GoDaddy strebt an die Börse

Der weltgrößte Domain-Registrar GoDaddy legte am Mittwoch einen fulminanten Börsenstart hin. Am ersten Handelstag schoss die Aktie zeitweise um über 30 % in die Höhe. Die damit erreichte Marktkapitalisierung von 6,35 Milliarden Dollar überstieg die Erwartungen deutlich.

Jahr der Technik-IPOs

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Aktie mit gewaltigem Kursprung : GoDaddy , Quelle:Screenshot GoDaddy

Ursprünglich lag die Kurstaxe der GoDaddy-Aktie zwischen 17 und 19 US-Dollar. Der tatsächliche Ausgabekurs wurde bereits auf 20 Dollar erhöht. Die Anteilsscheine schlossen schließlich bei 26,15 Dollar. Durch den Börsengang konnte der Domain-Registrar 440 Millionen Dollar einnehmen. Die Marktkapitalisierung betrug zum Handelsschluss 6,35 Milliarden Dollar.

Dies ist auch deswegen überraschend, weil GoDaddy zwar über ein solides Geschäftsmodell verfügt, es jedoch bislang nicht gelungen ist, schwarze Zahlen zu schreiben. Obwohl das Unternehmen als eines der Internet-Pioniere gilt und sich als Marktführer etabliert hat, wurde der Ausgabekurs von vielen Experten kritisch gesehen. Mit der deutlichen Steigerung hat GoDaddy nicht nur sie überrascht, sondern auch für einen der größten Börsengänge im bisherigen Jahr gesorgt. Mit Uber, Spotify, Pinterest, Snapchat und Airbnb soll das Jahr 2015 ohnehin das Jahr der IPOs von Technik-Unternehmen werden. In Deutschland möchte Scout24 den Sprung an die Börse wagen. Bislang halten sich die US-Amerikanischen Unternehmen jedoch noch zurück. Im ersten Quartal konnten die USA nur 34 IPOs verzeichnen.

Den Gang an die Börse wollte GoDaddy ursprünglich bereits im Jahr 2006 unternehmen, verwarf das Vorhaben jedoch in letzter Minute. Stattdessen investierten die Beteiligungsgesellschaften KKR und Silver Lake rund 2,25 Milliarden US-Dollar in das Unternehmen. Nun hat sich der Börsenwert im Vergleich zum Übernahmezeitpunkt fast verdreifacht. Die Entscheidung für die Beteiligungsgesellschaften traf GoDaddy damals aufgrund der Marktbedingungen und der Tatsache, dass Gründer und damaliger GoDaddy-CEO Bob Parsons zum einen nicht das Gefühl hatte, dass der Börsengang notwendig sei, zum anderen aber auch die Schweigsamkeit vor dem Börsengang dem Unternehmen nicht gut tue.

Den Zulassungsantrag stellte das 18 Jahre alte Unternehmen bereits im Juni 2014. Mit zehn Monaten Wartezeit war lange Zeit nicht klar, ob GoDaddy diesmal tatsächlich an die Börse geht. Nun ist die Aktie unter dem Tickersymbol GDDY an der New York Stock Exchange handelbar.

Hintergrund des Unternehmens

Mir rund 13 Millionen Kunden ist GoDaddy der größte Domain-Registrar der Welt und hat sich zusätzlich als Webhoster einen Namen gemacht. Derzeit verwaltet der Börsenneuling 59 Millionen Domains, was einen Gesamtanteil von rund einem Fünftel an allen registrieren Domains weltweit ausmacht. Täglich kommen rund 50.000 neue Domains hinzu.

In den USA ist GoDaddy auch wegen seiner Werbung während des Super Bowl bekannt. Die provokativen Spots sorgen regelmäßig für Kontroversen.

Das bereits 1997 gegründete Unternehmen bietet die Registrierung von Domains, Webdesign-Service, Hosting und Sicherheitstools und bietet so die Möglichkeit, einen Online-Shop zu erstellen und zu verwalten. Inzwischen resultiert ein Großteil der Einnahmen von GoDaddy aus diesen zusätzlichen Serviceleistungen. Die Zielgruppe besteht hauptsächliche aus kleinen und mittelständischen Unternehmen, Privatunternehmern und Hobbyisten.

Wachstumspotenzial des Internet-Pioniers

Die Marktmöglichkeiten von GoDaddy gelten als nachhaltig. Laut der U.S. Small Business Administration gab es noch im Jahr 2012 28 Millionen Kleinunternehmer mit größtenteils weniger als fünf Angestellten, die nur auf wenig technologisches Hintergrundwissen zurückgreifen konnten. Im Jahr 2013 waren zudem mehr als die Hälfte aller kleinen Unternehmen in den USA nicht mit einer eignen Webseite im Internet präsent. Der Kernmarkt für GoDaddy gilt also immer noch nicht als vollständig erschlossen.

Zudem ist auch die internationale Expansion Teil der Geschäftsstrategie. Ende 2014 stammten ungefähr 28 % aller GoDaddy-Kunden nicht aus den USA. Vor allem in Kanada, Indien und in Großbritannien konnte sich der Hosting-Dienst einen beachtlichen Kundenstamm aufbauen. GoDaddy investiert zudem in Technologie, Marketing und Kundendienst um die internationale Präsenz des Unternehmens weiter zu steigern.

Um das Wachstum von GoDaddy weiter voranzutreiben, setzt der Webhoster auch auf Akquisitionen und Partnerschaften. In der jüngeren Vergangenheit hat das Unternehmen Microsoft Office 365 als Reseller unterstützt. Im Zusammenarbeit mit PayPal hat GoDaddy zudem eine App entwickelt, die es kleinen Unternehmen ermöglicht, mobile Zahlungen direkt zu empfangen. GoDaddy kann also bei den Partnerschaften nicht nur auf namhafte Unternehmen setzen, sondern erschließt dabei auch Zukunftsmärkte.

Die finanzielle Situation von GoDaddy

Für Sorgenfalten könnte allerdings der wirtschaftliche Hintergrund von GoDaddy sorgen. Zwar ist das Umsatzwachstum mit 23 % auf 1,4 Milliarden US-Dollar im Jahr 2014 solide und erstreckt sich auf sämtliche Geschäftszweige. So konnte sich das Unternehmen bei der Verwaltung und Verkauf von Domains um 14 % steigern und auch im Hosting-Geschäft ein Plus von 33 % verbuchen. Allerdings kann das Unternehmen nach wie vor nicht in der Lage, schwarze Zahlen zu schreiben. Der operative Verlust hat sich im Jahr 2014 mit 61,9 Millionen Dollar im Vergleich zum Vorjahr mit 131,9 Millionen US-Dollar halbiert.

Als problematisch gelten zudem die vergleichsweise hohen Schulden von 1,4 Milliarden Euro, die das Unternehmen aufweist. GoDaddy will allerdings zumindest einen Teil des Ertrages durch den Börsengang dafür verwenden, die Schulden abzutragen. Geschuldet ist der Schuldenberg natürlich auch der Tatsache, dass sich das Unternehmen 2006 gegen den Börsengang und für die Private-Equity-Investoren entschieden hatte.

Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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