Morgan Stanley plant Anleihen-Comeback

Die Finanzkrise traf Morgan Stanley besonders hart. In der Zwischenzeit hat sich das US-Bankhaus aber gesund geschrumpft und ist nun wieder auf dem Weg nach oben. Einzelne Geschäftsbereiche sind dem harten Kurs zum Opfer gefallen, was die Anleger jedoch befürworteten. Doch nun kommt Morgan Stanley vom Kurs ab und will wieder ins Anleihegeschäft einsteigen.

Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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Kurswechsel bei Morgan Stanley

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Kurswechsel bei Morgan Stanley , „Morgan Stanley Headquarters" by Alex Proimos from Sydney, Australia

In den vergangenen Jahren hat sich Morgan Stanley auf stabilere Geschäfte konzentriert und seine Handelsbereiche verkleinert. Doch nun will das US-Bankhaus wieder stärker mit festverzinslichen Papieren handeln – ausgerechnet der Handelsbereich, in dem man während der Finanzkrise Milliarden verloren hatte.

Doch nun möchte man wieder mehr Marktanteile in diese Sparte bekommen. Anleihen, Swaps, Devisen und andere Schuldpapiere werden in diesem Segment gehandelt. Chairman und Vorstandschef James Gorman möchte auf diesem Wege seine Gewinnziele erreichen. Investoren und Analysten haben Morgan Stanley zuletzt noch dafür gelobt, dass die Bank in weniger riskanten Handelsbereichen tätig wird. Diese könnten nun misstrauisch werden.

In der Finanzkrise 2008 stand Morgan Stanley kurz vor dem Zusammenbruch. Seitdem hat man sich deutlich von dem größten Konkurrenten Goldman Sachs abgegrenzt. Goldman Sachs blieb beim oft volatilen Investmentbanking, während Morgan Stanley sich auf die Vermögensverwaltung konzentrierte. Analysten, Finanzaufsichtsbehörden und Aktionäre waren begeistert. Außerdem entwickelte sich die Aktie von Morgan Stanley in den letzten zwei Jahren besser, als die von Goldman Sachs. Allerdings ist die Ertragskraft bei Morgan Stanley geringer.

Bilanz soll nicht wachsen

Kürzlich hat die Ratingagentur Moody’s die Bonität der US-Bank um zwei Stufen erhöht. Außerdem wird bald die Anhebung des US-Leitzinses erwartet. In diesen beiden Faktoren sieht die Führung von Morgan Stanley die Chance, seine Einkünfte mit festverzinslichen Papieren zu steigern. Derzeit nimmt man mit diesen Geschäften etwa 100 Milliarden Dollar pro Jahr ein. Morgan Stanley hat sogar schon begonnen, Werbung für seine neue Sparte zu machen und neue Handelsideen vorgestellt.

Dabei glaubt Morgan Stanley, dass ein verstärkter Handel mit Anleihen und anderen festverzinslichen Papieren nicht für eine Vergrößerung der Bilanz führen wird. Morgan Stanley will von der verbesserten Bonität und dem Rückzug einiger Wettbewerber aus dem Marktsegment profitieren. Morgan Stanley könnte das Geschäft mit seinen Bestandskunden ausbauen. Damit könnten die Wertpapiere schneller durch die Handelsbücher ziehen ohne die Bilanz zu vergrößern. Dies sehen Experten jedoch skeptisch.

Folgen der Entscheidung

Wenn Morgan Stanley sich wieder stärker im Anleihehandel einbringt, könnte dies weitreichende Folgen haben. Derzeit müssen sich in Amerika die Großbanken häufig mit den Aufsichtsbehörden auseinandersetzen. Seit der Finanzkrise müssen die Behörden mehr Kapital zur Absicherung der Risiken bei bestimmten Handelsaktivitäten zur Verfügung stellen. Gerade der Handel mit festverzinslichen Papieren gilt als sehr volatil, aber auch besonders lukrativ.

Nach der Finanzkrise nahm die Beliebtheit der Papiere ab. Jedoch sind manche Entscheidungen an der Börse sehr kurzlebig. Banken entscheiden sich oft, in einem Geschäftsbereich weniger aktiv zu werden und dann in einer Boom-Phase wieder einzusteigen. Mit Strategie und Glück kann Banken ein großes Comeback gelingen.

Bei Morgan Stanley ist durch eine verkleinerte Rentensparte und eine kleinere Bilanz Kapital frei geworden. Diese geht derzeit schon zum Teil über Aktienrückkäufe und höhere Dividenden an Anteilseigner zurück. Dies wiederum stärkt die Rendite. Wenn der Plan aufgeht, wird Morgan Stanley durch festverzinsliche Papiere eine Kapitalrendite von mindestens zehn Prozent erreichen. Dies war bisher nur schwer erreichbar. Im ersten Quartal 2015 gelang dies Morgan Stanley, als die Unternehmenssparte 1,9 Milliarden Dollar einnahm. Der Jahresauftakt war das beste Quartal seit dem ersten Quartal 2012. Danach wurde Morgan Stanley von der Ratingagentur Moody’s herabgestuft.

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Konkurrenten und Experten glauben aber nicht, dass Banken zuverlässig zweistellige Renditen einfahren können, ohne die Sparte mit festverzinslichen Papieren zu vergrößern. Morgan Stanley glaubt aber, dass die Zinssparte, die schon immer höhere Renditen erzielt hat, das größte Potenzial bietet.

Das Geschäft mit festverzinslichen Papier war für Morgan Stanley nicht erst seit der Finanzkrise ein großes Thema, in den gesamten letzten zehn Jahren gab es immer wieder Veränderungen. Kurz vor der Finanzkrise baute Morgan Stanley die Aktivitäten mit riskanten Geschäften aus. Dies hatte katastrophalen Folgen in der Krise. 2009 erholten sich dann die Anleihemärkte und die Konkurrenz fuhr wieder riesige Gewinne ein – nur Morgan Stanley nicht. 2010 wollte sich die Bank neu ausrichten. Doch dann wurden eine Reihe neuer Regelungen für den Finanzmarktregeln eingeführt, die den Wiederaufbau der Sparte verhinderten. 2012 kam es dann zu der erwähnte Abstufung durch Moody’s. Nun blickt Morgan Stanley durch die jüngsten positiven Nachrichten wohl wieder hoffnungsvoller in die Zukunft und setzt in Zukunft wieder auf festverzinsliche Papiere.

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