Germanwings-Airbus stürzt in Südfrankreich ab

Der Absturz des Airbus A320 ist eine menschliche Katastrophe. Aller Wahrscheinlichkeit nach kamen alle 150 Insassen, darunter 67 und mehr als 40 Spanier, bei dem Absturz ums Leben. Auch Opfer aus Süd- und Mittelamerika, England, Australien und der Türkei werden befürchtet. Die Maschine der Lufthansa-Tochter Germanwings war am Dienstagvormittag in Barcelona gestartet und unterwegs nach Düsseldorf. In den südfranzösischen Alpen in der Region Barcelonnette kam es dann zu dem tragischen Absturz.

Der Absturz ist bislang rätselhaft. Die Maschine war in der Flugphase, in der in der Regel am wenigsten passiert. Die meisten Unfälle entstehen bei Start und Landung. Die Maschine von Germanwings war zwar mit ihren 24 Jahre zwar eines der älteren Flugzeuge, wurde aber regelmäßig gewartet. Germanwings liegt jedoch im Sicherheitsranking von Jadec, dem Ranking für Flugsicherheit des Hamburger Jet Airline Crash Data Evaluation Centres, deutlich hinter der Muttergesellschaft Lufthansa.

Rückschlag für Airbus

Herber Rückschlag für den Flugzeugbauer

Herber Rückschlag für den Flugzeugbauer , Quelle:Pressebild Deutsche Lufthansa

Diese Katastrophe trifft auch den Flugzeugbauer Airbus. Und für das deutsch-französische Unternehmen war dies bereits der dritte Schock innerhalb weniger Wochen. Im Dezember vergangenen Jahres stürzte ein Airbus A320-200 von Air Asia in die Java-See ab. 162 Menschen starben. Anfang März kam es bei Dreharbeiten für eine Reality-Show in Südamerika zu einem Unfall mit zwei Airbus-Hubschraubern. Zwei argentinische Piloten und acht Franzosen, darunter drei bekannte Sportler, kamen ums Leben.

Für Airbus ist der Absturz von A320 damit ein weitere Rückschlag. Dabei gehören die Flugzeuge von Airbus zu den meistverkauften. Derzeit fliegen mehr als 8000 Maschinen um die Welt. Und die Experten können derzeit über die Gründe für den Absturz nur spekulieren. Daher wurde am Dienstag in der Toulouser Airbus-Zentrale direkt ein Krisenstab einberufen. Wichtig ist für die Verantwortlichen zunächst die Aufklärung der Lage. Zudem schickt Airbus immer eigene Experten an die Unfallstelle. Diese sollen die Ermittler vor Ort unterstützen und Erkenntnisse für die Airbus-Produktion sammeln.

Aktien von Airbus und Lufthansa verlieren

Auf jede Katastrophe reagiert auch die Börse sofort. Die Lufthansa-Aktie sank daher gestern zeitweise um fünf Prozent. Zudem treffen derartige Flugzeugabstürze sowohl Hersteller, als auch Fluglinie. Die Airbus-Aktie verlor allerdings nur etwa drei Prozent.

Sowohl die Lufthansa- als auch die Airbus-Aktie gehörten kurz vor dem Absturz noch zu den Gewinnern an der Börse. Die Lufthansa-Aktie war am Dienstagvormittag zeitweise 14,06 Euro wert und damit auf einem Sechseinhalb-Wochen-Hoch. Bis zum Mittag wechselten mehr als doppelt so viele Wertpapiere der Fluggesellschaft ihren Besitzer, wie an einem gesamten Durchschnittstag. Die Lufthansa-Aktie erholte sich jedoch im Laufe des Tages wieder und war am frühen Nachmittag 2,4 Prozent im Minus.

Auch die Airbus-Aktie erholte sich im Laufe des Tages. Nachdem sie im MDAX mehr als drei Prozent verloren hatte, glich sie einen Teil ihrer Verluste im Laufe des Tages wieder aus und schloss bei einem Verlust von 1,7 Prozent. Die Händler verkauften beide Aktien, da kaum Informationen zum Absturz und zur Absturzursache vorlagen.

Neben der Lufthansa- und der Airbus-Aktie wirkte sich der Germanwings-Absturz jedoch auch auf andere Aktien der Branche aus. Luftfahrtwerte wie Ryan Air, Air France oder EasyJet verloren zwischen 0,4 und 0,7 Prozent. Airbus rutsche in Paris mit einem Minus von zwei Prozent ans Ende des Auswahlindexes CAC40.

Folgen für Lufthansa

Derzeit ist die Trauer um die Opfer groß. Alle Gedanken sind bei den Angehörigen. Dennoch wird der Absturz auch wirtschaftlich Spuren bei Lufthansa hinterlassen. In den vergangenen Jahren senkten hohe Pensionslasten, Fehlspekulationen und Kerosin den Unternehmensgewinn fast auf Null. Dieser Abwärtstrend könnte sich verschärfen. Zudem planten die Lufthansa-Piloten eigentlich, erneut zu streiken. Angesichts der Katastrophe in Frankreich wurden neue Streiks jedoch zunächst abgesagt.

Zudem wird bei Lufthansa wohl mittelfristig der gute Ruf als sehr sichere Fluglinie leiden. Bislang stand der Name Lufthansa immer für Sicherheit und Zuverlässigkeit. Und bei Airbus ist mit dem Mittelstreckenjet A320 die wichtigste Baureihe betroffen. Weltweit fliegen knapp 3200 Maschinen aus der Baureihe. Damit ist der A320 das erfolgreichste Modell von Airbus. Dieser Ruf könnte nun ebenfalls leiden. Für Lufthansa steht viel auf dem Spiel: technische und organisatorische Zuverlässigkeit, Vertrauen der Fluggäste, wirtschaftlicher Erfolg. Und in diesen Sog könnte auch Airbus mitgezogen werden.

Gemanwings wird es dagegen bald nicht mehr geben. Schon lange vor dem Absturz hat die Lufthansa verkündet, dass ab Herbst nur noch der Markenname „Eurowings“ verwendet wird. Für Lufthansa bietet die Eurowings-Tochter Kostenvorteile. Die Piloten haben dieselben Komfort-Bedingungen wie bei Lufthansa, verdienen aber deutlich weniger. Germanwings ist mit seinen 58 Maschinen nicht mehr billig genug; die Stückkosten liegen 20 Prozent über den Stückkosten von Eurowings.

Wie lange es das Unternehmen Germanwings noch geben wird, hängt jedoch auch von den Tarifgesprächen mit der Piloten-Vereinigung Cockpit ab. Lufthansa droht damit, dass die teuren Piloten von Germanwings zur Lufthansa versetzt werden. Die Maschinen könnten dann zu Eurowings mit billigeren Piloten wechseln.

Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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