Rücktritte von Jain und Fitschen bei der Deutschen Bank

Die Nachricht vom Rücktritt der beiden Co-Vorsitzenden der Deutschen Bank erfolgte am Sonntagnachmittag doch etwas überraschend. Das Bankhaus bestätigte nach einer außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrats den Wechsel an der Spitze – und auch ein Nachfolger steht bereits fest. Demnach wird Anshu Jain sein Amt bereits zum 30. Juni niederlegen, Jürgen Fitschen bleibt noch bis zum Abschluss der Hauptversammlung im Mai 2016 Vorsitzender der Deutschen Bank. Beide hatten eigentlich noch bis März 2017 laufende Verträge.

Jain wird der Deutschen Bank allerdings noch bis Januar 2016 als Berater zur Seite stehen. Der längere Verbleib von Fitschen wurde mit der Sicherstellung eines geregelten Übergangs begründet. Damit jedoch ist das Ende der Doppelspitze besiegelt. Aufsichtsratschef Paul Achleitner dankte Jain und Fitschen für Ihre Entscheidung. Damit stellten sie die Interessen der Bank über ihre eigenen. Auch für Jain ist nach der Erstellung einer neuen Strategie der richtige Zeitpunkt gekommen, um eine neue Führung zu etablieren.

Ende der Doppelspitze

Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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Nach mehreren Skandalen, teuren Rechtsurteilen und einer schlechten Akienkursentwicklung standen Jain und Fitschen bereits seit einiger Zeit in der Kritik. Bei der Hauptversammlung im Mai stimmten nur rund 61 Prozent der Aktionäre für eine Entlastung der Manager. In der Regel sind 95 Prozent und mehr üblich. Dagegen stimmten 91 Prozent der Aktionäre für eine Entlastung der Aufsichtsratsmitglieder.

Ein deutlicher Denkzettel für Jain und Fitschen. In der Folge forderte der Betriebsrat in einem Flugblatt mit dem Titel „Wind of Change? Wind of Jain?" den Rücktritt des Co-Vorsitzenden. Bei der Hauptversammlung im Mai räumten Jain und Fitschen sogar ein, dass ihre Amtszeit bisher keine reine Erfolgsgeschichte gewesen sei. Man habe länger für den Abbau von Altlasten gebraucht, als gedacht.

John Cryan wird Nachfolger

DAVOS/SWITZERLAND, 25JAN13 - Anshu Jain, Co-Chairman of the Management Board and the Group Executive Committee, Deutsche Bank, Germany; Co-Chair of the Governors for Financial Services for 2013 smiles during the session 'No Growth, Easy Money - The New Normal?' at the Annual Meeting 2013 of the World Economic Forum in Davos, Switzerland, January 25, 2013. Copyright by World Economic Forum swiss-image.ch/Photo Michael Wuertenberg

„Anshu Jain World Economic Forum 2013“ Copyright by World Economic Forum
swiss-image.ch/Photo Michael Wuertenberg

Die Deutsche Bank bestätigte ebenfalls noch am Sonntag, dass der 54-jährige Brite John Cryan ab dem 1. Juli 2015 zunächst als Co-Vorstandsvorsitzender neben Jürgen Fitschen fungieren wird. Nach dem Ausscheiden von Fitschen 2016 soll er die Deutsche Bank alleine führen. Cryan ist seit 2013 Aufsichtsratsmitglied und ist dort als Vorsitzender des Prüfungsausschusses tätig. Darüber hinaus ist er Mitglied im Risikoausschuss. Mit Amtsantritt als Co-Vorstandsvorsitzender wird er sein Aufsichtsratsmandat niederlegen.

Cryan startete seine Karriere nach dem Studium an der Universität in Cambridge bei der Wirtschaftsprüfung Arthur Andersen in London. Von 1982 an war er dort tätig und übernahm ab 1987 Aufgaben im Corporate Finance-Geschäft und in der Kundenberatung von UBS und SG Warburg. Zwischen 2008 und 2001 war Cryan dann Finanzvorstand bei der Schweizer Großbank UBS.

Nun wartet also eine neue Aufgabe auf ihn. Cryan kann seinen neuen Job auch deshalb antreten, weil Rainer Neske, ehemals Vorstandsmitglied und Top-Kandidat auf die Jain/Fitschen-Nachfolge, ebenfalls seinen Rücktritt erklärt hat. Cryan sagte, dass die Zukunft der Deutschen Bank davon abhänge, wie gut die neue Strategie umgesetzt wird, die Kunden überzeugt werden und die Komplexität reduziert werde.

Kurssprung bei der Deutsche-Bank-Aktie möglich

Auf die Aktie des Bankeninstituts können sich die Rücktritte von Jain und Fitschen positiv auswirken. Zuletzt war die Marke von 28 Euro sehr wichtig für die Aktie. Nun könnte es weiter nach oben gehen und auch die 30-Euro-Marke könnte geknackt werden. Wer in den nächsten Tagen am Markt aktiv ist, für den könnten Hebelprodukte attraktiv sein. Auch Discount-Zertifikate könnten sich für Anleger als interessant erweisen. In dem Titel steckt derzeit noch viel Volatilität, die nun ein wenig nachlassen sollte.

Danach wird sicher wieder etwas Ruhe einkehren und der Markt wird sich an das neue Gesicht an der Spitze der Deutschen Bank gewöhnen. Aber spätestens ab Mai 2016 muss der neue Vorsitzende John Cryan dann den Anlegern beweisen, dass er seine Aufgabe besser macht, als seine Vorgänger.

Führungswechsel allein reicht nicht aus

Um die Deutsche Bank wieder auf die Beine zu bekommen, wird aber allein ein Wechsel an der Spitze nicht ausreichen. Das Image ist nach zahlreichen Skandalen und Gerichtsprozesses mehr als angekratzt. Neben einer neuen Strategie befürworten viele Kommentatoren sogar einen kompletten Neuanfang.

Doch dieser ist nicht in Sicht; nicht nur, weil Fitschen und Jain der Deutschen Bank noch eine Weile erhalten bleiben werden. Bei der Deutschen Bank ist mehr zu tun, als nur das Personal auszuwechseln. Ein positives Signal für die Zukunft ist jedoch, dass John Cryan unbelastet in seine neue Aufgabe geht. Er ist erst seit etwa zwei Jahren im Aufsichtsrat und steht mit keinen Skandalen oder Misserfolgen in Verbindung.

Allerdings sehen viele Beobachter Aufsichtsratschef Achleitner als wahren Strippenzieher bei der Deutschen Bank. Er hat in den letzten Jahren die Deutsche Bank mehr geprägt als Jain und Fitschen und war auch verantwortlich für den Strategiewechsel der Bank. Zudem hielt er weiter an Anshu Jain fest, auch als die Kritik an ihm deutlich zunahm.

Nun ist es also an Achleitner und Cryan, den geplanten Verkauf der Postbank zu realisieren und harte Einschnitte im Privatkundengeschäft umzusetzen und gegenüber den Arbeitnehmervertretern durchzusetzen. Zudem wollen die Investoren in Zukunft weniger Skandale und dafür mehr Rendite sehen.

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