Poststreik: Die Lager sind voll

Der Poststreik dauert nun schon seit zwei Wochen. Die Folge sind überfüllte Postlager. Nun ergreift die Post ungewöhnliche und umstrittene Maßnahmen, um der Masse an Paketen Herr zu werden. In einigen Regionen des Landes sind wegen des Streiks die Lager bis unters Dach gefüllt. Der Streik ist der größte bei der Post seit 20 Jahren und beginnt sich dramatisch auszuwirken.

Laut Ver.di haben derzeit etwa 25.000 der insgesamt 140.000 Arbeitnehmer ihre Arbeit niedergelegt. Laut Post-Betriebsrat nutzt die Post ehemalige Betriebsstätten als Lager. Und bei Postämtern in Düsseldorf warten Briefe und Pakete in Containern auf dem Betriebsgelände. In einigen Stätten mietet die Post sogar schon Hallen und Garagen an.

Sondereinsätze der Mitarbeiter

Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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Die Post weiß sich nicht mehr zu helfen. Konzernbetriebsratschef Thomas Koczelnik sagte, dass die Post die verbliebenen Mitarbeiter schon dazu aufgerufen habe, am Sonntag zu arbeiten. Dazu habe man Mitteilungen am schwarzen Brett aufgehangen. Dort heißt es: „Am Sonntag kommt es zu einer großflächigen und bundesweiten Sonntagszustellung." Als Begründung wurde der Platzmangel in den Zustellstützpunkten angegeben. 100 Euro Sonntagszuschlag soll einen zusätzlichen Anreiz schaffen.

In der Regel starten von den landesweit 10.000 Zustellstützpunkten jeden Tag bis zu 90.000 Zusteller, um Pakete und Briefe zu verteilen. Tag für Tag bringt die Post 64 Millionen Briefe und 3,4 Millionen Pakete in die deutschen Haushalte. Trotz des Streiks werden immer noch 80 % davon zugestellt, sagt die Post. Diese Angabe bezweifeln aber die Ver.di-Verantwortlichen. Dennoch wären nach dieser Rechnung in zwölf Streiktagen 144 Millionen Briefe und acht Millionen Pakete nicht ausgeliefert worden. Daher sucht die Post nun Brief-, Verbund- und Paketzusteller, Overheadkräfte, Delivery-Zusteller sowie Servicepartner und Transportunternehmer, die Sondereinsätze durchführen.

Sonntagsarbeit hat allerdings einen Haken: Der Betriebsrat muss zustimmen. Außerdem wird eine Erlaubnis der Aufsichtsbehörden der Länder benötigt. Konzernbetriebsratschef Koczelnik sagte jedoch, dass der Betriebsrat nicht in die Entscheidung eingebunden war.

Leiharbeiter helfen aus

Wegen des Streiks greift die Post auch auf Leiharbeiter zurück. Diese stammen vor allem aus Osteuropa. So gibt es beispielsweise in Neumünster einen Werksvertrag mit polnischen Arbeitskräften. In einigen Fällen hat die Leiharbeitsfirma ihren Sitz im Ausland, daher gelten für sie nicht die deutschen Gesetze.

Daher ist nun das Management aufgeschreckt. Man befürchtet Kontrollen durch den deutschen Zoll. Bei Verstößen gegen das deutsche Arbeitsgesetz wären die Manager vor Ort verantwortlich für Entscheidungen aus der Bonner Konzernzentrale.

Hessen: Privatpersonen tragen Pakete aus

In Hessen war die Post besonders kreativ. In Kassel und Bad Hersfeld trugen Privatleute die Post aus. Dafür bekamen sie 50 Cent pro ausgeliefertem Paket. Laut der Post war dies ein „Pilotprojekt“, das bereits wieder beendet sei. Wie viele Privatpersonen unterwegs waren, ist unklar. Rechtliche Vorgaben seinen eingehalten worden. Allerdings sei das Projekt nicht zielführend gewesen, daher habe man es wieder eingestellt und setzt nun auf Wochenendarbeit.

Laut Ver.di waren in vielen hessischen Städten wie Frankfurt oder Wiesbaden auch Beamte und Verwaltungsangestellte der Post unterwegs, um Briefe und Pakete auszutragen. Schon vor einiger Zeit klagte die Gewerkschaft gegen die hessische Landesregierung, weil diese ihrer Aufsichtspflicht nicht nachkomme und Partei für die Post ergreife.

Folgen des Streiks für Privatleute und Wirtschaft

Derzeit scheint sich der Streik bei der Post eher auf Privatpersonen auszuwirken. In der Wirtschaft gibt man sich gelassen. Lediglich Versandhändler beklagen höhere Kosten und Zustellschwierigkeiten. Andere Wirtschaftszweige wie Versicherungen oder Banken sind aber nur wenig betroffen. Ärgerlich ist der Streik eher für Privatpersonen, die auf Bestellungen warten oder eine Bewerbung pünktlich abschicken wollten. Und sie machen ihrem Ärger Luft – zum Beispiel auf der Facebook-Seite der Post.

Die Konkurrenten der Post registrieren übrigens einen größeren Zulauf. Nicht nur Privatpersonen, sondern auch kleine und mittlere Firmen kommen auf sie zu. Zudem wird die Post von Seiten der Aktionärsschützer vor Kundenverlusten gewarnt. Größere Unternehmen, die oft auch langfristige Verträge mit der Post haben, zeigen sich aber bislang gelassen. Ein großer Teil der Korrespondenz wird mittlerweile ohnehin online erledigt, sodass viele Unternehmen einfach von Brief auf Email umsteigen. Bei der Allianz hört man beispielsweise, dass seit Beginn des Streiks mehr Kunden per Email oder Fax Kontakt zum Versicherer aufnehmen.

Besorgte Arbeitnehmer

Worum geht es beim Poststreik eigentlich? Die Ursache ist eine Aufspaltung des Unternehmens. Das Post-Management hat 49 Zustellfirmen mit dem Namen DHL Delivery gegründet. Die Angestellten der neuen Firmen werden aber nicht nach dem Haustarif der Post AG bezahlt, sondern erhalten ihr Geld nach dem Tarif des Logistikgewerbes. Das bedeutet für die Angestellten der DHL Delivery rund 20 Prozent weniger Gehalt. Insgesamt geht es um 6.000 Beschäftigte in den neuen Firmen. Zwei Drittel von ihnen waren vorher befristetet bei der Post angestellt.

Zudem glaubt Ver.di, dass bis Jahresende mehrere Tausend weitere Mitarbeiter in die DHL Delivery-Firmen wechseln sollen. Der Hintergrund ist, dass bei rund 18.000 befristetet Beschäftigen bei der Post die Verträge im Dezember auslaufen. Die Post begründet das Auslagern in neue Firmen damit, dass die Post AG im Vergleich zu Hermes oder DPD deutlich höhere Löhne zahle.

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