Lufthansa: Steht ein jahrelanger Streik bevor?

Die Vereinigung Cockpit (VC) streikt bereits das zwölfte Mal und die Piloten sind nach eigenen Aussagen bereit, den auch in den folgenden Jahren für eine angemessene Übergangsversorgung bis zur gesetzlichen Rente zu kämpfen: „Wir können noch die nächsten paar Jahre streiken", so ein Sprecher der VC. Schon in den letzten Monaten kam es wiederholt zu Streiks bei den Gesellschaften Lufthansa, Germanwings und Lufthansa Cargo. Die Piloten fordern Regelungen im Tarifvertrag des Konzerns, und es sei nicht akzeptabel, dass der Vorstand dem Personal selbst in Anbetracht der komplizierten Marktlage keine Zusagen machen wolle.

Die VC ist bereit, auch in den kommenden Jahren zu streiken. Bildquelle: www.vcockpit.de/presse/pressefotos.html

Die VC ist bereit, auch in den kommenden Jahren zu streiken.
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Nachdem die Piloten bereits Mittwoch und Donnerstag streikten, kündigten sie nun auch für den heutigen Freitagabend an, ihre Arbeit einzustellen. Dies beträfe die Kurz- und Mittelstreckenflüge. Von diesen fielen bereits am Mittwoch etwa 750 Verbindungen aus, während gestern ausschließlich Langstreckenflüge ausfielen – trotz des Streiks gelang es Lufthansa, knapp die Hälfte der geplanten Flüge zu starten. Die Verspätungen und Flugausfälle betrafen etwa 80.000 Passagiere, doch laut den Flughäfen in Frankfurt und München sei alles ruhig abgelaufen. Im Gegensatz zu früheren Streiks seien Flüge der Tochterunternehmen Germanwings und Eurowings dieses Mal nicht betroffen.

Der Grund der wiederkehrenden Streiks: Gescheiterte Tarifgespräche

Nach Aussagen der Lufthansa legte das Unternehmen den Piloten ein verbessertes Angebot bezüglich der Übergangsversorgung vor. Damit sei die Fluggesellschaft der Pilotengewerkschaft unverkennbar entgegengekommen – somit sei die aktuelle Ankündigung der Streiks völlig unverhältnismäßig. VC entgegnete jedoch, dass die Verhandlungen der vergangenen Woche keine positiven Entwicklungen erkennen ließen: Vielmehr sei das Management von Lufthansa nicht bereit, die Situation für junge Piloten zu verbessern und schließe es nicht aus, die Übergangsversorgung abzuschaffen. Am Dienstag sollten planmäßig Gehaltsverhandlungen stattfinden, die aufgrund des beabsichtigten Streiks der Piloten jedoch von der Lufthansa abgesagt wurden. Bettina Volkens, Personalchefin bei Lufthansa, betrachtet die Arbeitsverweigerung als fehlende Bereitschaft seitens der Pilotenvereinigung zur gemeinsamen Lösungsfindung. Wie sie in einer Mitteilung der Fluggesellschaft bekannt gab, sagte Lufthansa die geplanten Gespräche daher ab und zog zudem ihr „Angebot auf eine Erhöhung der Vergütung“ zurück. Diesem Vorwurf entgegnete ein Sprecher der VC, dass es vielmehr die Fluggesellschaft sei, die kein Interesse an einem Kompromiss zeige.

Das größte Problem besteht hinsichtlich der Übergangsversorgung bis zur Rente von etwa 5.400 nach dem Konzerntarif bezahlten Piloten – die Vereinigung Cockpit fordert, dass auch künftige Piloten die Möglichkeit haben, unternehmensfinanzierte Frührenten zu beziehen. Jörg Handwerg, Sprecher der Pilotengewerkschaft, sagte, dass es nicht um die Verhinderung strategischer Entscheidungen des Unternehmens ginge, „sondern um die Gestaltung der Tarifbedingungen der Piloten.“ Weiterhin erklärte er: „Wer jeden Tarifvertrag als Einschränkung unternehmerischer Freiheit sieht, unterliegt einem Fehlverständnis.“ – und durch dieses sei der Abschluss neuer Vereinbarungen nicht möglich.

Mit dem 13. Airbus A380 gehört Lufthansa nun weltweit zum drittgrößten Betreiber des Riesen. Bildquelle: fotocommunity.de / Alex Fotoman

Mit dem 13. Airbus A380 gehört Lufthansa nun weltweit zum drittgrößten Betreiber des Riesen.
Bildquelle: fotocommunity.de / Alex Fotoman

Anhaltende Streiks – welche Möglichkeiten haben Fluggäste?

Passagiere finden auf der Website der Lufthansa heraus, ob ihr Flug aufgrund des Streiks storniert oder verschoben wurde. Zudem haben Fluggäste die Möglichkeit, kostenlos umzubuchen oder zu stornieren, sofern ihr Flug infolge des Streiks ausfällt. Flüge innerhalb Deutschlands können Reisende in eine Fahrkarte mit der Bahn umtauschen lassen.

Pflicht der Fluggesellschaft ist es, schnellstmöglich eine alternative Beförderungsmöglichkeit zu organisieren, wenn Kunden dies auf telefonischem Wege oder am Flughafenschalter wünschen. Ab einer Verspätung von fünf Stunden haben Fluggäste die Möglichkeit, das Flugticket zurückzugeben und um eine Kostenerstattung zu bitten. Die europäische Fluggastrechteverordnung hält fest, dass die zuständige Airline oder der Veranstalter seine Kunden entsprechend betreuen muss – ganz gleich, ob das Unternehmen mit für Verspätungen oder Ausfälle verantwortlich ist oder nicht. Entsprechend trägt die Fluggesellschaft die Verpflegungskosten und zahlt die Hotelkosten, sofern der Flug auf einen anderen Tag verschoben wird. Ein Streik sei laut des Bundesgerichthofs ein „außergewöhnlicher Umstand“, für den ein Unternehmen nicht haften muss. Entsprechend kann die Fluggesellschaft nicht für Schadensersatzzahlungen herangezogen werden, obgleich Reisende unter bestimmten Umständen die Möglichkeit haben, kostenlos von ihrer Reise zurückzutreten, den Reisepreis zu mindern oder sogar gänzlich zurückzufordern.

Lufthansa übernahm am vergangenen Samstag seinen 13. Airbus A380. Damit ist die Fluggesellschaft nach den Unternehmen Emirates und Singapore Airlines der drittgrößte Betreiber des Riesen weltweit. Bis zum Sommer erweitert Lufthansa seine Flotte um 19 weitere Boeing 747-8, im kommenden Jahr folgt die A350-900 und 2020 wird die neue Boeing 777-9X erwartet. Noch bis zum Sommer dieses Jahres rüstet Lufthansa sämtliche Maschinen seiner Langstreckenflotte auf die Sitze der neuen „Premium Economy Class“ auf.

Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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