Überraschende Kapitalerhöhung bei der Commerzbank

Die Commerzbank erhöht überraschend ihr Kapital und hat wohl auch schon einen Käufer für die angebotenen Aktien gefunden. Alle Papiere seien bereits gezeichnet, vermutlich aber zu einem niedrigeren Preis als bislang.

Die Commerzbank muss allerdings mit einem Kursabschlag von 5 bis 7 Prozent im Vergleich zum Schlusskurs des Xetra-Daxes am Montag rechnen. Insgesamt werden 113,85 Millionen neue Aktien ausgegeben, die einen Wert zwischen 12 Euro und 12,30 Euro haben. Die Kapitalerhöhung führte zunächst zu einem Verlust von mehr als vier Prozent zu Handelsbeginn, was auch den gesamten Dax belastete.

Eigenkapitalquote aufbessern und Verschuldungsquote senken

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Eigenkapitalquote aufbessern und Verschuldungsquote senken , Quelle: Presse Commerzbank

Bereits zuvor hatte die Commerzbank angekündigt, etwa 1,4 Milliarden Euro frischen Kapital zu besorgen – und das über die Börse. Die neuen Papiere machen zehn Prozent des Grundkapitals aus und sollen über Nacht an der Börse platziert werden. Das Ziel der Commerzbank ist es, ihre dünne Eigenkapitalquote im Vergleich zur internationalen Konkurrenz aufzubessern und die Verschuldungsquote zu senken. Laut Insidern habe das Vorhaben der Commerzbank nichts mit den aktuellen Unruhen bei der Deutschen Bank im Zusammenhang mit dem Verkauf der Postbank zu tun. Die Kapitalerhöhung wird allerdings von der Commerzbank und der Deutschen Bank organisiert.

Zum Abschluss des Xetra-Handels lag die Commerzbank-Aktie bei 12,92 Euro, verlor im Späthandel aber 2,2 Prozent und lag bei 12,48 Euro. Die neuen Investoren sollen sich bei ihren Geboten für die neuen Papiere eng am Börsenkurs orientieren. Ein Aktienpreis von 12,30 Euro ist notwendig, um den anvisierten Erlös zu erreichen.

Erfolgreiches erstes Quartal 2015

Das erste Quartal 2015 verlief für die Commerzbank durchaus erfolgreich. Sie konnte laut vorläufigen Zahlen mit einen operativen Gewinn von 685 Millionen Euro verbuchen und damit ihren Gewinn im Vergleich zum Vorjahr verdoppeln. Diese deutlichen Verbesserungen lägen an gestiegenen Erträgen sowie an Bewertungs- und Einmaleffekten. Die Commerzbank konnte daher sogar die Abschreibung ihrer Anleihen bei der österreichischen Heta-Bank verkraften, die als „Bad Bank“ eingestuft wird.

Allerdings muss die Commerzbank auf Anforderung der Bankenaufsicht etwa die Hälfte der dort vorhandenen 400 Millionen Euro wertberichtigen. Dagegen stiegen die Erträge zwischen Januar und März um mehr als 500 Millionen Euro auf 2,8 Milliarden Euro. Gleichzeitig sank die Risikovorsorge und der Nettogewinn steigerte sich auf 366 Millionen Euro.

Trotz dieser positiven Zahlen geht der Aufbau eines Kapitalstocks nicht schnell genug. Die aktuelle Kapitalerhöhung soll die Kernkapitalquote auf mehr als zehn Prozent steigern. Zuletzt lag sie Ende März bei 9,5 Prozent. Auch bei der Verschuldungsquote und der Eigenkapitalrendite sollen sich die Zahlen weiter verbessern.

Zusammenlegung mit der Postbank

Zuletzt wurde in Regierungskreisen darüber nachgedacht, ob es sinnvoll wäre, die Commerzbank und die Postbank zu verbinden. Damit könnte eine starke Privatkundenbank geschaffen werden, die ein Gegengewicht zu den Sparkassen und Volksbanken bilden könnte. Das Interesse der Bundesregierung an der Postbank sei allerdings nicht besonders hoch. Im Unterschied zur Postbank, die sich eher an die breite Masse richtet, besteht die Zielgruppe der Commerzbank eher aus wohlhabenderen Kunden. Der Deutsche Staat ist mit 17 Prozent an der Commerzbank beteiligt.

In Berlin werden die ersten Stimmen laut, die sich wünschen, aus der Postbank eine „Volksbank“ zu machen. Über die Börse könnte die Postbank privatisiert werden und ein breiter Aktionärskreis erreicht werden. Das Massenkundengeschäft würde sich im besten Fall auch in der Aktionärsstruktur wiederfinden. Der Verkauf an einen strategischen Investor wäre damit ausgeschlossen.

Commerzbank zu Schadensersatz verurteilt

Zuletzt wurde die Commerzbank vom Oberlandesgericht Frankfurt am Main zu Schadensersatz wegen der Verletzung von Beratungspflichten verurteilt. Konkret ging es um den Erwerb von Anteilen an dem geschlossenen Lebenversicherungsfonds „MPC Rendite Fonds Leben-Plus V“. Das Gericht gelangte zu der Auffassung, dass Anleger nicht korrekt beraten und aufgeklärt wurden. Ihnen sei nicht erläutert worden, dass die Bank Provisionen von der Fondsgesellschaft erhalte. Die Dresdner Bank AG als Vorgänger der Commerzbank hatte bis zu zwölf Prozent Provisionen erhalten und daher diese Fondsanteile ihren Kunden besonders empfohlen.

Laut BGH sind Banken und Sparkassen verpflichtet, ihre Kunden auf derartige Provisionen hinzuweisen. Kommen die Geldinstitute dieser Verpflichtung nicht nach, können sie von Anlegern auf Schadensersatz wegen fehlerhafter Beratung verklagt werden und sich auf diese Weise von unbeliebten geschlossenen Fondsanlagen trennen.

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