IBM stellt sich neu auf

Die negativen Meldungen bei IBM reißen nicht ab. Inzwischen muss der Softwareriese im dreizehnten Quartal in Folge ein Minus hinnehmen. Nun löst sich das Computertechnik-Unternehmen langsam von seinem Stammgeschäft und schwenkt auf Cloud-Services um. Die Folge ist ein kontinuierlicher Umsatzrückgang.

In diesem Quartal, also von April bis Juni, fiel der Umsatzrückgang bei IBM sogar erschreckend hoch aus. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sanken die Einnahmen um 14 Prozent auf 19,22 Milliarden Euro. Der Gewinn ging gar um 17 Prozent zurück. Und auch die Anleger waren enttäuscht, daher fiel die Aktie zunächst um fast vier Prozent. Dazu kommt die Hürde, dass IBM seine Zahlen in Dollar berechnet und die Auslandseinnahmen sich aufgrund des starken Dollars nach der Umrechnung erneut verringern.

IBM im Wandel

Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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IBM-Chefin Ginni Rometty sagte, dass diese Resultate zeigen, dass sich der Konzern weiterhin im Wandel befindet. Die Negativserie veranlasste das Unternehmen dazu, sich vom traditionellen Computergeschäft hin zum modernen Anbieter für Datenanalysen und Cloud-Diensten zu entwickeln. IBM sieht vor allem Cloudsysteme als wachsenden Bereich für die Zukunft. Die Cloud-Dienste legen auch weiterhin zu: Der Umsatz stieg im vergangenen Quartal um 50 Prozent. Ohne die ungünstigen Wechselkurse wären es sogar mehr als 70 Prozent gewesen. Laut IBM wachse die Cloud-Sparte zu einem „signifikanten Teil des Geschäfts“.

Ein weiteres Problem für IBM ist aber die starke Konkurrenz: Microsoft oder Amazon sind IBM zum Teil weit voraus. Experten sind bereits der Ansicht, dass IBM den Anschluss verpasst hat. IBM war im Cloudgeschäft zu spät dran und wurde nun von seinen Wettbewerbern abgehängt. Zudem muss das Unternehmen die Umsatzrückgänge anderer Sparten kompensieren. Das Software-Geschäft schrumpfte um zehn Prozent, die Hardware-Sparte verlor sogar 32 Prozent.

Anleger mit Geduld

21.07.2015_IBM_Thinkpad_R51

Investor Warren Buffett bleibt an Bord , Quelle:„IBM Thinkpad R51“ von André Karwath aka Aka

Noch zeigen sich die Anleger geduldig: Seit Beginn des Jahres stieg die Aktie sogar um acht Prozent. IBM darf sich jedoch nicht auf Aktienrückkäufe und Kostensenkungen verlassen, sondern muss sich weiter zu einem zukunftsfähigen Konzern wandeln. Das Unternehmen befindet sich derzeit mitten im Umbau. Wie auch anderen Anbieter machen IBM die aktuellen Trends der Branche zu schaffen. Der Weg geht immer mehr hin zu mobilen Geräten wie Smartphones und Tablets sowie zu Cloud-Diensten. Auch Konkurrenten wie Hewlett-Packard oder Dell tun sich zur Zeit mit diesen Veränderungen schwer, wären für SAP und Oracle als klassische Softwareanbieter der Weg leichter ist.

Was tut IBM nun? Das Unternehmen setzt auf Kosteneinsparungen und trennt sich von unprofitablen Geschäftssparten. Im Juni verkaufte man das schlecht laufende Halbleiter-Geschäft an Globalfoundries, einen Auftrags-Chipfertiger. Im letzten Jahr ging die Kleinserver-Sparte an das große chinesische Unternehmen Lenovo. Lenovo hatte vor einigen Jahren auch schon das PC-Geschäft übernommen.

Der Traditionskonzern wird damit immer kleiner. Dennoch man will sich verstärkt auf Cloud-Dienste ausrichten. Dabei wird keine Software mehr auf dem eigenen PC installiert, sondern übers Internet abgerufen. Die User zahlen bei den meisten Anbietern eine Abo-Gebühr. Dies führt auch zu dem Namen „Mietsoftware“, der gelegentlich als Synonym für Cloud-Services genannt wird.

Investor Warren Buffett bleibt an Bord

Trotz des Umsatzrückgangs wird sich Warren Buffett sicher nicht von seinen IBM-Aktien trennen. Der mächtige Investor hält einen Anteil von acht Prozent an IBM. Damit gehört IBM neben Coca-Cola, Wells Fargo und American Express zu den sogenannten „Big Four“ von Warren Buffet. In den vergangenen zwei Jahren hat Buffett seinen Anteil sogar noch ausgebaut. Allein im ersten Quartal des Jahres kaufte er für etwa 400 Millionen Dollar neue IBM-Aktien dazu. Zwar verlor die IBM-Aktie in den letzten drei Jahren stetig etwa zehn Prozent, aber der Dow Jones stieg im gleichen Zeitraum um 42 Prozent. Doch für Buffett war und ist die IBM-Aktien also besonders interessant.

Buffett hat bei seinen Aktiengeschäften kein kurzfristiges Interesse und ist eher für Geduld und Ausdauer bekannt. Er bevorzugt langfristige Investitionen. Daher kommt es ihm sogar sehr recht, dass die IBM-Aktie kurzfristig nicht steigt. Buffett ist bei IBM ein Nettokäufer, das heißt, er kauft entweder direkt neue Aktien oder indirekt durch Anteile seiner Firma, die die Aktien dann zurückkauft. Dafür ist ein niedriger Aktienpreis ein Vorteil.

Aktienrückkäufe sorgen für Dividendensteigerungen. IBM hat in den letzten zehn Jahren seine Aktienanzahl um mehr als 40 Prozent reduziert, die Dividende pro Aktie stieg dagegen aber um 45 Prozent an. Und dies macht sich auch Warren Buffett zunutze. Für ihn könnte sich sogar die Chance ergeben, seinen Anteil an IBM zu einem günstigen Preis weiter auszubauen.

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