Erneut Streiks bei der Lufthansa möglich


Die Lufthansa-Piloten drohen mit neuen Streiks. Die Vereinigung Cockpit sagte, dass die Verhandlungen mit der Lufthansa erneut gescheitert seien. Nun bangen auch die Flugbegleiter der Lufthansa um ihre Jobs. Die Flugbegleiter befürchten, dass es bei neuen Piloten-Streiks zu einem Stellenabbau bei der Lufthansa kommt, von dem ihre Jobs betroffen sind.

Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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1. Verhärtete Positionen

Themenicon Stopp-LossNun sind die Verhandlungen zwischen Cockpit und der Lufthansa nach fünf Wochen gescheitert. Cockpit sagte am Mittwoch, dass ab sofort mit Streiks gerechnet werden muss. Neben Cockpit befindet sich derzeit auch Ufo in einem Tarifstreit mit der Lufthansa. Die Flugbegleiter-Gewerkschaft vertritt 19.000 Mitarbeiter der Lufthansa und fordert derzeit unter anderem die Beibehaltung der aktuellen Betriebsrente. Bis November wollen sich beide Seiten auf ein umfassendes Paket einigen.

Uwe Hien, der Tarifverantwortliche der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo, sagte, dass die Positionen beider Seiten verhärtet seien und weiter auseinander driften. Dies führe letztendlich dazu, dass im gesamten Lufthansa-Konzern Arbeitsplätze bedroht sind. Die Lufthansa befindet sich aufgrund des Konzernumbaus gerade in turbulenten Zeiten. Daher fordert Hein einen starken Einigungswillen auf beiden Seiten.

Ende Juni stand Ufo ebenfalls kurz vor einem Streik, der jedoch kurzfristig abgesagt wurde. Damals war die Lufthansa der Gewerkschaft in wichtigen Punkten entgegengekommen. Aufgrund des drohenden Streiks der Piloten ist für Ufo nicht klar, ob die eigene Einigung mit der Lufthansa zustande kommen wird. Man will aber weiterhin versuchen, eine Einigung am Verhandlungstisch zu erzielen.

2. Flugbegleiter gegen Piloten

Der Lufthansa droht neuer Ungemach Foto: Ingrid Friedl Lufthansa: 05.2008
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Der ankündigte Streik wäre der 13. der Lufthansa-Piloten. Damit bringen sie nun die eigenen Kollegen gegen sich auf. Die Lufthansa reagiert sauer, die Passagiere genervt; das Verhalten der Piloten stößt zunehmend auf Unverständnis. Ufo-Gewerkschafter Hein verweist auf die finanzielle Lage der Lufthansa und befürchtet, dass es aufgrund von Streiks zu weiteren Sparmaßnahmen im Konzern kommt, die dann letztendlich zu Entlassungen führen werden.

Es ist allerdings durchaus überraschend, das Ufo so deutlich auf Distanz zu Cockpit geht. Bislang dachte man, beide Gewerkschaften hätten in Lufthansa-Chef Carsten Spohr einen gemeinsamen Gegner gefunden. Doch nachdem die Flugbegleiter-Gewerkschaft und auch Cockpit zu keiner Einigung mit der Lufthansa kamen, ist die Stimmung nun angespannt.

Im August sah es noch so aus, als würden sich Cockpit und die Lufthansa einigen. Cockpit soll der Lufthansa sogar Einsparungen in Höhe von 500.000 Millionen Euro angeboten haben. Die Gewerkschaft war damals bereit, ein gemeinsames Bündnis für Wachstum und Beschäftigung mitzutragen. Die Lufthansa selbst habe dieses Bündnis vorgeschlagen, Cockpit legte dann einen Vorschlag dazu vor. Laut Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg wollte man sich dem Wettbewerb stellen und gemeinsam eine Untersuchung vornehmen, welche Strukturen und welches Tarifniveau notwendig sei. Darauf sei Konzernchef Spohr jedoch nicht eingegangen.

In mindestens einem wichtigen Punkt kam man zu keinem gemeinsamen Ergebnis. Im Kern geht es um die Frage, ab welchem Alter die Lufthansa-Piloten in den finanziell gesicherten Ruhestand gehen können. Dazu kommt die Frage der Vergütung. Darüber hinaus übt Cockpit Kritik daran, dass im Zuge der Neustrukturierungen einige Flugzeuge ins Ausland ausgeflaggt werden sollen. Dies würde dazu führen, dass Arbeitsplätze aus Deutschland in ein anderes Land verschoben werden und damit aus der Tarifbindung fallen.

3. 13. Streikrunde

Themenicon TippsIm Juni schlug Cockpit vor, innerhalb des Tarifvertrags niedrigere Gehälter für Piloten der Lufthansa-Tochter Eurowings zu akzeptieren. Im Gegenzug sollte Lufthansa die Pläne zur Ausflaggung stoppen. An dieser Frage scheitern wohl derzeit die Gespräche. Lufthansa-Chef Spohr wird nicht allzu schnell einknicken. Er hofft allerdings, dass es keine neuen Streiks geben wird. Falls es aber dazu kommt, müsse das Unternehmen diese durchstehen, um das Unternehmen fit für die Zukunft zu machen.

Wenn es tatsächlich zu Piloten-Streiks bei der Lufthansa kommt, wären das die 13. seit April 2014. Wie bisher wird Cockpit die Streiks einen Tag zuvor ankündigen. In den vergangenen eineinhalb Jahren bedeuteten die zwölf Streiks mehr als 300 Millionen Euro Kosten für die Lufthansa. Die Streiks werden vor allem Lufthansa Cargo und Germanwings betreffen. Mit dem Streik will man die Konzernspitze vor allem in der Frage der Ausflaggung zum Umdenken bewegen. Zudem werfen die Piloten der Lufthansa vor, die Macht der Gewerkschaft brechen zu wollen, indem sie das Personal weiter spaltet und Stellen ins Ausland verlegt.

Spohr sagte, dass der Dialog mit den Gewerkschaften schwierig sei. Verhandlungen seinen allerdings notwendig, um die Lufthansa für den Wettbewerb mit der Konkurrenz von Billigfliegern und staatlichen Airlines aus den Golfstaaten gut aufzustellen. Im Juli wollte man eine Gesamtschlichtung aller strittigen Tarifthemen angehen. Nachdem diese gescheitert war, muss man nun wieder jedes Thema einzeln angehen. Laut Cockpit seinen unter anderem die Gespräche über die Vorsorgeregelungen der Piloten wieder auf dem Stand von April 2014, also zu Beginn des Tarifstreits.


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