Unbefristeter Streik bei der Post

Die Post ist längst kein staatliches Unternehmen mehr mit dem Ziel, den Zweck zu erfüllen Briefe und Pakete an die Kundschaft zu bringen. Der „Postler“ ist zum Mittel geworden, die Aktiengesellschaft Deutsche Post AG, auch DPDHL bezeichnet, zur Gewinnmaximierung zu verhelfen. Eigentlich eine klare Sache, als Aktiengesellschaft wollen die Aktionäre hohe Renditen und Dividenden erzielen. Laut dem Versprechen des Vorsitzenden der Post, Frank Appel, soll das problemlos geschehen. Leider wird die Umsetzung der Gewinnmaximierung auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen. Der Postbote von heute, muss wesentlich mehr ertragen als noch vor 20 Jahren und das Prinzip Kapitalbildung wirkt sich mittlerweile auf die gesamte Unternehmensstruktur aus.

Delivery-Gesellschaften

Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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Unter dem Synonym der „Delivery“, bildet die deutsche Post seit Beginn des Jahres mehrere regionale Tochtergesellschaften. Das Unternehmen lockt befristete Angestellte mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag und damit einer sozialen Absicherung. Die Delivery-Gesellschaften betreffen derzeit die Paketsparte (DHL) und laut Aussagen der Post soll die Ausgliederung nicht die Briefträger betreffen. In den Tochtergesellschaften gilt der Haustarif der Post nicht mehr. Die Löhne sind billiger und diverse Sonderzahlungen werden reduziert oder gar wegrationalisiert. Damit nähert sich die deutsche Post in den Missständen der Konkurrenz. GLS, DPD, UPS und andere Größen in der Paketbranche, arbeiten schon länger mit Subunternehmen zusammen. Die Situation von Lohndumping und Ausbeutung, sorgte kürzlich für Aufsehen in der Presse und im TV. Die Bildung von Tochtergesellschaften und die Ausgliederung von mehreren tausend Paketzustellern der deutschen Post, ist der erste Schritt in die falsche Richtung. Bisher haben etwa 6000 Zusteller die neuen Verträge unterschrieben. Die Post spart dadurch Millionen an Gehältern und will das Konzept noch weiter verstärken. Gewinnmaximierung auf Kosten der Mitarbeiter, der Ruf der deutschen Post beginnt zu bröckeln.

Reaktion der Gewerkschaft

Die zuständige Gewerkschaft Ver.di, kämpft gegen die Umstrukturierung an. Aktuell fordert die Ver.di eine Lohnerhöhung von 5,5 Prozent und eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit um 2,5 Stunden auf 36 Stunden. Damit versucht sie einen Ausgleich für die Beschäftigten der Delivery-Gesellschaften zu finden. Der niedrigere Lohn soll mit der verkürzten Arbeitszeit bei vollem Lohn ausgeglichen werden. Auch eine Rückführung der rund 6000 Beschäftigten der Tochtergesellschaften in den Hausvertrag der deutschen Post, ist ein erklärtes Ziel der Gewerkschaft. Bisher kam es zu vereinzelten Streiks. Bundesweite Auswirkungen hatte der Arbeitskampf bisher noch nicht. Das kann sich schnell ändern. Der Post liegt ein letztes Angebot der Ver.di vor. Sollten die Funktionäre der Aktiengesellschaft nicht entsprechend zufrieden stellend regieren, bahnen sich unbefristete Streiks an. Das würde erhebliche Verzögerungen im Brief- und Paketverkehr mit sich bringen. Ähnlich wie der deutschen Bahn, würden Verluste in Millionenhöhe entstehen und Stammkunden könnten mit einem Wechsel des Dienstleisters reagieren. Unbefristete Streiks bei der deutschen Post, sind sicher nicht im Sinne beider Parteien. Leider stellt sich Appel bisher quer und kontert mit schlagkräftigen Argumenten.

Gegenoffensive von Postchef Appel

###cat:4620### Frankfurt-270515 Hauptversammlung Deutsche Post DHL, Frankfurt am Main, Jahrhunderthalle, Deutsche Post DHL/Bernd Georg

Appel bei der Hauptversammlung der Deutsche Post DHL, Frankfurt am Main, Deutsche Post DHL/Bernd Georg

Der Vorstandsvorsitzende der deutschen Post AG, kritisiert das Verhalten der Gewerkschaftler und wirft Argumente in den Raum. Laut seinen Aussagen, übt Ver.di Druck auf die Mitglieder aus und versucht dadurch die Streikbereitschaft zu erhöhen. Eher ein fadenscheiniges Argument, als das diese Mutmaßung den Tatsachen entspricht. Mit der Bildung von Tochtergesellschaften und der Fremdvergabe von großen Teilen des Paketgeschäftes, hat sich die deutsche Post ins eigene Fleisch geschnitten. Statt durch Qualität und Professionalität zu glänzen, versucht der Konzern den Gewinn zu maximieren und dadurch konkurrenzfähig zu bleiben. Genau die Punkte, welche die Post jahrzehntelang auszeichneten, drohen nun auf der Strecke zu bleiben. Arbeitskräfte die sich wohl fühlen und gut bezahlt werden, leisten einfach hervorragende Arbeit. Bei DHL spaltet sich die Situation in eine Zweiklassengesellschaft ab. Im selben Zustellstützpunkt arbeiten nun „Postler“ und „Sub-Postler“. Es ist kaum vorstellbar, dass die konstante Qualität wie bisher gehalten werden kann. Die Konkurrenz schläft bekanntlich nicht. DPD, GLS und Co., warten nur darauf einige Marktanteile für sich gewinnen zu können. Appel sollte wohl eher seine Ausrichtung der Post überdenken, bevor er scheinheilige Argumente in den Raum wirft. Der Arbeitskampf bei der deutschen Post ist knallhart und selten standen sich die Parteien so kompromisslos gegenüber.

Stand der deutschen Post

Die Post AG erzielt beträchtliche Gewinne und hat sich seit der Privatisierung in den 90er Jahren zu einem hochprofitablen Unternehmen entwickelt. Auch der gute Ruf der „Postler“ und die ausgezeichnete Arbeit, konnten diese Entwicklung begünstigen. Gerade im Paketgeschäft boomt die Branche. Großkunden wie Zalando und Amazon konnten gewonnen werden. Millionen Pakete täglich werden ausgeliefert und die Gewinne im Paketgeschäft erfreuen sich jedes Jahr neuen Rekorden. Nun der Paukenschlag, mit der Begründung „konkurrenzfähig zu bleiben“ gründet die deutsche Post regionale Billig-Lohn-Gesellschaften in der Paketabteilung. Selbst vor der hauseigenen Bank, die Postbank, macht der Kurs nicht halt. Es wird ernsthaft erwogen, die Sparte abzustoßen und zu verkaufen. Das Vertrauen in den Giganten schwindet allmählich. Der Arbeitskampf wird einfach zu extrem und rigoros geführt, als man es sich von einem sozialen und beliebten Unternehmen erwarten könnte. Es bleibt abzuwarten, inwiefern sich die Situation noch weiter entwickelt. Finanziell geht es der Post gut, das Paketgeschäft boomt und noch verdienen die Zusteller wesentlich mehr als bei der Konkurrenz. Sicher nicht mehr lang, mit der Auslagerung tausender Arbeitsplätze in Niedriglohn-Gesellschaften zieht die Post allmählich mit der Konkurrenz gleich. Wenn diese Entwicklung bestehen bleibt, ist es nur eine Frage der Zeit bis auch das Briefgeschäft ausgelagert wird. Spätestens dann, hat die Post endgültig ihren guten Ruf und Stand verloren. Vielleicht einigen sich die Gewerkschaftler und die Führung der Post noch, unbefristete Streiks drohen in Kürze.

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