Aus Google wird Alphabet

Quasi über Nacht erfindet Google sich neu. Die einzelnen Tochterfirmen gehen nun in einer Holding namens Alphabet auf. Die Inspiration dafür kam durch Warren Buffett.

Larry Page gab die Neuigkeiten am Montagabend in einem Brief an die Aktionäre bekannt. Unter Google versteht man in Zukunft nur noch das Webgeschäft, der Rest des Google-Imperiums wird in unabhängige Firmen umgewandelt. Google wird den größten Platz unter den Tochterfirmen haben und mit der Suchfunktion, Google Maps, Gmail, dem Smartphone-Betriebssystem Android und YouTube dabei sein. Zur Holding-Familie zählen zudem der Termostathersteller Nest, das Biotech-Startup Calico, dass an der Verlängerung der Lebenserwartung forscht, der Internet- und Kabeldienst Google Fiber, die Investment-Abteilung Google Ventures und Capital, Life Schiences für Innovationen im Gesundheitsbereich sowie die selbstfahrenden Autos von Google X.

Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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Die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin werden Alphabet als Dachkonzern leiten. Brin führt zudem seine Ideenfabrik Google X weiter. Google selbst bekommt im Zuge der Neuorientierung einen neuen Chef: Der 43-jährige Inder Sundar Pichai wird neuer Vorstandsvorsitzender. Er galt schon länger als die rechte Hand von Page und bekam in den vergangenen Monaten immer mehr Verantwortung übertrage. Übrigens solle es Gerüchten zufolge mehrere Abwerbeversuche gegeben haben. Google bindet den ehemaligen Produkt-Chef damit langfristig an sich.

Gründe für den Umbau

Quasi über Nacht kam der neue Name

Quasi über Nacht kam der neue Name, Quelle: google.de/intl/de/press/images.html

Page schrieb, dass man glaubt, dass der Google-Konzern sauberer und verantwortlicher geführt werden kann. Ein Grund für den Umbau ist daher auf jeden Fall die Organisation. Google hat sich in den letzten Jahren immer mehr verzweigt, neben dem Kerngeschäft kamen zahlreiche andere Projekte hinzu. Daher ist es nun an der Zeit, getrennte Firmen mit getrennten Aufgaben und einem getrennten Management zu bilden. Eine bessere Übersicht und eine transparentere Finanzbuchhaltung sind weitere Vorteile. Zudem sollen alle Geschäftsbereiche unabhängiger werden.

Dies wird die Anleger und Analysten an der Wall Street erfreuen. Dort wurde schon seit einiger Zeit bemängelt, dass Google immer unübersichtlicher wurde und sich das traditionelle Geschäft mehr und mehr mit neuen Projekten und Innovationen vermischt hat. Es war nicht mehr deutlich, wer was finanziert und wer was bzw. wen managt. Das wird nun dank der neuen Struktur klarer.

Durch all die neuen Geschäftsideen und Projekte im Google-Umfeld wurde das Unternehmen zunehmend undurchschaubarer. Man vermutete, dass viele Web-ferne Projekte vor allem mit den Einnahmen aus Online-Werbung finanziert wurden. Bislang blieb geheim, wie teuer die einzelnen Projekte waren. Und auch, wie viele Einnahmen beispielsweise durch YouTube generiert wurden, blieb unklar.

Ab dem vierten Quartal werden die Bilanzergebnisse für Alphabet und Google getrennt veröffentlicht. Die anderen Tochterfirmen werden ihre Zahlen jedoch nicht einzeln veröffentlichen. Vollkommene Transparenz ist damit noch nicht erreicht. Dennoch tritt man mit diesem Schritt auch Gerüchten und Befürchtungen entgegen, man habe seinen Zenit überschritten.

Vorbild Warren Buffett

Larry Page und Sergey Brin sind ihrem großen Idol mit der Umstrukturierung einen großen Schritt näher gekommen. Schon beim Börsengang 2004 orientierte man sich an den Essays des legendären Investors. Und heute bauen sie sein Berkshire-Firmenkonglomerat in einer Silicon-Valley-Version nach.

Die Parallelen sind deutlich: Auch Buffetts Holding verkauft von Autos über Möbel bis zu Versicherungen alles erdenkliche. Buffetts Aufgabe dabei ist, an der Spitze zu sitzen und erfolgsabhängig Kapital zu verteilen. Für Buffett hat die Unternehmensform des Konglomerats den Vorteil, dass ein langfristiges Kapitalwachstum maximiert werden kann. Dies erhoffen sich nun auch Page und Brin.

Folgen für das Unternehmen

Wann der Riesen-Umbau bei Google bzw. Alphabet endgültig abgeschlossen ist, steht noch nicht fest. Alle Google-Aktien werden im Laufe des Jahres in Alphabet-Aktien umbenannt. Page wird die Leitung bei Alphabet übernehmen, während Brin Geschäftsführer der Holding wird. Ebenfalls eine Stufe höher rücken wird Ruth Porat, die bislang Finanzchefin bei Google war. Die einzelnen Tochterfirmen werden von eigenständigen Chefs geleitet, denen Page und Brin aber bei Bedarf zur Seite stehen werden.

An der Börse wurde der Schritt von Google begrüßt. Die Aktie hat seit Anfang 2014 deutlich an Wert verloren, nun gewann sie mehr als fünf Prozent dazu. Experten erhoffen sich, durch die transparentere Struktur mehr Einblick in die Ausgaben für bestimmte Projekte zu bekommen. Zudem ist es nun leichter für Alphabet, bestimmte Geschäftsbereiche zu verkaufen. Google reagiert aber nicht nur auf kritische Stimmen von Analysten, sondern auch auf Misserfolge wie die Datenbrille Google-Glass oder das soziale Netzwerk Google+.

Der Name Alphabet soll übrigens auf die Ansammlung von Unternehmen anspielen. Ein Alphabet ist eine Sammlung von Buchstaben, die die Sprache bilden. Die Sprache ist die wichtigste Erfindung der Menschheit und auch bei der Google-Suche ungemein wichtig. Daher entschied man sich für dieses Wortspiel zur Benennung der neuen Holding.


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