Playtech übernimmt Skandal-Broker „Plus500“

Der wegen eingefrorener Konten ins Straucheln geratene CFD-Broker Plus500 wird von dem israelischen Spielesoftwarehersteller Playtech übernommen. Das vor allem als Entwickler von Casino-Software bekannte Unternehmen bietet 400 Pence pro Aktie.

Plus500 reagiert auf wachsenden Druck

Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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Das Management von Plus 500, das 35 Prozent der Aktien besitzt, hat der Übernahme bereits zugestimmt. Odey Asset Management muss den Deal zwar ebenfalls noch annehmen, allerdings wäre eine Ablehnung nicht ausschlaggebend. Laut dem israelischen Übernahmegesetz müssen lediglich 50,1 Prozent der Shareholder dem Deal zustimmen. Derzeit hält Odey Asset Management ein Viertel der Aktien.

Die Plus500-Aktie war innerhalb von 5 Tagen von 750 auf 200 Pence abgestürzt, nachdem bekannt geworden war, dass Tausende Konten von Kunden aus Großbritannien gesperrt worden waren. Odey Asset Management hat im Zuge des Preisverfalls seine Investitionen sogar verdoppelt, vermutlich in der Hoffnung, dass der Kurs sich langfristig wieder stabilisiert. Nach Medienberichten zielt der Shareholder sogar auf 6 Dollar pro Aktie ab. Dieser Preis scheint derzeit jedoch utopisch.

Als Grund für die Übernahme gab das Management von Plus500 demzufolge auch den „zunehmenden Druck auf das Geschäft von Plus500“ an. Zuvor hatte das Unternehmen allerdings betont, dass es mit 02 Millionen Dollar Bargeld die Konsequenzen abfedern könne. Allerdings könnte das Management die Folgen unterschätzt haben. Massiver Mittelabfluss und Umsatzeinbußen scheinen wahrscheinlich, da das Unternehmen durch die Sperrung zahlreiche negative Schlagzeilen verursachte und das Vertrauen der Kunden stark angegriffen scheint. Vor allem Kommentare in den sozialen Medien zeigen, wie stark das Image des CFD-Brokers gelitten hat.

Playtech kann das Angebot noch zurückziehen

Playtech kann den angeschlagenen Broker noch retten

Playtech kann den angeschlagenen Broker Plus500 noch retten

Mit Playtech steigt nun ein finanzkräftiger Partner ein, der sein Angebot auf CFD und Forex erweitern möchte. Bereits im April hatte das Unternehmen den Broker „TradeFX“ übernommen. Nun zeigt sich Playtech bereit, über 700 Millionen US-Dollar für den angeschlagenen Broker auszugeben. Für Finanzexperten scheint dies jedoch ein deutlich überteuertes Angebot zu sein. Cable Car Capital ist beispielsweise der Meinung, dass Plus500-Aktien nicht mehr Wert als 52 Pence sind. Laut den Finanzexperten ist es sehr wahrscheinlich, dass weitere Angebote für den strauchelnden Broker geringer als höher ausfallen. Playtech lässt sich bei dem Deal allerdings ein Hintertürchen offen: Im Vertrag ist festgelegt, dass das Unternehmen den Broker nicht übernehmen muss, wenn sich die Lage weiter verschlechtert.

Verschärfte Verifizierung galt als überfällig

Als Begründung für die Sperrungen gab Plus500 neue Geldwäsche-Regularien an und kündigte an, die Accounts zu entsperren, nachdem alle Daten und Informationen der einzelnen Kunden geprüft wurden. Dennoch führten die Sperrungen zum größten Kurseinbruch der Aktie seit dem Börsengang 2013. Gut 55 Prozent der britischen Accounts sollten von der Sperrung betroffen worden sein. Den Kunden war es nicht möglich zu traden oder Geld aus- oder einzubezahlen. Plus500 erklärte in einer Stellungnahme, dass die Sperrung zur Implementierung einer strengeren Überwachung von Geldwäsche notwendig gewesen sei. Die zuvor zu einfache Verifizierung bei der Kontoeröffnung habe zur Folge, dass der Schutz vor Geldwäsche nicht ausreiche. Dies war von Mitbewerbern mehrfach kritisiert worden.

Ein Compliance-Berater habe im Februar die Datenüberprüfung vorgeschlagen, allerdings seien im Rahmen dieses Prozesses „menschliche Fehler“ entdeckt worden, die zu einer Verzögerung der Überprüfung führe. So sollen Dokumente, die unleserlich oder unvollständig hochgeladen worden sind, dennoch zur Kontoverifizierung ausgereicht haben. Plus500 gab an, dennoch Hunderte Kundendaten pro Tag zu prüfen, sodass die Sperrung in einzelnen Fällen ein paar Wochen, bei anderen nur wenige Tage andauern würde. Dennoch konnte der Support nicht ausreichend auf alle Beschwerden reagieren, da das Unternehmen keine Telefonhotline anbietet, durch die Kunden schnell über das Vorgehen aufgeklärt werden konnten.

Plus500 drängte sich selbst ins Abseits

Trotz der Bemühungen, die Kontensperrung zu erklären, reagierte die Börse heftig auf das Vorgehen von Plus500. Als problematisch gilt der Image-Verlust, den Plus500 durch die unangekündigte Sperrung in Kauf nehmen musste. Bei der großen Konkurrenz unter den CFD-Brokern gilt es als unwahrscheinlich, dass Plus500 nicht mit zahlreichen Abmeldungen rechnen muss. Außerdem wurde bekannt, dass Konten zu den Niederlassungen in Australien und Zypern ausgelagert werden. Diesen Schritt erklärte der CFD-Broker nicht ausreichend.

Als weiteres Problem sehen viele, dass der Broker durch die verschärfte Verifizierung mehr Personal einstellen muss und zudem die Hürde zur Anmeldung wesentlich größer sind. Da sich Plus500 bislang vor allem durch eine aggressive Marketingstrategie auszeichnet, war unklar, ob sich das bisherige Geschäftsmodell, das sich auf die Gewinnung von Neukunden zentrierte, weiterhin als erfolgreich erweist. Die Geschäftsführung musste zudem im vergangenen Geschäftsjahr aufgrund der hohen Marketingausgaben den Gewinn deutlich nach unten korrigiert und sorgte damit bereits für Unmut unter den Anlegern.

Zudem war Plus500 von einzelnen Kunden im Vorfeld dafür kritisiert worden, Geld nicht auszuzahlen oder sich nicht an die Bonusbedingungen zu halten. Auch verzögerte Kurse wurden mehrfach kritisiert. Die London Time berichtete bereits vor einigen Monaten, dass die britische Aufsichtsbehörde auf Plus500 aufmerksam geworden sei. Das Unternehmen soll Dividenden an die Aktionäre nicht gezahlt oder zurückgehalten haben. Plus500 wehrte sich gegen die Vorwürfe jedoch und verwies darauf, dass sämtliche Dividenden am 15. Mai ausbezahlt worden sein. Vor Inanspruchnahme eines Bonus sollten sich Trader auf der Brokerwebsite über die aktuell geltenden Bonusbedingungen informieren.

Auf unsere Nachfragen nach den Auswirkungen der Übernahme antowortete Plus500:

Playtech’s offer confirms that Plus500 is a strong, successful and rising brand in the CFD industry. The Plus500 brand will continue to be a top and stable CFD brand, under Playtech’s impressive and strong portfolio.

Playtechs Angebot bestätigt Plus500 als starken, erfolgreichen und aufsteigenden CFD-Broker. Plus500 wird weiterhin ein verlässlicher Topanbieter sein, nun gestärkt durch Playtechs starkes und eindrucksvolles Portfolio.

Man ist also optimistisch in Zukunftsfragen!

Über Plus500: Plus500UK Ltd wurde durch die Financial Conduct Authority zugelassen und wird durch diese reguliert. (FRN 509909). Plus500CY LTD unterliegt der Regulierung der CySEC (Licence No. 250/14). Plus500AU Pty Ltd untersteht der australischen Behörde Australian Securities and Investments Commission (AFSL #417727).

Der Handel ist stets mit einem Risiko verbunden. Trader können ihr eingesetztes Kapital verlieren.

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