Tarifstreik bei der Postbank

Die Tarifverhandlungen bei der Postbank sind ins Stocken geraten. Nun droht bei dem bekannten Kreditinstitut ein flächendeckender Streik. Zudem steht der Verkauf der Postbank im Raum und damit die Frage, was aus den Mitarbeitern wird. Nun soll zunächst der Kündigungsschutz für die Arbeitnehmer nicht verlängert werden. Daher haben laut der Gewerkschaft Ver.di 94,8 Prozent ihrer Mitglieder bei einer Urabstimmung für einen Streik gestimmt.

Die Abstimmung begann bereits Ende März, nachdem es zuvor bereits immer wieder Warnstreiks von bis zu vier Tagen gab und an 33 Streiktagen 670 Filialen geschlossen waren. Nun deutet sich ein unbefristeter Streik an, der größere Auswirkungen haben wird, als die voran gegangenen Warnstreiks. Ver.di bittet daher die Postbank-Kunden um Verständnis, dass sie ab dieser Woche bei vielen Filialen vor geschlossenen Türen stehen werden.

Der Streik beginnt zunächst in ostdeutschen Filialen in Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt sowie zum Teil in Thüringen. In den nächsten Tagen sollen die Streiks auf ganz Deutschland ausgeweitet werden.

Spekulationen über Verkauf

POSTBANK Verwaltung in Bonn

Die Erwartungen an das Abwenden vom Privatkundengeschäft haben sich nicht bewahrheitet , Quelle:Pressestelle Postbank

Die Zukunft der Deutsche-Bank-Tochter ist derzeit unklar. Es kursierten bereits seit einigen Monaten Spekulationen über einen Verkauf oder Teilverkauf. Auch die Platzierung eines größeren Aktienpaketes an der Börse ist möglich. Diese Spekulationen führten dazu, dass ein Stellenabbau befürchtet wird.

Die Postbank gehört seit 2010 zur Deutschen Bank, die mit der Postbank ihr Privatkundengeschäft ausbauen wollte. Derzeit erfolgt bei der Deutschen Bank ein größerer Umbau, in dessen Folge sich die Deutsche Bank von der Postbank trennen könnte. Eine Alternative zum kompletten Verkauf der Postbank ist, einen Mehrheitsanteil über die nächsten Jahre hinweg an die Börse zu bringen.

Die Zukunft der Postbank ist damit eng mit der Zukunft der Deutschen Bank verknüpft. Eine komplette Trennung vom Privatkundengeschäft scheint bei der Deutschen Bank derzeit allerdings keine Option mehr zu sein. Am letzten Mittwoch fand eine Vorstandssitzung bei der Deutschen Bank statt. Dort könnte der Entschluss gefallen sein, die Postbank zu verkaufen. Der SPIEGEL berichtet, dass ein Alternativ-Modell, in dem eine komplette Trennung vom Privatkundengeschäft vorgesehen war, keine Unterstützung fand.


Auf die Nachrichten von der Deutschen Bank reagierte die Börse am Freitag eher enttäuscht. Die Aktie der Deutschen Bank lag zeitweise mit einem Verlust von 3,6 Prozent am Ende des Dax. Man hatte gehofft, dass sich die Deutsche Bank voll und ganz gegen das Privatkundengeschäft entscheiden würde.

Nun wird eine Strategie erwartet, die vorsieht, dass im restlichen Privatkundengeschäft Filialen geschlossen werden sowie die Auslandsaktivitäten teilweise aufgegeben werden. Zudem soll dass Investmentbanking um 150 Milliarden Euro zurückgefahren werden. Diese Entscheidungen sind außerdem mit Kostensenkungen verbunden.

Jetzt wird bei der Deutschen Bank der 24. April erwartet. Für diesen Tag hat Aufsichtsratschef Paul Achleitner eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung einberufen. Bis dahin sollen weitere Details geklärt sein. Wenn sich der Aufsichtsrat lediglich für einen Verkauf der Postbank und das Zurückfahren des übrigen Privatkundengeschäfts entschließt, könnte dies auf Unmut im Konzern führen. Man befürchtet, dass mehrere Tausend Arbeitsplätze gefährdet sind. Daher bevorzugten zahlreiche Investoren und Gewerkschaftsvertretern eine komplette Abspaltung des Privatkundengeschäfts. Eine endgültige Entscheidung ist aber bei der Deutschen Bank offiziell noch nicht gefallen, dennoch scheint die neue Strategie langsam Formen anzunehmen.

Damit machen die Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen den Kauf der Postbank durch ihren Vorgänger Josef Ackermann rückgängig. Die Deutsche Bank konnte keine positiven Ergebnisse aus der Zusammenarbeit mit der Postbank ziehen. Zudem haben neue Vorschriften, sehr niedrige Zinsen und der umkämpfte Wettbewerb im Filialbankengeschäft die Deutsche Bank geschwächt.

Mit dem Verkauf der Postbank verliert die Deutsche Bank aber auch einen stabilen Zufluss von Mitteln. Immerhin fuhr die Postbank im vergangenen Jahr einen Gewinn von 400 Millionen Euro ein. Die Gerüchte über einen möglichen Verkauf der Postbank Mitte Dezember 2014 sorgten allerdings für einen Anstieg des Aktienkurses.

Kündigungsschutz bis 2020 gefordert

Neben der unklaren Zukunft ist die Hauptursache für den Streik ist, dass die Mitarbeiter weiterhin einen Kündigungsschutz wollen, die Postbank dazu bislang allerdings kein Angebot vorgelegt hat. Verhandlungsführer Christoph Meister spricht gar von einer „Verweigerungshaltung des Arbeitgebers“. Dadurch seine die Mitarbeiter einer enormen emotionalen Belastung ausgesetzt.

Man erwartet von Postbank und Deutscher Bank, dass sie sich gerade in einer derart anspannten Situation nicht gegen die Beschäftigten stelle, sondern mit ihnen gemeinsam Veränderungen umsetze. Für Meister ist dies auch ein „Signal der Wertschätzung“ gegenüber den Mitarbeitern.

Ver.di fordert daher, dass der Kündigungsschutz für die 9.000 Mitarbeiter bis 2020 verlängert wird, was die Postbank bislang allerdings ablehnt. Zudem wird eine Gehaltserhöhung von fünf Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten gefordert.


Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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