Gewinner und Verlierer der Euroabwertung

Unsere Empfehlung - Kostenloses DemokontoDer Euro verliert immer mehr an Wert, während der Dollar steigt. Wem nutzt diese Situation und wer verliert? Experten und Landesbanken hoffen, dass die Exporte steigen und damit das Wirtschaftswachstum in Europa angekurbelt wird. Davon können die Mitgliedsstaaten aber unterschiedlich stark profitieren.

Allein 2014 verlor der Euro 20 % seines Werts gegenüber dem Dollar. Im Vergleich mit 38 weiteren wichtigen Handelspartner verlor der Euro im vergangenen Jahr 19 %. Dies führt zu einer höheren Nachfrage nach Produkten aus der Eurozone. Die Folge ist ein stärkeres Export- und Wirtschaftswachstum. Dies erhoffen sich zumindest Wirtschaft und Notenbanken.

Verbraucher sind die Verlierer

Euro

Der Verbraucher ist der Verlierer , Quelle:www.pixabay.com

Verlierer des schwachen Euros sind wohl vor allem die Verbraucher. Der USA-Urlaub wird teurer, der Preis für Importgüter wie Kaffee steigt. Auch asiatische Elektrogeräte verteuerten sich. Noch spüren die Konsumenten den Preisanstieg nicht so deutlich, da der Preisverfall des Rohöls für niedrige Benzin- und Heizölpreise sorgt.

Für Anleger ist die Situation komplexer und bietet ihnen durchaus Chancen. Anleger in Ländern, deren Währungen gerade im Aufwind sind, sind im Vorteil. Seit Monaten verkaufen große Anleger ihre Euro-Anleihen, um Dollar-Anleihen zu kaufen. Zudem gibt es am US-Kapitalmarkt etwas höhere Zinsen. Und auch die Wechselkursgewinne lohnen sich. Allerdings ist auch das umgekehrte Phänomen zu beobachten: Große Anleger verkaufen in der letzten Zeit amerikanische Aktien, um Euro-Aktien zu kaufen. Diese Umschichtung trägt auch zum Höhenflug des deutschen Aktienmarkts bei. Der Grund ist, dass die Anleger steigende Gewinne bei europäischen Unternehmen durch einen starken Export erhoffen.

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Verstärktes Wachstum nicht für alle

Verstärktes Wachstum ist eine gute Nachricht für die Eurozone, die für jede neue Wachstumsmöglichkeit dankbar ist. Dennoch wird nicht jeder Mitgliedsstaat gleichermaßen profitieren. Staaten mit einem hohen Exportanteil werden die positiven Auswirkungen des schwachen Euros stärker spüren. Im Handel zwischen den Staaten aus der Eurozone spielt der Wert des Euros jedoch keine Rolle.

Ein Teil des Wachstumseffekts verpufft, da Importe von außerhalb der Eurozone teurer werden. Daher wird man zunehmend versuchen, diese Produkte durch Produkte aus der Eurozone zu ersetzen, was sich wiederum vorteilhaft auf den Exporteur aus dem Euroland auswirkt. Wenn man das betroffene Produkt jedoch nicht durch ein Produkt aus einem Euroland substituieren kann, wird der Effekt des Wirtschaftswachstums gedämpft. Und je weniger Produkte ein Staat aus anderen Mitgliedsstaaten beziehen kann, umso stärker wirkt sich das negativ auf sein Wirtschaftswachstum aus. Oft müssen neue Lieferbeziehungen auch erst etabliert werden, was eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen kann. Außerdem spielt der Preis und die Nachfrage nach dem Produkt eine Rolle.

Exportstarke Nationen als Gewinner?

Man erwartet demnach, dass Staaten, die viel außerhalb der Eurohandelszone exportieren, aber wenig von dort importieren, zu den Gewinnern des schwachen Euros zählen. Staaten wie Deutschland und Irland exportieren deutlich mehr außerhalb der Eurozone, als sie von dort importieren. Irland exportiert ein Drittel seines Bruttoinlandsproduktes und importiert nur 24 %. Dazu kommen Staaten wie Italien oder Frankreich, die ebenfalls mehr nach außerhalb der Eurozone exportieren, als sie importieren – allerdings mit weniger deutlichen Abständen. Dazu kommen Staaten wie die Niederlande oder Griechenland, die zum Teil deutlich mehr von außerhalb der Eurozone importieren, als exportieren.

Bei den Niederlanden liegt dies jedoch darin begründet, dass ein großer Teil des Handels auf dem Rotterdamer Hafen, dem größten Tiefseehafen Europas, stattfindet. Der Handel dort profitiert aber auch vom stärkeren Wachstum der Exporte in anderen Euroländern. In Spanien liegt der Anteil der Importe nur ein wenig über dem Anteil der Exporte. Und Griechenland und Zypern exportieren insgesamt wenig.

Damit werden Staaten wie Deutschland und Irland, aber auch Frankreich oder Italien die positiven Auswirkungen des schwachen Euros erfahren. Spanien wird ebenfalls profitieren, da die Nachfrage nach Exportgütern bei niedrigeren Preisen stärker steigt, als in andren Staaten. Griechenland und Zypern, die derzeit sowieso arg gebeutelt sind, dürfen keinen Wachstumseffekt durch den schwachen Euro erwarten.

Gezielte Währungsabwertung

Mehr als 20 Zentralbanken haben seit Dezember ihre Geldpolitik gelockert und ihre Leitzinsen weiter gesenkt. Zudem haben mehrere Zentralbanken, darunter auch die EZB, den Kauf von Staatsanleihen beschlossen. Doch nicht nur in Europa, sondern in allen Teilen der Welt, lässt sich diese Entwicklung derzeit beobachten. Das Ziel ist, die eigene Währung am Devisenmarkt abzuwerten, um Wettbewerbsvorteile und Wachstumseffekte durch die Verbilligung von Waren im Außenhandel zu erreichen.

Dabei sind die Erfolgsaussichten aber unsicher. Deutlich wird nur, dass die Angst vor einer starken Währung wächst. Auch in den USA werden die Sorgen größer, obwohl der Dollar momentan sehr stark ist. Unternehmen, die viel exportieren, klagen zunehmende über den starken Dollar. Als Folge hat die US-Notenbank Federal Reserve in der vergangenen Woche ihre Erwartungen für das Wirtschaftswachstum gesenkt.

Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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