RWE muss weiter sparen

Der angeschlagene Energieversorger RWE senkt weiter seine Kosten. In der vergangenen Woche wurde in einem internen Schreiben der Unternehmensleitung eine weitere Sparrunde angekündigt. Dazu zählen Einschnitte in der Verwaltung. In Konzernkreisen spricht man davon, dass die Kosten in einigen Verwaltungsbereichen durch das Projekt „Lean Steering 2.0“ um bis zu 30 Prozent gesenkt werden sollen. Die Sparmaßnahmen seinen Teil eines Pakets mit dem Ziel, die Effizienz zu steigern.

Mit diesen Maßnahmen reagiert RWE auf weggefallene Einnahmen im Stammgeschäft rund um die Stromerzeugung aus Kohle und Gas aufgrund der eingeleiteten Energiewende. Bereits bei der Vorlage der Bilanz im März hatte der Vorstandschef Peter Terium weitere Kostensenkungen angekündigt. Die Ausgaben zur Steigerung der Effizienz werden bis 2017 von 500 Millionen auf zwei Milliarden Euro aufgestockt. Terium sagte, dass der Strukturwandel in der Energiewirtschaft und die Neustrukturierungen bei RWE dazu führen, dass der Konzern in Zukunft weniger Mitarbeiter beschäftigen werde.

Neue Sparrunde des Energiekonzerns

Neue Sparrunde bei RWE

Neue Sparrunde bei RWE , Quelle:wikipedia

Aufgrund der aktuellen Lage seinen die bisherigen Sparmaßnahmen nicht genug. Allein mit den bisherigen Maßnahmen könne der Konzern nicht wieder auf einen positiveren Kurs gebracht werden. Diese Nachricht musste die Unternehmensleitung nun den Mitarbeitern verkünden. In mindestens zwei Wellen werden nun komplette Aufgabenbereiche wegfallen. Das Programm startet bereits Mitte des Monats und Ende Juni werden weitere Aufgabenbereiche folgen.

Wie viele Arbeitsplätze von den Sparmaßnahmen in der Verwaltung betroffen sind, wurde nicht bekannt. Bei RWE gibt es jedoch seit Ende des vergangenen Jahres keinen harten Kündigungsschutz mehr. Die entsprechende Regelung lief Ende 2014 aus. Nach langen Verhandlungen hat man sich im Dezember allerdings auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt, in dem man Mitarbeiter, die nun in ihren eigentlichen Aufgabenbereichen nicht mehr benötigt werden, über eine interne Jobbörse eine neue Stelle anbietet.

Die aktuellen Sparmaßnahmen sind nicht die ersten im Verwaltungsbereich. Bereits in den vergangenen Jahren liefen verschiedene Sparprogramme an. So wurden ähnliche Aufgaben in sogenannten „Centers of Expertise und „Shared Service Centern" zusammengefasst. Nun geht es aber nicht mehr um die Zusammenlegung von Tätigkeiten, sondern um den Wegfall ganzer Aufgaben. Schon Ende 2014 hatte beispielsweise die Sparte Kraftwerke nur noch etwa 60.000 Mitarbeiter, rund 500 weniger als Ende 2013. RWE steht vor der Frage, welche Endprodukte und Dienstleistungen in Zukunft noch wirklich notwendig sind, um erfolgreich zu sein.

Energiewende in kritischer Phase

Doch nicht nur RWE befindet sich aufgrund der Energiewende gerade in einer schwierigen Situation, die gesamte Branche hat zu kämpfen. Als Bundeskanzlerin Angela Merkel am letzten Sonntag die Hannover Messe eröffnete, sprach sie auch Probleme im Zusammenhang mit der Energiewende an.

Merkel sieht die Energiewende in Deutschland gerade in einer kritischen Phase. Derzeit sammle man „Lernerfahrungen“, wie es die Bundeskanzlerin nannte, bei der schnellen Umstellung der Versorgung mit Energie. Die erneuerbaren Energien sind kein Nischenprodukt mehr, sondern schon heute eine der Säulen der Energieversorgung. Allerdings ist die Umstellung der Energieerzeugung noch lange nicht abgeschlossen und wird uns auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten weiter beschäftigen. Daher müssen derzeit die Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit Energie bezahlbar bleibt und die Energieerzeugung auch in Zukunft gesichert ist.

Merkel sprach auf der Hannover Messe auch die Industrie an. Deutschland müsse bei den erneuerbaren Energien Weltmarktführer bleiben. In rund 130 Ländern wird derzeit die Produktion erneuerbarer Energien gefördert und Schritt für Schritt wird auf diese umgestellt. Deutschland gilt hier als Vorreiter.

Die Bundesregierung wird im Juni nicht nur über den Bau neuer Stromtrassen entscheiden, sondern auch über den die Zusammenstellung des Energie-Mixes. In der letzten Zeit wurde wiederholt kritisiert, dass trotz der vereinbarten Klimaschutzziele verstärkt Kohle zur Stromerzeugung verwendet wird. Der Grund dafür sind günstige Kohlendioxid-Zertifikate. Der Bundesregierung wird damit vorgeworfen, weiter an Kohle als Energielieferant festzuhalten und das Thema erneuerbare Energien nicht ausreichend zu thematisieren.

Wirtschaftliche Erfolge durch Energiewende

Die Elektroindustrie glaubt jedoch an große wirtschaftliche Vorteile aufgrund der Energiewende. Laut einer aktuellen Umfrage des Verbandes der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. (VDE) sind 56 Prozent der befragten Unternehmen und Verantwortlichen an Hochschulen im Bereich Elektro- und Informationstechnik davon überzeugt, dass die Energiewende die deutsche Wirtschaft weiter stärken kann.

Die Wirtschaft erwartet daher deutliche Impulse durch die Umstellung auf erneuerbare Energien. Zudem sehen die Verantwortlichen in der Elektroindustrie Innovationschancen in Deutschland und Vorteile in der Standortfrage. Außerdem werden in Zukunft zahlreiche neue Arbeitsplätze im Bereich erneuerbare Energien geschaffen. Damit kann die Energiewende ein als Jobmotor und Wirtschaftsfaktor gesehen werden.


Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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