ifo-Prognose : Kräftiger Aufschwung für Deutschland

Das ifo-Institut rechnet mit einem deutlichen Aufschwung der deutschen Wirtschaft aus. Trotz drohender Zinswende, dem steigenden Ölpreis und der Griechenlandkrise hat das Institut seine Prognose nach oben korrigiert.

Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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Gute Arbeitsmarktlage fördert privaten Konsum

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Ifo-Institut rechnet nun mit einer Steigerung des Bruttoinlandsprodukts um 1,9 ,Quelle: Presse Ifo-institut

Das ifo-Institut rechnet nun mit einer Steigerung des Bruttoinlandsprodukts um 1,9 anstatt der ursprünglich prognostizierten 1,9 Prozent aus. 2016 soll der Zuwachs 1,8 Prozent betragen. Begründet wird dies vor allem mit dem privaten Konsum, der nach Ansicht von Timo Wollmershäuser weiter die „Stütze des Aufschwungs“ sei. Die privaten Haushalte hätten aufgrund der verbesserten Arbeitsmarktlage gute Einkommensperspektiven. Das ifo geht davon aus, dass die Zahl der Erwerbstätigen weiter steigt und 2016 sogar mit durchschnittlich 43,1 Millionen ein Rekordniveau erreichen wird. Die Arbeitslosenquote würde sich dann von 6,7 auf 6 Prozent reduzieren. Konsequenz daraus wäre eine große Konsumbereitschaft. Auch Unternehmensinvestitionen sollen dann verstärkt getätigt werden.

Das ifo geht zudem davon aus, dass die Euroabwertung sich noch bis in die zweite Jahreshälfte als exportfördernd erweist. Im nächsten Jahr ist dann allerdings davon auszugehen, dass die Weltkonjunktur etwas an Fahrt verliert und der Exportzuwachs dadurch geschmälert werde.

Ölpreis wichtiger als Grexit

Die Prognose des ifo überrascht angesichts der deutlich weniger optimistischen Stimmung, die eigentlich unter Finanzexperten herrscht. Vor allem der Dax verlor angesichts der Griechenland-Krise und der drohenden Leitzinserhöhung durch die US-Notenbank Fed. Inzwischen hat diese bekannt gegeben, weiterhin an ihrem historischen Niedrigzins festzuhalten und auch keinen Zeitpunkt für eine Erhöhung festgelegt. Als Konsequenz wertete der Euro auf und nähert sich wieder der Marke von 1,14 Dollar. Demzufolge wird auch am Donnerstag keine Erholung des Dax erwartet.

Für wesentlich für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft halten die Münchner Ökonomen nicht einen möglichen Grexit, sondern vor allem die Entwicklung des Ölpreises. Dieser sei „ein wichtiges Risiko für die Weltkonjunktur“. Eine Ausweitung des Überangebotes mit einem erneuten Preisverfall könnte die Weltwirtschaft weiterhin beflügeln. Derzeit haben sich die ölfördernden Länder darauf geeinigt, ihre Förderung nicht einzuschränken. Eine plötzliche Eskalation von politischen Konflikten unter Beteiligung der erdölproduzierenden Länder könnte jedoch zu Ausfällen bei der Ölförderung führen und somit den Ölpreis steigen lassen.

Politische Stabilität ist Risikofaktor

Ohnehin ist es vor allem politische Instabilität, die sich negativ auf die deutsche Wirtschaft auswirken könnte. Falls sich Griechenland nicht mit seinen Geldgebern einigen kann und die Lage weiter eskaliert, könnte ein Ausstieg aus dem Euro für Turbulenzen auf den Finanzmärkten sorgen. Vor dem Eurogruppentreffen am heutigen Donnerstag verschärfte sich der Ton unter anderem durch die Regierungserklärung von Angela Merkel, die sich zwar nur grundsätzlich äußerte, dabei jedoch wenig Kompromissbereitschaft zeigte. Ein Ausstieg Griechenlands aus dem Euro scheint jedoch trotz der verhärteten Fronten nach wie vor unwahrscheinlich. Auch bei einem Verbleib könnte das Schuldenproblem Griechenlands jedoch weiter für Probleme sorgen. Nach wie vor kritisch ist zudem der Ukraine-Konflikt. Die deutschen Exporte nach Russland brechen aufgrund der von westlicher Seite aufgelegten Sanktionen immer stärker ein, während ein erneuter Konflikt innerhalb der Ukraine als nicht unwahrscheinlich gilt.

Die politische Lage Europas gilt auch deswegen als wichtig für die deutsche Konjunktur, da sich die Investitionsbereitschaft von Unternehmen deutlich beeinflusst. Seit der Ukraine-Krise wurde diese deutlich zurückgefahren, eine deutliche Zunahme ist auch für das DIW-Institut in den kommenden Monaten nicht in Sicht.

Als Wachstumsbremse könnten sich ebenfalls die schwächelnden Weltmärkte USA und China erweisen. Die US-Konjunktur bleibt derzeit hinter den Erwartungen zurück, während die chinesische Wirtschaft deutlich langsamer wächst als in den Vorjahren.

Deutscher Staatshaushalt profitiert von Konjunktur

Der deutsche Staatshaushalt dürfte in diesem Jahr nach Zahlen des Instituts für Weltwirtschaft einen Überschuss von 18,7 Milliarden Euro erwirtschaften. Grund dafür ist nicht nur die konjunkturelle Belebung, sondern auch Einnahmen durch die Auktion von Mobilfunklizenzen. Auch hier gilt der private Konsum jedoch als wesentlicher Faktor.

Bereits seit 2012 bewegt sich der Staatshaushalt im Plus. Auch im kommenden Jahr soll sich dieser Trend fortsetzen. Dann rechnet das IfW allerdings nur mit einem Plus von 11,4 Milliarden, obwohl sich die Arbeitsmarktlage weiter verbessern soll. Grund dafür sollen leichte Steuersenkungen und verminderte Beitragssätze zur Rentenversicherung sein.

ZEW widerspricht der Prognose, Bundesbank bestärkt sie

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) sieht die Lage deutlich anders. Im Gegensatz zu den optimistischen Prognosen des ifo senkte sie die Erwartungen überraschend deutlich. Der Indikator für Deutschland ist um 10,4 Punkte auf 31,5 Punkte gefallen und übertraf damit selbst pessimistische Erwartungen deutlich. Auch die aktuelle Lage wurde mit 62,9 um 2,8 Punkte schlechter bewertet.

Allerdings erhöhte auch die Bundesbank ihre Wachstumsprognose erst Anfang Juni auf 1,7 Prozent des BIP und geht für 2016 von 1,8 Prozent aus. Auch Bundesbankpräsident Jens Weidman begründete diese Einschätzung mit der guten Arbeitsmarktlage und den Einkommenszuwächsen der Bevölkerung. Zudem geht er von einer erneuten Belebung der Weltwirtschaft aus.

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