Profitable Handelssysteme gibt es nicht!

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Handelssysteme, die wirklich funktionieren sind Wunschdenken

Das ist eine provokante Überschrift, die vermutlich gegen erfolgreiche Börsianer stänkert. Und es ist eine These, die wahrscheinlich die Mehrheit der Trader ablehnend gegenüber steht. Ok, dann müssen wir im Gegenzug die Frage nach dem „Heiligen Gral“ des Tradings stellen. Gibt es ihn? Wenn wir den Heiligen Gral als konstant erfolgreiches Handelssystem definieren, dann ist die Konsequenz daraus eindeutig: Es gibt kein profitables Handelssystem!

Jeder Trade startet mit einem Malus

Grundsätzlich ist es so, dass Handelskosten, Spread und Slippage für einen negativen Handelsstart sorgen. Man kann zwar versuchen, diesen Nachteil zu minimieren. Trotzdem haben alle Marktteilnehmer einen Nachteil. Allein der Umstand sorgt dafür, dass alle Börsen schlechtere Quoten bieten als ein Münzwurf.
Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit der Börse. Von Anfang an setzte ich meine Handelsideen in Programmzeilen um. Über die Jahre habe ich hunderte von Handelssystemen programmiert. Falls die Frage im Raum steht, ob auch erfolgreiche Systeme darunter waren. Ja, na klar. Trotzdem behaupte ich, dass es langfristig kein profitables Handelssystem gibt. Wer glaubt ein profitables Handelssystem zu besitzen, der hat eben nur noch nicht genügend Trades durchgeführt.

Christian Lukas

Christian Lukas

Christian Lukas beschäftigt sich sein 1998 mit der Börse. Als privater Trader handelt er in erster Linie den DAX- und den Bund-Future. Seine Spezialität ist die Volumen-Analyse. Dabei wird der Kursverlauf mit dem Handelsvolumen in eine Beziehung gesetzt. Ziel ist die frühzeitige Erkennung von Veränderungen in Angebot und Nachfrage des Handelsobjektes. Weitere Infos unter www.volumen-analyse.de.
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Je höher die Profitabilität, desto tiefer der Absturz

Auch wenn die vorherigen Zeilen es nicht vermuten lassen, man kann erfolgreichen Börsenhandel betreiben. Der Kern des Erfolges liegt in der Anwendung der Handelssysteme. Sie funktionieren gut, wenn sie zur aktuellen Marktphase passen.
Nicht das System, sondern die Marktstruktur sollte daher das zentrale Thema jedes Traders sein. Gute Trader sind in der Lage die richtigen Tools auszuwählen. Das ist vergleichbar mit einem Handwerker, der unterschiedliche Problemstellungen, mit dem passenden Werkzeug begegnet. Wer immer nur ein Werkzeug benutzt, der bleibt in seinen Fähigkeiten limitiert.
Je höher die Profitabilität, desto tiefer der Absturz
Nehmen wir einmal an, dass es keine Handelskosten, keinen Spread und keine Slippage gäbe. Wäre dann profitabler Handel dauerhaft möglich? Auch das wird schwierig, denn ein Handelsvorteil wird über sehr lange Zeit zu einem Handelsnachteil. Je größer der Vorteil ist, desto stärker ist später der Nachteil. Jedes System hat zyklische Gewinn- und Verlustphasen. Je größer die Gewinnphase ist, desto stärker wird die Verlustphase.

Ein Handelssystem lässt sich vereinfacht mit drei statistischen Begriffen umschreiben:
Profitfaktor (PF) = Summe der Gewinne / Summe der Verluste
Trefferquote (Q) = Häufigkeit der Gewinn-Trades / Häufigkeit der Verlust-Trades
Payoff-Ratio (PO) = Durchschnittlicher Gewinn / Durchschnittlicher Verlust

PF = (Q / (100% – Q)) x PO

Magisches Dreieck Profitfaktor

Bild: Ein magisches Dreieck im Systemhandel

Bei einem Handelssystem dreht sich alles um den Profitfaktor. Ein System ist profitabel, wenn der Profitfaktor über 1 ist. Es bedeutet, dass die Summe der Einzelgewinne höher ist als die Summe der Einzelverluste. Die Stellschauben, um den Profitfaktor zu erhöhen, sind die Trefferquote und die Payoff-Ratio.
Der „natürliche“ Profitfaktor jedes Marktes liegt knapp unter 1. Ohne Handelskosten usw. wäre er 1. Gehen wir von einem beliebigen Handelssystem aus, und versuchen den Profitfaktor zu erhöhen, dann können wir die Trefferquote erhöhen. Das geht jedoch zu Lasten der Payoff-Ratio, die sich dann vermindert. Erhöht man die Payoff-Ratio, dann nimmt die Trefferquote ab.
Umgehen lässt sich die Problematik nur mit zusätzlichen Systemfiltern. Der Nachteil jedes Filters ist allerdings, dass sich die Handelsfrequenz reduziert. Dies führt nicht zwingend zu mehr Erfolg, denn ein System, zum Beispiel mit einem Profitfaktor von 10 und nur einem Handelssignal alle drei Jahre, wird kaum eine ausreichende Rendite abwerfen.

Lebensdauer der profitablen Handelssysteme

Wenn Sie zu den Glücklichen gehören, die ein funktionierendes Handelssystem besitzen, dann gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, wie lange Ihre Profitabilität noch andauert. Bei einem System, dass Ihnen 100%-Rendite oder mehr einbringt, sollten Sie die glückliche Zeit genießen. Es sind die „Highflyer“. Leider dauert es nicht lange, und es kommt die kurze aber unangenehme Verlustphase. Das ist das Schicksal jedes herausragenden Gewinn-Systems. Es ist spezialisiert, und die herausragende Rendite ist ein Resultat, weil eine eng definiert Marktstruktur und das System nahezu ideal zusammen passen.
Die längste Lebensdauer besitzen Systeme, die eine solide Grundidee enthalten. Solche Systeme stellen eine Art „Hausmannskost“ dar. Sie bringen Ihnen pro Jahr zwischen 5 und 20% Rendite. Die Hausmannskost funktioniert sehr lange und man kann sich kaum vorstellen, dass die Renditen endlich sind. Leider haben auch solche widerstandfähigen Dauerläufer einen Zyklus. Irgendwann funktionieren sie nicht mehr gut. Der Trader merkt es nicht so sofort, weil die Verschlechterung langsam stattfindet. Der Markt ändert sich eben immer.

Lebenszyklus Handelssystem

Bild: Vergleich des Lebenszyklus zwischen Langzeit- und Kurzzeitsystem

Beachten Sie im oberen Bild das Verhältnis von Rendite zur Lebensdauer (Zeit)
Highflyer ermöglichen in kurzer Zeit unglaubliche Renditen. Sehr oft findet man sie als vermarktetes System bei Börsenverlagen. Sie bieten kurzfristig eine sagenhafte Rendite, weil das System und der Markt ideal zusammenpassen. Solche Depot-Booster halten leider nicht lange durch. Ich spreche hier nicht von Wochen, sondern das System kann Monate oder mehrere Jahre gut funktionieren. Irgendwann kommt allerdings das tränenreiche Ende. Genauso schnell, wie sie eine ausufernde Rendite boten, kommt anschließend die Depression.

Suchen Sie nach guten Ideen und nicht nach Optimierungen

Es bringt nichts. Forschen Sie nicht nach dem ultimativen Handelssystem. Es macht zwar Spaß, ständig an Verbesserungen zu feilen, doch entscheidend ist die Grundidee des Systems. Erfolgreiche Systeme folgen einer zwingenden Gewinnlogik. Hat man sich auf ein System festgelegt, dann besteht die Hauptaufgabe darin, den besten Markt für das System zu suchen. Dabei kann man verschiedene Märkte auswählen oder auch nur einen einzigen. In diesem Fall muss ein Markt streng segmentiert werden. Das kann zum Beispiel nach einer bestimmten Uhrzeit erfolgen, oder nach bestimmten Rhythmen. Lernen Sie den Markt zu verstehen, dann ist die Auswahl des richtigen Handelssystems einfach.
Die herausragende Fähigkeit eines „Super-Traders“ besteht darin, die rhythmischen Zyklen des Marktes zu erkennen. Super-Trader können nicht besser Märkte vorhersagen, doch sie sind Meister darin, auf veränderte Marktbedingungen zu reagieren.

Trading mit GDL

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