Geheime Grexit-Pläne

Unsere Empfehlung - Kostenloses DemokontoGriechenland steht zwar nicht mehr so im Fokus, wie noch vor einigen Wochen, dennoch lassen einige Nachrichten von Zeit zu Zeit aufhorchen. So wie die Meldung der Zeitung Kathimerini am gestrigen Sonntag. Wenn Ihre Enthüllungen stimmen, plante Ex-Finanzminister Varoufakis eine Rückkehr zur Drachme und arbeitete an einem geheimen Plan B. Sollte dies stimmen, wäre das mehr als brisant.

Schon im Dezember des vergangenen Jahres soll Alexis Tsipras, damals noch nicht zum Premierminister gewählt, den damaligen Wirtschaftsberater Yanis Varoufakis damit beauftragt haben, an Plänen zu Arbeiten, wie man zur Drachme zurückkehren könne. Das Szenario, an dem auch andere führende Syriza-Mitglieder mitarbeiteten, wird sogar als Staatsstreich bezeichnet.

Linksextreme planten nationale Währung

Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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Was wusste Tsipras vom Grexit

Was wusste Tsipras vom Grexit

Am Abend des 14. Juli trafen sich führende linksextreme Syriza-Politiker im Hotel Oscar im Bahnhofsviertel der griechischen Hauptstadt. Am Vortag was Alexis Tsipras mit schlechten Nachrichten für das Land aus Brüssel zurückgekehrt. Im Gepäck hatte er jede Menge Spar- und Reformauflagen der internationalen Gläubiger. Daher traf man sich im Konferenzsaal des Hotels, wo Panagiotis Lafazanis, zu diesem Zeitpunkt noch Energieminister, vortrug, dass man die Einführung einer nationalen Währung plane. Dies sei von Anfang an der Plan gewesen, den man längst hätte umsetzten sollen. Aber es sei noch nicht zu spät.

Laut interner Angaben überschätzte Lafazanis dabei die Bargeldreserven des Landes. Zudem dürfen Scheine nur mit Zustimmung der EZB in Umlauf gebracht werden. Wenn die Beteiligten nun beispielsweise die Tresore mit den Bargeldreserven ausgeräumt hätten oder neue Scheine gedruckt hätten, wäre dies automatisch Falschgeld geworden.

Teil des Plans war es daher, Giannis Stournaras, den Gouverneur der griechischen Notenbank und Mitglied im Zentralbankrat der Europäischen Zentralbank (EZB), zumindest kurzfristig festzunehmen. Man ging nicht davon aus, dass er bei diesem abenteuerlichen Plan mitmachen würde. Diesen Vorschlag machte Ex-Energieminister Panagiotis Lafazanis, der auch Mitglied im Zentralkomitee des radikalen Linksbündnisses Syriza ist.

Lafazanis plante außerdem die Besetzung der staatlichen Münzanstalt, die Konfiszierung der in Griechenland gelagerten Bargeldbestände der EZB, die Verstaatlichung der griechischen Notenbank, inklusive der Absetzung sowie Verhaftung ihres Gouverneurs. Alles in allem wäre dies ein Staatsstreich.

Dieser Plan ging deshalb sogar manchen linksextremen Syriza-Anhängern zu weit. Staat eines Putschs einigte man sich auf eine parteiinterne Revolte. 39 Syriza-Abgeordnete stimmten gegen das Sparpaket der internationalen Gläubiger. Die Folge war eine Kabinettsumbildung, bei der neben Lafazanis und Varoufakis zwei weitere Minister ihre Positionen verloren.

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„Plan B“ von Yanis Varoufakis

Was wusste Alexis Tsipras? Von den Plänen der abtrünnigen Syriza-Abgeordneten soll er erst später erfahren und sich fassungslos gezeigt haben. Aber auch er arbeitete an einem Plan B. So beauftragte er bereits im Dezember, Yanis Varoufakis damit, eine „kleine, sehr fähige Mannschaft zusammenzustellen, die unter größter Geheimhaltung arbeitete“, so Varoufakis.

Diese Pläne drangen während einer Telefonkonferenz mit internationalen Analysten am 16. Juli in die Öffentlichkeit. Varoufakis arbeitete demnach an einem virtuellen, parallelen Bankensystem für den Übergang vom Euro auf die neue Währung. Varoufakis sagte, dass ein paralleles Banken- und Zahlungssystem notwendig sei, um die Wirtschaft am Laufen zu halfen und die Bevölkerung das Gefühl habe, dass der Staat die Kontrolle behalte. Den Kern des Systems sollte eine Internetplattform sein, über die in Griechenland normalerweise Steuern bezahlt werden. Dort sollten Reservekonten für jeden Bürger geschaffen werden. Später könnte dies dann mit Apps ausgebaut werden. Eine technische Hürde war allerdings, dass die betroffenen Computer im Generalsekretariat für Steuereinnahmen stehen. Die Abteilung wird jedoch von der Troika beherrscht. Daher wurde der Plan entwickelt, sich in das System der Abteilung einzuhacken. Wie weit der Plan ausgearbeitet wurde, ist unbekannt. Es kam nie eine weitere Autorisierung von Tsipras. Der Wunsch war es, dass die Umstellung über Nacht, quasi per Knopfdruck erfolgt, wenn Tsipras den Startschuss gibt. Aufgrund des großen technischen Aufwands holte sich Varoufakis Unterstützung von einem Jugendfreund, der heute Informatikprofessor an der Columbia University in New York ist.

Varoufakis sagte im Verlauf der Telefonkonferenz, dass diese Pläne geheim seien und wenn sie dennoch an die Öffentlichkeit kämen, würde er alles dementieren. Die Zeitung Kathimerini stellte den Wortlaut des mitgeschnittenen Gesprächs ins Internet. Wenn die Telefonkonferenz in der Tat so stattgefunden hat, lässt sich daran ablesen, wie weit Varoufakis in den Verhandlungen mit den internationalen Geldgebern gegangen wäre.

Irritation bei Opposition vor Verhandlungen mit den Gläubigern

Die Mitte-Rechts-Partei Nea Dimokratia, die sozialistische Pasok sowie die liberale Zentrumspartei To Potami verlangten eine Stellungnahme der Regierung. In einem gemeinsamen Statement heißt es, dass die jüngsten Enthüllungen politische, wirtschaftliche und moralische Fragen aufwerfen, die eingehend geprüft werden müssen.

Der Zeitpunkt der Enthüllungen ist durchaus unglücklich. Heute oder morgen sollen die Verhandlungen zwischen Griechenland und den Gläubigern über neue Finanzhilfen beginnen. Neben Vertretern der EU, der EZB und dem IWF sitzen erstmals auch Repräsentanten des Eurorettungsfonds ESM mit am Tisch. Ursprünglich sollten die Gespräche bereits am Freitag beginnen, wurden jedoch mehrfach verschoben. Die Gründe dafür sollen technische und organisatorische Ursachen haben.Unsere Empfehlung - Kostenloses Demokonto

Bildquelle: Pixabay

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