Metro verschenkt Kaufhof

Metro bekommt Kaufhof doch noch los und verschenkt ihn fast. Und auch dafür erhält Metro noch 2,4 Milliarden Euro für die Häuser. Kaufhof gehört nun der kanadischen Hudson’s Bay Group und mit der Übernahme ist damit womöglich das Ende von Karstadt besiegelt. Hudson’s Bay übernimmt 103 Galeria-Kaufhof-Filialen inklusive der Immobilien von 59 Standorten. Durch den Weiterverkauf von Immobilien will Hudson’s Bay die Kosten der Übernahme decken. Außerdem gehören 15 Sportarena-Filialen, 16 Geschäftsstellen von Galeria Inno in Belgien, mehrere Logistikzentren, Lager und weitere Immobilien nun den Kanadiern.

Für Metro bleiben unterm Strich noch 1,6 Milliarden Euro, die sie in Metro, Media Saturn und Real investieren wollen. Nach dem Rückzug des Duisburger Unternehmens Haniel geht man davon aus, dass die Metro-Gruppe ähnlich zerschlagen wird, wie die Douglas-Gruppe. Derzeit bei Media Saturn stark an Veränderungen gearbeitet. In Zukunft soll die Sparte und dem Namen CE Digital Commerce Company firmieren.

Enttäuschung bei Karstadt groß

Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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In nur vier kurzen Absätzen kommentierte die Signa-Gruppe in ihrer Pressemitteilung die Entscheidung der Metro. Man hatte gehofft, dass Galeria Kaufhof nicht nach Kanada, sondern an den Karstadt-Eigentümer René Benko und die Signa-Gruppe verkauft wird. Die Enttäuschung der Signa-Gruppe ist deutlich. Es habe die historische Chance bestanden, Kaufhof und Karstadt erstmals strategisch und operativ zu vereinigen. Es habe sogar bereits die Finanzierung gestimmt und man war bereit, umfangreiche Arbeitnehmerrechte zu garantieren.

Aber die Metro hat anders entschieden. Dadurch ist Kaufhof ist zunächst abgesichert. Allem Anschein nach hat Hudson’s Bay und sein Eigentümer ausreichend Geld und Kompetenz, um ins Europa-Geschäft einzusteigen.

Doch was wird aus Karstadt? Nachdem Benko letzten Sommer Karstadt übernommen hat, war der langfristige Plan, die kriselnde Karstadt-Kette mit dem Wettbewerber Kaufhof zu fusionieren. Das Ziel war eine einzige, deutsche Warenhaus-AG. Nachteile wie Standortschließungen und Entlassungen hätte man in Kauf genommen. In den vergangenen Wochen lagen bereits Strategiepapiere vor und alle Entscheidung deuteten in diese Richtung.

Zukunft von Karstadt

Ist das das Aus für Karstadt?

Ist das das Aus für Karstadt? Quelle: Pressematerial Galeria-Kaufhof

Für Karstadt ist diese Entscheidung mehr als nur enttäuschend. Es kann langfristig das endgültige Ende der Kaufhaus-Kette bedeuten. Mit den derzeit bestehenden Filialen kann Karstadt die Rückkehr in die Gewinnzone nicht schaffen. Und warum sollte Benko dauerhaft Geschäfte betreiben, die kein Geld einbringen?

Was könnte die Lösung sein? Die wenigen gut laufenden Filialen könnten wie auch das KaDeWe in Berlin, das Alsterhaus in Hamburg und das Oberpollinger in München in die Premium-Gruppe aufgenommen werden. Außerdem können einige Filialen an Kaufhof abgegeben werden. Die besonders schlecht laufenden Standorte werden geschlossen. Nach und nach wird Karstadt so von der Bildfläche verschwinden.

Kaufhof-Mitarbeiter bangen um Jobs

Doch mit dem Verkauf an die Hudson’s Bay Group ist auch bei Kaufhof längst nicht alles gut. Allein in den sechs Berliner und Brandenburger Kaufhof-Filialen zittern 1.100 Mitarbeiter um ihre Jobs. Berlin ist für Kaufhof von großer Bedeutung. Am Alexanderplatz steht das Flaggschiff der Handelskette: mit 35.000 Quadratmetern ist die Filiale das größte Warenhaus der Kaufhof GmbH. Außerdem ist die Filiale eine der umsatzstärksten im ganzen Land. Allein hier arbeiten 650 Menschen. Nach ersten Information plant der neue kanadische Besitzer keine Kürzungen oder Schließungen, alle 21.500 Mitarbeiter sollen übernommen werden. Eine Ausnahme bilden die Kaufhäuser, die bereits von Galeria Kaufhof geschlossen wurden.

Ausweitung des Europa-Geschäfts von Hudson’s-Bay

Für die Kanadier ist Kaufhof das Sprungbrett nach Europa und soll die Grundlage für eine weitere Expansion bilden. Auch deshalb plane man keine Stellenstreichungen. Man wolle vielmehr verstärkt in die Kette investieren. Die Strategie des internationalen Wachstums überzeugte auch Metro, wo man sich zufrieden mit dem Deal zeigte.

Bereits seit 2006 habe man Interesse an Kaufhof, sagte Hudson’s-Bay-Chef Richard Baker. In den letzten Jahren habe man sich dann intensiv mit dem deutschen und europäischen Markt vertraut gemacht und freue sich auf die Arbeit mit Betriebsräten und Gewerkschaften. Die Hauptverwaltung des Unternehmens bleibt in Köln und man wird mit dem aktuellen Management-Team weiterarbeiten.

Hudson’s-Bay ist in Nordamerikas ein Traditionsunternehmen. Die Handelsgesellschaft wurde 1670 gegründet und ist laut eigener Angaben das älteste Unternehmen Nordamerikas. Heute betreibt man in den USA und Kanada 300 Warenhäuser und Fachgeschäfte. Besonders bekannt ist die US-Warenhauskette Saks Fifth Avenue. Die Luxuskette könnte bald auch nach Deutschland kommen. Zunächts kommen nun etwa 140 derzeit von Kaufhof betriebene Warenhäuser und Fachgeschäfte, die 2014 einen Umsatz von 3,1 Milliarden Euro machten, zum Hudson’s Bay-Firmenimperium dazu

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