13. Streikrunde bei der Lufthansa


Die Piloten der Lufthansa haben angekündigt, dass sie am Dienstag und Mittwoch erneut streiken werden. Auf den deutschen Flughäfen wird dann wohl wieder einiges Chaos ausbrechen. Der Streik wird vor allem Langstrecken- und Frachtflüge, auch bei Lufthansa Cargo, betreffen. Am Mittwoch sind auch die Kurz- und Mittelstrecken beeinträchtigt. Die Lufthansa sagte, dass sie die Auswirkungen für die Passagiere möglichst gering halten wollen.

Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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1. Festgefahrener Tarifkonflikt

Die Verhandlungen zwischen der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und der Lufthansa sind wieder ins Stocken geraten. Daher wollen die Piloten nun zum 13. Mal innerhalb von eineinhalb Jahren in den Streik treten. Den letzten Streik gab es im März. Pünktlich zum Ende der Sommerferien geht der Konflikt nun weiter. Die Lufthansa kommentierte den Streikaufruf „mit großem Bedauern“.

Der Streik wird auch Lufthansa Cargo betreffen , Foto: Lufthansa Cargo"

Der Streik wird auch Lufthansa Cargo betreffen , Foto: Lufthansa Cargo"

Cockpit brach die Tarifverhandlungen in der vergangenen Woche ab. Im Kern geht es nun darum, dass die Lufthansa weiterhin Flugzeuge ausflaggen will. Dies bedeutet den Verlust von Arbeitsplätzen in Deutschland. Die neuen Arbeitsplätze im In- und Ausland wären ohne Tarifbindung. Bei der Lufthansa-Tochter Eurowings in Österreich werden beispielsweise Piloten eingestellt, die 40 Prozent weniger verdienen, als ihre Lufthansa-Kollegen in Deutschland.

Die Lufthansa wollte die Pläne auch nicht für die Dauer der Verhandlungen aussetzen. Dies veranlasste Cockpit dazu, der Fluglinie „Tarifflucht“ vorzuwerfen, die aggressiv fortgeführt wird. Aus Sicht der Gewerkschaft weigert sich die Lufthansa, eine gemeinsame Lösung im Sinne aller Mitarbeiter und Kunden zu erarbeiten. Cockpit gibt an, dass man zuletzt Zugeständnisse in Höhe von 500 Millionen Euro gemacht habe.

2. Langwierige Streitpunkte

Themenicon SupportLange Zeit ging es in den Tarifverhandlungen zwischen der Lufthansa und der Vereinigung Cockpit um zentrale Fragen bezüglich der Übergangsversorgung, der Betriebsrente und hinsichtlich der Vergütung. Nun ist das Sparkonzept „Wings“ hinzugekommen. Noch bis vor zwei Jahren konnte ein Pilot der Lufthansa mit 55 Jahren in Rente gehen und erhielt dafür weiterhin 60 Prozent seines Lohns. Die Lufthansa will jedoch die Altersgrenze auf 61 Jahre hinaufsetzen und die Piloten an der Finanzierung beteiligen.

Wenn ein Pilot der Lufthansa in Rente geht, durfte er sich früher über eine Betriebsrente freuen. Die Lufthansa setzte jedoch die Vereinbarungen außer Kraft, da die Zahlungen wegen der niedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten nicht mehr finanzierbar seinen. Das Ende der Betriebsrente ist auch für andere Gewerkschaften bei der Lufthansa ein Streitpunkt.

Und die Piloten fordern eine Erhöhung ihres Gehalts von zehn Prozent, verteilt auf zwei Jahre. Die Lufthansa bot zunächst eine Erhöhung an, die vom Geschäftserfolg abhängig ist, ab 2016 könne man das Gehalt um drei Prozent erhöhen.

In diesem Punkten herrscht schon lange Uneinigkeit. Mit dem Sparprogramm „Wings“ kommt nun noch mehr Diskussionsbedarf hinzu. Die Lufthansa will mehr Billigflüge anbieten und die Wings-Angestellten sollen nicht nach den Tarifen des Mutterkonzerns bezahlt werden. Auch die Übergangsversorgung soll hier für die Piloten entfallen.

3. Vorschläge der Lufthansa

Themenicon OptionsscheineNach Angaben der Airline habe man am Wochenende der Vereinigung Cockpit mehrere Angebote unterbreitet. Diese seien aber nur auf den ersten Blick interessant gewesen, so Cockpit. Nach einer genaueren Betrachtung seine beide Gesprächsangebote für Cockpit „substanzlos“ gewesen. Das Ziel sei es gewesen, die Aufnahme von Tarifgesprächen wieder zu ermöglichen. Nun will die Lufthansa zunächst versuchen, die Folgen für die Passagiere möglichst gering zu halten. Es wurde ein Sonderflugplan erstellt und geprüft, welche Verbindungen trotz der Streiks stattfinden können. Dennoch wird wohl jede zweite Langstreckenverbindung ausfallen. Schon am Montag blieben die ersten Flieger am Boden.

Insgesamt fallen 84 Interkontinentalflüge von und nach Frankfurt, München und Düsseldorf aus. Allein diese Ausfälle werden 20.000 Kunden betreffen, darunter viele Rückreisende aus dem Urlaub. In den südlichen Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg beginnt erst in einer Woche wieder die Schule. So werden sicher einige Touristen unfreiwillig ihren Urlaub auf einem Flughafen verlängern müssen.

Die Lufthansa versucht nun, freiwillige Piloten zu finden, um zumindest einige Flüge planmäßig abheben zu lassen. 90 Überseeflüge können auf diesem Weg wohl stattfinden. Viele Passagiere werden auf andere Airlines umgebucht.

Themenicon TippsCockpit droht allerdings schon jetzt mit einer Ausweitung der Streiks auf die kommenden Monate. Grundsätzlich könne nun jede Woche mit Streiks gerechnet werden. Derzeit schließt man nur die Weihnachtstage aus. Damit könnte der Streik der Anfang eines umfassenden und langandauernden Arbeitskampfs sein. Cockpit informierte darüber in Informationsveranstaltungen.

Nach den Langstreckenflügen am Dienstag sollen am Mittwoch auch die Kurz- und Mittelstrecken betroffen sein. Auch bei Germanwings werden dann Piloten in den Streik eintreten. Dies wird Flüge betreffen, die die ausgefallenen Lufthansa-Flüge ersetzen sollen.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr setzt nun auf seine Aktionäre. Er hofft, dass es der Finanzmarkt schätzen wird, wenn das Unternehmen in diesem Arbeitskampf hart bleibt. Am Montag notierte die Lufthansa-Aktie mit einem Plus von 0,09 Prozent fast unverändert. Cockpit sagte, man werde trotz der aktuellen Situation weiter zu Gesprächen bereits sein.

Bildquelle: Lufthansa Cargo


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