RSI – Das Schweizer Taschenmesser der Technischen Analyse

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Die Schwungkraft des Kurses

Beim RSI (Relative-Stärke-Index von Welles Wilder) dreht sich alles um das Momentum. Damit bezeichnet man die Schwungkraft des Kurses. Mit Hilfe des RSI wird das Momentum analysiert, und der zukünftige Kurs prognostiziert. Wichtige Anhaltspunkte sind die Beschleunigung bzw. Verzögerung des Kurses.

In Trends zeigt das Momentum durch die Kursgeschwindigkeit, ob der Markt eine Umkehrbewegung plant. Wenn man den RSI-Indikator stets unter dem Aspekt des Momentums betrachtet, dann ist er ein Vorläufer des Kurses. Und die Zukunft sollte immer der Kern der Technischen Analyse sein. Es ist ein unumstößliches Gesetz, dass man, um an der Börse Geld zu verdienen, ein Instrument benötigt, welches die Handelswahrscheinlichkeit zu Gunsten des Traders verschiebt.

So funktioniert der RSI

Das Momentum kann gemessen werden, in dem man den laufenden Kurs mit dem Kurs vor x Perioden vergleicht. Die Standardeinstellung des RSI ist 14. Bei einem Tages-Chart würde also der aktuelle Kurs mit dem Kurs vor 14 Tagen verglichen werden.

Berechnung:

RSI = 100 – ((100 / (1 + RS))
RS= (Durchschnitt der Schlusskurse von x Tagen mit steigenden Kursen /

Durchschnitt der Schlusskurse von x Tagen mit fallenden Kursen)

x = Periodenwert zwischen 3 und 25
Standardwert = 14
RS = relative Stärke

Bei eingehender Betrachtung der Formel wird deutlich, dass der RSI nichts weiter ist, als der Vergleich zwischen den durchschnittlichen Aufwärts- und Abwärtstagen zur gewählten Periode.

Typische Interpretation des RSI

Innerhalb der RSI reicht die Skala von 0 bis 100. Dazwischen gibt es drei wichtige Grenzlinien. Die 50 ist die Mittellinie. Dauerhafte Kurse über 50 deuten auf einen Aufwärtstrend hin, und unter 50 auf einen Abwärtstrend. Die überkaufte Zone beginnt ab 70 und die überverkaufte Zone beginnt unter 30. Diese Einteilung ist jedoch keine Aufforderung zum blinden Handel. Die genannten Grenzlinien sind eher als Warnlinien zu betrachten.

Handelssysteme des RSI

  • Der überkaufte oder überverkaufte Markt

Wenn der Markt keinen Trend aufweist und eher zyklisch auf und ab wandert, dann sind die 30 und 70 die Grenzen um zu Kaufen (unter 30) oder zu verkaufen (über 70).

DAX-OBOS-Signale

Bild 1: DAX-Tages-Chart mit RSI(14)-Indikator mit überkaufte und überverkaufte Marktsituationen

 

Das Bild 1 zeigt den Aufwärtstrend des DAX und die Bewegungen des RSI. Wer überkaufte bzw. überverkaufte Marktsituation mit dem RSI handeln möchte, der sollte unbedingt auf einen möglichen Trend achten. Langfristige Gleitende Durchschnitte bieten oft eine Diagnosemöglichkeit für die Trendstärke des Marktes. Zeigt der Markt dagegen zyklisches Verhalten, sind die RSI-Signale großartig.
Anders ist das in einem Trend. In einem Trend kann der Markt sich über einen längeren Zeitraum im Extrem bewegen, ohne dass es zu einer Gegenreaktion kommen muss. Beim RSI empfiehlt es sich deshalb, nicht sofort eine Gegenposition einzunehmen, wenn der RSI zum Beispiel den Wert 30 unterschreitet. Besser ist es ein wenig abzuwarten, und dann eine Long-Position zu starten, wenn er die 30er-Linie von unten nach oben kreuzt (siehe Pfeile). Bei einer Short-Position würde dann das Kreuzen der 70er-Linie von oben nach unten relevant sein. Wie am Bild 1 zu sehen ist, kann ein disziplinierte Trader trotz eines Aufwärtstrends mit dieser Handelsweise Profite erzeugen. Sobald der Markt seinen Trend wieder aufnimmt muss allerdings die Position sofort geschlossen werden. Das hält mögliche Verluste klein.

  • Divergenzen im RSI

Die wichtigsten Anzeichen für Trendwendepunkte sind Divergenzen. Dabei zeigt das Momentum immer eine Reduzierung der Kursgeschwindigkeit.

EURUSD-Divergenzen

 

Bild 2: EUR-USD-Tages-Chart mit RSI(14)-Indikator und Divergenzen

Wie jeder Oszillator mit ähnlicher Berechnungsart kann sich der RSI nicht ewig im Extrem aufhalten. Irgendwann nimmt der Schwung der Bewegung ab und der Indikator zeigt frühzeitig die Umkehr des Marktes an. Bei der Suche nach Divergenzen ist ratsam auf prägnante Hochs oder Tiefs zu achten. Der EUR-USD-Chart in Bild 2 zeigt zwei bullishe Divergenzen nacheinander. Die Divergenz entsteht über den Vergleich des RSI zum Kurs des Basiswertes (hier EUR-USD). Zusätzlich zeigt die Steilheit der eingezeichneten Trendlinien die Stärke der jeweiligen Divergenz. Je steiler die Trendlinie innerhalb des RSI, desto stärker ist die Divergenz ausgeprägt.

  • Trendlinienbrüche innerhalb des RSI

Große Momentumänderungen lassen sich hervorragend über Trendlinien anzeigen. Dabei werden diese direkt in den RSI eingezeichnet. Es ist darauf zu achten, dass eine Trendlinie mindestens zwei prägnante, besser drei, Auflagepunkte hat.

EURUSD-Trendlinienbrüche

Bild 3: EUR-USD-Tages-Chart mit RSI(14)-Indikator und Trendlinienbrüche

  • Technische Formationen im RSI

Innerhalb des RSI lassen sich auch Standardformationen finden. Achten Sie besonders auf Schulter-Kopf-Schulter-Formationen (S-K-S).

S-K-S-RSI

Bild 4: EUR-USD-Tages-Chart mit RSI(14)-Indikator und Formationen

 

Eine Paradedisziplin des RSI ist Divergenz. So ist die bekannte Schulter-Kopf-Schulter-Formation oder der doppelte Boden bzw. das doppelte Top, ein Nebenprodukt der Divergenzsignale. In Bild 4 sind die bearishe S-K-S und die bullishe inverse S-K-S gekennzeichnet. Anschließend folgt ein doppeltes Top.

Solche Formationen haben in der Praxis oft eine hohe Trefferquote.

Ausstiegssignale beim RSI

Der RSI ist hervorragend geeignet als Ausstiegssignalgeber. Es kann dabei ein Teilausstieg oder ein kompletter Ausstieg sein. Innerhalb der oberen Charts ist auch noch ein einfacher Gleitender Durchschnitt mit 20 Perioden integriert. Dieser kann als schneller Ausstiegssignalgeber verwendet werden.
Arbeitet der Trader mit Trends, dann kann die 50er-Mittellinie als Ausstiegssignal genutzt werden. Jede Unterschreitung der mittleren Linie ist ein Warnsignal, dass sich die Marktstruktur ändern kann. Deshalb ist das Überschreiten der Mittellinie zumindest eine Überlegung wert, ob nicht ein Teilausstieg sinnvoll wäre.

Ist der Basiswert in einer starken Kursbewegung, dann ist die 70er bzw. die 30er-Linie interessant, denn an diesen Linien beginnen die Kursübertreibungen. Hat man zum Beispiel eine Long-Position, dann könnte man beim Überschreiten der 70er-Linie die Hälfte der Position glattstellen, und die andere Hälfte den Kursschwung weiter ausnutzen lassen. Erst beim erneuten Durchschreiten der 70er-Linie, aber diesmal von oben nach unten, könnte man den Rest der offenen Position schließen.

Der RSI könnte inzwischen eine Prophezeiung sein

Der RSI wurde 1978 von Welles Wilder der Öffentlichkeit vorgestellt. Damit ist er ein technischer Indikator der ersten Generation. Die meisten Trader kennen den RSI gut, und wissen wie er funktioniert. Nicht wenige Analysten nutzen die Prognosefähigkeit des RSI. Seine Handelssignale könnten inzwischen sogar eine massenpsychologische Wirkung haben. Wenn so viele Marktteilnehmer ihn beobachten, dann müsste zum Beispiel der RSI(14) an der 70er-Grenze eine „sich selbsterfüllende Prophezeiung“ produzieren. Warum sollte an dieser Stelle nicht eine Kaufzurückhaltung entstehen? Und das würde wiederum zu einer Marktumkehr führen, ganz nach den Regeln des RSI.

 

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