Letzte Chance für Air Berlin

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Stefan Pichler ist seit Februar in Amt und Würden , Quelle: Gregor Schlaeger

Das aktuelle Sanierungsprogammm ist die letzte Chance für die Fluglinie Air Berlin. Laut Stefan Pichler, dem Chef des Unternehmens, geht es um alles oder nichts. Air Berlin machte jahrelang Verluste. Nun fehlt es der Airline an Eigenkapital in Millionenhöhe. Air Berlin steht am Scheideweg: Wenn die Sanierung jetzt nicht gelingt, gibt es keinen neuen Versucht mehr.

Jahrelang versuchten zunächst der ehemalige Deutsche-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn und danach Wolfgang Prock-Schauer, das Unternehmen zu sanieren. Nun will Stefan Pichler – seit Februar im Amt – das Unternehmen mit seinen 9.000 Mitarbeitern komplett erneuern. In diesem Jahr wird wohl kein zusätzliches Geld benötigt, aber in der Eigenkapitaldecke fehlen 560 Millionen Euro. Wenn also doch frische Geldmittel benötigt werden, wird es eng für die Fluglinie. Pichler will dennoch die Wende aus eigener Kraft einleiten.

Finanzspritzen von Etihad

Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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2001 erwarb die arabische Airline Etihad etwa 30 Prozent der Aktien. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder finanzielle Unterstützung von Etihad. Aber die Gemeinschaftsflüge beider Airlines stören die Lufthansa. Die sogenannten Codeshare-Vereinbarungen sollen laut Verkehrsministerium daher eine Ausnahme bleiben. Die Gemeinschaftsflüge werden aller Wahrscheinlichkeit nach aber weiter genehmigt.

Die Codeshare-Vereinbarung ermöglicht es, dass Air Berlin in Europa und von Deutschland in Richtung Vereinigte Arabische Emirate mit einer Flugnummer von Etihad fliegen darf. Damit wird die Auslastung der Flugzeuge erhöht und Etihad kann weltweit mehr Flugziele anbieten.

Überprüfung des Streckennetzes

Derzeit überprüft Air Berlin zudem das Streckennetz und will dezentrale Hin- und Herflüge vermeiden. Man will sich stärker auf die Standorte konzentrieren, wo man bereits gut vertreten ist und die Marktanteile an wichtigen und zentralen Flughäfen wie Berlin und Düsseldorf steigern. Derzeit liegt der Marktanteil von Air Berlin in Berlin bei 33 Prozent und in Düsseldorf bei 31 Prozent. Strecken, auf denen kein Geld verdient wird, fallen demnächst also aus dem Angebot. Auch das Luftfrachtgeschäft und der Technikbereich sollen demnächst unter die Lupe genommen werden.

Erstes Quartal 2015 mit Millionenverlusten

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Millionenverluste im ersten Quartal für AIR Berlin

Auch der Start ins Jahr 2015 ist Air Berlin nicht geglückt. Das erste Quartal ging mit einem Verlust von 210 Millionen Euro zuende. Air Berlin konnte weder von den frühen Osterferien noch von den Streiks bei der Lufthansa profitieren. Zudem belasteten Air Berlin höhere Zinsen und ungünstige Finanzgeschäfte. Der Verlust ist damit etwa genauso hoch, wie im gleichen Zeitraum 2014. Das vergange Jahr beendete Air Berlin mit Rekordverlusten.

Immerhin konnte Air Berlin den saisontypischen Verlust vor Zinsen und Steuern um 14 Prozent auf 160 Millionen Euro senken. Und der Umsatz stieg um vier Prozent auf 796 Millionen Euro. Dagegen stiegen aber die Kosten für Personal und Flughafengebühren.

Konkurrenz von Ryanair

Ryanair hat sich zum Ziel gesetzt, die Nummer zwei in Deutschland zu werden und damit Air Berlin zu überholen. Daher beginnt Ryanair seinen Angriff auf Air Berlin nun mit einem Verdrängungswettbewerb auf der Strecke Köln – Berlin. Eigentlich wollte die irische Airline die Strecke erst im Winter anbieten, doch nun startet man schon im September.

Laut Ryanair-Marketingchef Kenny Jacobs werden die Kunden von der Wiederaufnahme von innerdeutschen Flügen bei Ryanair profitieren. Mit den niedrigen Werbepreisen werden man sogar der Bahn und den Fernbussen Konkurrenz machen. In der Folge wird Air Berlin reagieren müssen.

Preiskampf auf innerdeutschen Strecken

Bislang hält sich Air Berlin aus dem Preiskampf heraus. Man beobachte die Lage und werde gegebenenfalls reagieren. Derzeit ist ein Frequenzabbau bei Air Berlin jedoch noch nicht zu erkennen. Ryanair spekuliert allerdings darauf, dass Air Berlin bald Verbindungen streichen wird, da sich das Unternehmen einen Preiswettbewerb über einen längeren Zeitraum nicht leisten könne.

Berlin – Köln ist eine der wichtigsten innerdeutschen Strecken. Derzeit werden pro Tag 40 Flüge zwischen den beiden Strecken angeboten; 20 von Germanwings und 20 von Air Berlin. Ryanair wird dieses System bald aufmischen. Ursprünglich hatte die Fluglinie angekündigt, zum Winterflugplan in Berlin-Schönefeld fünf Flugzeuge zu stationieren, mit denen sie dann fünfmal am Tag nach Köln fliegen wollen.

Darauf hin hatte Germanwings rasch reagiert und will selbst Flüge von Schönefeld nach Köln anbieten. Rasch begann man sich auch bei den Ticketpreisen zu unterbieten. Die Lufthansa steigt damit also in den Preiskampf ein. Air Berlin ist dagegen sogar gezwungen, seine Durchschnittspreise zu erhöhen. Günstigere Preise bei Germanwings kommen Ryanair dagegen gerade recht, denn Ryanair hat sich zum Ziel gesetzt, die Nummer 2 in Deutschland zu werden.

Ryanair will Air Berlin überholen

Die Strecke Köln – Berlin ist nur der Anfang. Ryanair will seinen Marktanteil in Deutschland von aktuell vier Prozent bis 2018 auf etwa 15 Prozent anheben. Damit ist für das irische Unternehmen Deutschland in den nächsten Jahren der strategisch wichtigste Markt. Langfristig will Ryanair also die Marktanteile von Air Berlin übernehmen. In der Hauptstadt beginnt also einen Verdrängungswettbewerb unter den Fluglinien.

Spätestens ab Ende 2016 will Ryanair an allen wichtigen deutschen Flughäfen vertreten sein. Nur Frankfurt sei ungeeignet, weil dort aufgrund der Infrastruktur die Turnaround-Zeiten zu lang seien. Dann müssen sich die deutschen Fluggesellschaften auf weitere Preiskämpfe einstellen.

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