Erfolgreiche Strategie mit Parabolic SAR

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Richtige Einstellung Parabolic SAR

Es gibt Indikatoren, die von vielen Tradern links liegen gelassen werden, obwohl sie damit ihrer Trading-Ergebnisse enorm verbessern könnten. Einer dieser unterschätzten Indikatoren ist Parabolic-SAR von Welles Wilder.

Die meisten Trader suchen Trends

Vermutlich bezeichnet sich die Masse der Trader als Trendfolger. Warum so viele Trend-Trader unterwegs sind, kann vielleicht über die Börsenpsychologie erklärt werden. Bei Betrachtung eines Charts sieht es nämlich phänomenal aus, wenn eine Aktie von links unten nach rechts oben verläuft. Trading-Anfänger rechnen im Kopf schnell aus, was sie verdient hätten, wenn sie beim Trend dabei gewesen wären. Das sieht immer verblüffend einfach aus und scheint leicht verdientes Geld zu sein.

Die Börsenrealität ist zäh

Im Detail ist eine Kursbewegung nur selten ein strammer Trend. Vielmehr entwickeln sich die Kursbewegungen nur langsam zu einem Trend. In diesem Hin-und-her gibt es unzählige Situationen, in denen es so scheint, als ob ein Trend zusammenfällt. Das strapaziert die Nerven der Marktteilnehmer. Die Nervösen stoßen dann in einer kleinen Panikattacke ihre Aktien ab. Wer mit seiner Position im Gewinn ist, der möchte auf keinen Fall den Gewinn wieder abgeben. Es schmerzt viel mehr einen potenziellen Gewinner in einen Verlust abgleiten zulassen, als wenn die Position sofort ins Minus rutscht. Letztlich ist es bei Börsianern so, dass sie Trends bewundern, und doch so wenige davon profitieren können.

Christian Lukas

Christian Lukas

Christian Lukas beschäftigt sich sein 1998 mit der Börse. Als privater Trader handelt er in erster Linie den DAX- und den Bund-Future. Seine Spezialität ist die Volumen-Analyse. Dabei wird der Kursverlauf mit dem Handelsvolumen in eine Beziehung gesetzt. Ziel ist die frühzeitige Erkennung von Veränderungen in Angebot und Nachfrage des Handelsobjektes. Weitere Infos unter www.volumen-analyse.de.
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Buffett´s Value-Investment lebt von Trends

Den meisten Börsianern ist der Name Warren Buffet ein Begriff. Er gilt als Inbegriff des erfolgreichen Value-Investors. Bisher habe ich noch keinen Artikel gelesen, in dem nur ein einziger Satz darüber verloren wurde, dass Buffett die Technische Analyse zur Unterstützung benutzen würde. Ich kenne seine Strategie nur im Groben, aber ich glaube, dass ein Nebeneffekt seiner Value-Strategie die Ausnutzung von Trends ist. Er wählt seine Positionen grundsätzlich so aus, als ob er sie nie wieder verkaufen würde. Im Fall einer Top-Aktie passt das zur optimalen Ausnutzung von Trends. Wenn er von einer Aktie überzeugt ist, dann bleibt sie in seinem Depot. Der Nebeneffekt ist der, dass er nicht nervös wird, wenn der Markt auf der Kippe steht. Im Gegenteil, er kann sogar argumentieren, dass sich in seinem Depot eine Top-Aktie mit besonderen Eigenschaften befindet. Folglich wäre eine Kurskorrektur eher noch ein Anreiz, die Aktienposition aufzustocken. Ein Nebeneffekt wäre dann, dass er Trends mit seiner Aktie voll mitnehmen kann.

Mit Parabolic-SAR Trends optimal ausschöpfen

Welles Wilder ist einer der Technischen Analysten die enorme Grundlagenarbeit geleistet haben. Viele seiner Indikatoren bilden das Fundament des technischen Traders. Er geht davon aus, dass es echte Trends nur zu 30% der Börsenzeit gibt. Es bleibt zwar die Frage offen, wie er einen Trend definiert, doch aus eigener Erfahrung möchte ich sagen, dass seine Schätzung im Groben zutrifft.

Mit dem Parabolic-SAR hat Welles Wilder ein erstklassiges Tool geschaffen, das Trends identifizieren kann. SAR bedeutet Stop-And-Reverse und der Begriff Parabolic deutet auf einen Indikator hin, den einer Parabel ähnlich ist.

Der Parabolic-SAR hat besondere Eigenschaften. Je nach Einstellung formt der Indikator einen dynamisch nachgezogenen Stopp-Kurs. Während der übliche nachgezogene Stopp eine normale Zeitverzögerung enthält, kann der SAR mit besonderer Schnelligkeit punkten. Immer wenn der Kurs neue Hochs bzw. neue Tiefs erreicht, zieht der SAR die Stoppmarke mit der eingestellten Zuwachsrate nach. Die Zeit einer offenen Position wird damit als Risiko definiert. Wenn der Trade nicht in die gewünschte Richtung läuft, dann wird der SAR den Trade aus dem Markt nehmen.

Die Begriffe Stop-And–Reverse deuten es an. Der Indikator ist praktisch ein Endlossystem. Somit wechselt die Position von Long auf Short in Abhängigkeit von der Lage des Schlusskurses zum Indikator. Man ist theoretisch immer investiert. Das funktioniert gut in Märkten, die längere Zeit eine Richtung aufrechterhalten können. In zwei Fällen sollten man vom stetig-investierten SAR-System Abstand nehmen. Befindet sich der Markt in einem sehr langen Trend, dann sollte ein Trade ausschließlich in Trendrichtung erfolgen. Außerdem kann ein Markt sehr unangenehm sein, wenn er sich trendlos mit kurzen Kursausschlägen verhält. In diesem Fall gibt es viele Fehlsignale und hohe Verluste.

Der SAR definiert sich durch zwei Parameter. Dabei ist die Standardeinstellung SAR(acc — step)

acc = Beschleunigung
step = Beschleunigungsschritte

Der wichtigste Parameter ist die Beschleunigung (acc). Je größer der Wert ist, desto schneller reagiert der Indikator. Als zweites kommt die Schrittgröße (step) hinzu. Je größer die Steps sind, desto enger liegt der SAR am Kursverlauf an.

Empfehlung zur Anwendung des SAR

Der SAR besitzt durch seine mathematische Konstruktion eine automatische Beschleunigung. In der Standardeinstellung von Weller Wilder mit SAR(0,02 — 0,2) ist der SAR viel zu schnell und nervös. Die Einstellung ist in der Praxis uneffektiv. Vermutlich wird der SAR auch deshalb so wenig verwendet.

Somit ist der SAR in seiner Standardeinstellung (0,02 — 0,2) auch als Trendfilter ungeeignet. Viel zu schnell werden solide Trend-Positionen geschlossen. Besser ist eine weite Einstellung, bei der ein Trade mehr Spielraum für Zufälligkeiten bekommt.

Wer mehr Dynamik wünscht, der kann den SAR modifizieren. Läuft der Trade in die richtige Richtung, kann man zum Beispiel bei einem Long-Trade auf jedes neue Hoch mit einer Erhöhung der Beschleunigungswerte reagieren. Denkbar wäre zum Beispiel eine Erhöhung um jeweils 0,02. So würde mit zunehmender Dauer eine sinnvolle Risikoreduzierung entstehen. Gleichzeitig bleibt man seiner Linie treu, dass Gewinne laufen sollten.

Beispiele für optimierte Einstellungen des SAR

Als Optimierungsziel wurde hier die jährliche angehäufte Rendite dividiert durch den maximalen System-Drawdown genutzt. Es geht um ein niedriges Risiko bei guter Rendite. Handelskosten sind nicht berücksichtigt.

 

SAR-Einstellungen im Endlossystem
ObjektaccstepQuotePOPFDDTrades
FDAX0,020,0236,842,351,37-31%76
FGBL0,10,2341,651,691,21-13617
EUR-USD0,190,1139,681,931,27-2,18567
S&P5000,020,01441,521,934050
Gold0,150,1540,172,061,38-3,18458
Rohöl0,170,0234,075,692,94-1,9591

 

 

Abkürzungen:

Acc = acceleration (Beschleunigung) des SAR
Step = Schrittgröße des SAR
Quote = Trefferquote des Systems
PO = Payoff-Ratio (Durchschnittsgewinn / Durchschnittsverlust)
PF = Profitfaktor (Summe der Gewinne / Summe der Verlust)
DD = maximale Drawdown des Systems
Trades = Anzahl der Trades über den getesteten Zeitraum

Die dargestellte Tabelle dient als erste Orientierung. Die Einstellungswerte stehen in Abhängigkeit zu den Rhythmen des ausgewählten Marktes. Je länger und ausgeprägter die bisherigen Trends waren, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine weite SAR-Einstellung gute Ergebnisse zeigt.

S&P500 mit Standard- und optimierter Einstellung des SAR

Bild 1: Tages-Chart  des S&P500 mit Standard- und optimierter Einstellung des SAR

EUR-USD mit Standard- und optimierter Einstellung des SAR

Bild 2: Tages-Chart des EUR-USD mit Standard- und optimierter Einstellung des SAR

Ein erfahrender Trader wird bei den Beispiel-Charts leicht erkennen können, warum die optimierten Einstell-Parameter so unterschiedlich ausfallen. Das Währungspaar EUR-USD zeigte sich in der jüngsten Vergangenheit wenig trendfreudig. Der SAR ist jedoch ein lupenreines Trend-Tool. Ein mathematisch optimiertes System reagiert deshalb mit schnellen Umschaltsignalen von short zu long und umgedreht. Vermutlich war in der Vergangenheit ein erfolgreicher Trendhandel auch kaum umsetzbar. Die Trendphasen waren einfach zu kurz. Im Gegensatz dazu ist der S&P500 ein ideales Handelsobjekt, um von Trends zu profitieren. In Bild 1 gibt es den SAR mit einer weiten Einstellung. Der Trend kann dadurch möglichst lang und effektiv wirken. Eine ideale Situation, um Gewinn laufen zu lassen.

Abschließende Bemerkungen zum Parabolic-SAR

Der SAR-Indikator ist einer der besten Trendfilter der Technischen Analyse. Eine hohe Effektivität weist der SAR auf, wenn man ihn mit saisonalen Kursmustern ergänzt. Das steigert die Trefferquote, und ermöglicht den perfekten Trendhandel.

Trading mit GDL

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