sie sich nicht ganz sicher sind, welchen Typ von Indikator Sie gerade benutzen, dann werfen Sie einen Blick auf die Skalierung des Indikators. Wenn der Indikator von 0 bis 100 oder zum Beispiel von +50 bis -50 reicht, dann haben Sie wahrscheinlich einen Oszillator vor sich. Oszillatoren haben immer eine Ober- und Untergrenze für einen maximalen Indikatorwert.

Markttyp 1 sollten Sie primär mit Trendindikatoren handeln:

Zum Beispiel:

  • Gleitende Durchschnitte
  • MACD (Moving-Average-Convergence-Divergence)
  • Trendlinien
  • SAR (Stop and Reverse)
  • OBV (On Balance Volume)

Traden Sie den Markttyp1 nur in Trendrichtung! Die Bewegungen des Marktes sind stets trendkonform und langsam mit geringer Volatilität. Eine Position gegen den Trend bei diesem Markttyp führt fast immer zu Verlusten.

Markttyp 2 sollte mit Trendindikator und Oszillator gehandelt werden

Der Markttyp 2 verbindet einen Trend mit starken Schwankungen. Oft ist der Trendkanal breit und die Bewegungen sind dynamisch. Der Markttyp sollte deshalb mit zwei verschiedenen Indikatortypen gehandelt werden. Nehmen Sie einen Trendindikator als Filter. Hier wäre zum Beispiel ein Gleitender Durchschnitt ideal. Handeln Sie bevorzugt den Markt mit einem Oszillator in Trendrichtung.

Markttyp 4 ist der Idealmarkt der Oszillatoren.

Der Markttyp 4 hat wenig Trendneigung aber ausgeprägte Kursschwankungen nach oben oder unten. Es ist der Idealmarkt, um mit einem Überkauft- Überverkauft-Ansatz Geld zu verdienen. Nutzen Sie zum Beispiel die Stochastik oder den RSI, um Gewinne zu erzielen.

Zum Beispiel:

  • Stochastic (slow oder fast)
  • RSI (Relative Stärke Index)

 

Weiter mit Teil 10: So setzen Sie Indikatoren richtig ein »

Christian Lukas

Christian Lukas

Christian Lukas beschäftigt sich sein 1998 mit der Börse. Als privater Trader handelt er in erster Linie den DAX- und den Bund-Future. Seine Spezialität ist die Volumen-Analyse. Dabei wird der Kursverlauf mit dem Handelsvolumen in eine Beziehung gesetzt. Ziel ist die frühzeitige Erkennung von Veränderungen in Angebot und Nachfrage des Handelsobjektes. Weitere Infos unter www.volumen-analyse.de.
Christian Lukas

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