Wieder Krise bei der Deutschen Bank

Unsere Empfehlung - Kostenloses DemokontoDie Hiobsbotschaften bei der Deutschen Bank reißen nicht ab. Nun soll der Konzern in Verdacht stehen sich der Geldwäsche schuldig gemacht zu haben. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) prüft derzeit, ob Mitarbeiter der Bank in Moskau für russische Kunden Gelder im beträchtlichen Ausmaß gewaschen hat.

Geldwäsche in Moskau sorgt für neuen Skandal

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Wurde in Moskau gegen das Geldwäschegesetz verstoßen?

Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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Die Gelder zweifelhafter Herkunft sollen dabei im Moskauer Freiverkehr (OTC: „over the counter“) verwendet worden sein, um Derivate zu kaufen und dabei die Moskauer Börse mit ihrer Transparenzpflicht übergangen haben. Nur wenige Augenblicke später wurden die Derivate über den Londoner OTC-Markt wieder verkauft. Insgesamt soll auf diese Weise eine Summe in dreistelliger Millionenhöhe gewaschen worden sein. Aus Rubel wurden auf diese Weise britische Pfund Sterling und anschließend US-Dollar. Ein Arbitrage-Geschäft, also das Erzielen von Gewinnen durch Ausnutzen von minimalen Preisdifferenzen sei dabei nicht zustande gekommen. Die Herkunft des Geldes sei nicht nach den notwendigen Richtlinien geprüft worden. Hätten die Mitarbeiter der Deutschen Bank dies getan, wären die Geschäfte nicht zustande gekommen.

Die Deutsche Bank hat in der Zwischenzeit interne Ermittler und Forensiker aus New York und London nach Frankfurt bestellt. Sie sollen den Fall zusammen mit Konzernvorstand Stephan Leitner aufklären. Leitner ist für das Europageschäft zuständig und muss sich demzufolge auch für die Vorkommnisse in Russland verantworten. Zusätzlich ist er als weltweiter Compliance-Verantwortlicher dafür zuständig, dass die Rechtsvorschriften in jedem Land eingehalten werden.

Die BaFin bestätigte, dass ihr der Fall bekannt sei. Allerdings wollte sie keine weiteren Angaben machen. Unterdessen hat die Deutsche Bank jedoch bestätigt, dass „eine kleine Zahl Händler“ beurlaubt worden sein und dies bis zum Abschluss der internen Untersuchungen Bestand haben werde. Sie betonte, dass die Deutsche Bank den höchsten Standards zur Bekämpfung von verdächtigen Aktivitäten verpflichtet sei und harte Maßnahmen ergreifen werde, wenn die Ermittlungen den Verdacht des Fehlverhaltens erhärten.

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Rehabilitierung des Konzerns in ferner Sicht

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Die Deutsche Bank kommt nicht mehr aus den Schlagzeilen

Die erneuten Vorwürfe treffen die Deutsche Bank zum denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Eigentlich hatte der Konzern angekündigt, einen Kulturwandel in ihrer Geschäftspolitik durchzuführen. Seit ihrem Amtsantritt im Jahr 2012 bemüht sich die beiden CEOs Jürgen Fitschen und Ashu Jain darum, Altlasten abzubauen, den Konzern strukturell zu wandeln und insgesamt schlagkräftiger zu machen. In diesem Zuge haben sie einen umfassenden Läuterungsprozess eingeleitet, der verhindern sollte, dass sich vergangene Skandale wiederholen. Der Einsatz der beiden CEOs war jedoch seit jeher kritisch gesehen worden. Jain war vor seiner Beförderung zehn Jahre lang für die Sparte Investmentbanking verantwortlich. Genau dort traten innerhalb der Deutschen Bank jedoch Skandale am häufigsten auf und der Konzern musste bereits mehrere Milliarden Euro Strafzahlungen entrichten, die im Zusammenhang mit Investmentbanking stehen. Eine persönliche Verfehlung Jains konnte ihm derzeit noch nicht nachgewiesen werden. Anders ist dies jedoch bei Fitschen, der in München wegen versuchten Prozessbetrugs im Fall Leo Kirch vor Gericht steht. Doch auch für Jain könnte es eng werden: In der Affäre um Steuerbetrug beim Emissionsrechte-Handel der Deutschen Bank, belasten sowohl Zeugenaussagen als auch Mails von Mitarbeitern der Steuerabteilung die Vorstandsetage um Jain. Laut einem Bericht des FOCUS verdichtet sich der Verdacht, das Jain bereits vor der Razzia der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt/Main im April 2010 von den kriminellen Vorgängen beim Emissionshandel wusste, jedoch keine Maßnahmen ergriffen hatte.

Hauptversammlung könnte Konsequenzen haben

Ob die beiden CEOs die Gemüter der Shareholder beruhigen können, wird sich vorerst am Donnerstag zeigen. Dann müssen sich Vorstand und Aufsichtsrat um Vorsitzenden Paul Achleitner den Aktionären bei der Hauptversammlung in der Frankfurter Messehalle stellen. Die Aktionärsvertretung ISS hatte angekündigt, Vorstand und teilweise sogar dem Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern. Grund dafür ist die mangelhafte Kooperation der Bank mit den amerikanischen und britischen Behörden im Libor-Skandal, die zu einer Rekordstrafe von 2,5 Milliarden US-Dollar führte.

Demzufolge erwarten Experten, dass die Hauptversammlung für die Zukunft der Deutsche Bank entscheidend werden könnte. Eine deutliche Aussprache scheint zumindest gewiss. Die Hauptversammlung wird mit großer Wahrscheinlichkeit ohne Privatkundenchef Rainer Neske stattfinden. Dieser verhandelt derzeit über eine Auflösung seines Vertrages. Bereits seit Längerem wurde deutlich, dass die Zusammenarbeit zwischen Neske und Jain alles andere als harmonisch verlief. Der Privatkundenchef stimmte als einziges Vorstandsmitglied gegen das neue strategische Konzept, das einen Verkauf der Postbank bis Ende 2016 sowie die Schließung eines Drittel der Filialen vorsieht. Neske galt als Befürworter des Privatkundengeschäftes und der Verortung des Konzerns in Deutschland. Zu den genauen Gründen für seine Vertragsauflösung äußerte sich jedoch weder der Privatkundenchef noch die Deutsche Bank genauer.

Die Krisen bei der Deutschen Bank reißen nicht ab und Experten erwarten, dass noch nicht alle Skandale des Unternehmens aufgedeckt sind. Zwar müssen einige Vorwürfe gegen die Deutsche Bank mit großer Wahrscheinlichkeit ins Reich der Spekulationen verwiesen werden, das Image des Konzerns hat in den vergangenen Jahren jedoch nur mehr als einen Kratzer abbekommen. Dass das CEO-Duo die Deutsche Bank rehabilitieren kann, gilt dabei zunehmend als unwahrscheinlich. Aufsichtsrat Paul Achleitner ließ sich in der vergangenen Woche in einem Gespräch mit der Wirtschaftswoche nicht dazu hinreißen, den beiden Vorstandsmitgliedern sein Vertrauen auszusprechen.

Bildquelle: Pixabay

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