Gazprom wendet sich immer mehr von der EU ab

hauptsitz_vng_gruppe_2

Ausstieg beim ostdeutschen Gasversorger VNG, © VNG AG

Der russische Energiekonzern Gazprom steigt beim ostdeutschen Gasversorger VGN aus und wendet sich damit immer mehr vom europäischen Markt ab. Das Unternehmen orientiert sich auf dem europäischen Energiemarkt neu.

Gazprom betonte dennoch, dass man auch in Zukunft weiter mit der VGN zusammenarbeiten will. Beide Unternehmen sind am Gasspeicherprojekt „Katharina“ beteiligt. Dort wird der russische Konzern seinen Anteil von etwa 400 Millionen Euro behalten. Auch die Zusammenarbeit mit der Wintershall Holding in Kassel bleibt weiterhin bestehen. Wintershall hatte schon zuvor seine Anteile an der VGN abgegeben. Beide Unternehmen besaßen mit 26,31 Prozent der Aktien eine Sperrminorität. Nun hält der Konzern EWE mit 63,69 Prozent die Mehrheit an VGN. Im letzten Jahr hat Gazprom 6,3 Milliarden Kubikmeter Gas an VGN geliefert. Das ostdeutsche Unternehmen importiert auch Gas aus Norwegen und ist der einzige Großkonzern im Energiebereich in Ostdeutschland.

Druck auf Gazprom

Gazprom steht derzeit auch wegen niedrigen Energiepreisen und einer geringen Nachfrage auch in Deutschland unter Druck. Das ist aber nur einer der Gründe, die Beteiligung von 10,52 Prozent am Verbundnetz Gas Aktiengesellschaft mit Sitz in Leipzig aufzugeben. Der russische Konzern erhofft sich Einnahmen von etwa 200 Millionen Euro und ist Teil einer neuen Unternehmensstrategie. Bereits nach dem Aus für den Weiterbau der South Stream Pipeline Ende 2014 hatte Gazprom einen Kurswechsel für die gesamte russische Energiepolitik verkündet.

Alexej Miller, der Chef des Konzerns, sagte bereits im Dezember, dass der Stopp des Pipelineprojekts der Anfang vom Ende des Modells sein werde, bei dem man sich auf Lieferungen an den Endverbraucher auf dem europäischen Markt orientiert hat. Gazprom wird damit nicht mehr aktiv auf dem europäischen Energiemarkt einkaufen.

Damit werden im Bereich der Energie in Zukunft wohl weniger Geschäfte zwischen EU-Staaten und Russland zustande kommen. Zudem fühlt sich Gazprom durch die EU-Sanktionen infolge des Ukraine-Konflikts von der EU eingeschränkt. So ist unter anderem ein Kartellverfahren seitens der EU gegen Gazprom eingeleitet worden. Zudem wirft Gazprom den Ratingagenturen vor, sie missbrauchten die Bewertungen von Unternehmen als politisches Mittel.

Wie geht es für Gazprom weiter?

Sanktionen belasten die Beziehungen zu Gazprom

Sanktionen belasten die Beziehungen zu Gazprom, Bildquelle: Gazprom Presse-Zentrum

Bereits im September kam ein Geschäft mit BASF aufgrund der EU-Sanktionen nicht zustande. Doch nicht nur deshalb orientiert sich Gazprom seit einiger Zeit verstärkt nach Asien. Vor allem mit China sollen die Verbindungen ausgebaut werden, denn das Riesenreich benötigt massenweise Energie. Daher arbeitet Gazprom derzeit unter anderem am Pipelineprojekt Sila Sibirii (Kraft Sibiriens), um den östlichen Teil Chinas besser mit Gas zu versorgen. Zudem gibt es Pläne für eine Gaspipeline nach Südkorea.

BASF schließt allerdings nicht aus, dass es zu einem späteren Zeitpunkt doch noch zu einem Geschäft mit Gazprom kommen kann. In der aktuellen politischen Situation scheint das geplante Tauschgeschäft zwar sehr unwahrscheinlich, aber wenn sich die Beziehungen zwischen Russland und der EU wieder entspannen, könnte das Geschäft nachgeholt werden.

Trotz allem will Gazprom seien Position auf dem europäischen Markt aber nicht völlig aufgeben und auf dem Markt weiter mitverdienen. Daher werden nun die Pläne für eine Pipeline durch das Schwarze Meer bis in die Türkei ausgebaut. Die Pipeline soll an der türkisch-griechischen Grenze enden. Von dort aus kann das Gas an die Kunden in der EU weitergeleitet werden. Dafür müssen aber die Gasversorger in der EU in Zukunft selbst Leitungen zu den Endverbrauchern legen. Gazprom will keine Leitungen mehr in der EU bauen.

Um das Thema Energie wird es auch beim Besuch des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras in dieser Woche in Moskau gehen. Griechenland hofft, aufgrund seiner angespannten finanziellen Situation russisches Gas zu günstigen Konditionen zu bekommen.

Drastischer Gewinneinbruch

Zuletzt brach der Gewinn des russischen Konzerns um 70 Prozent ein. Die Gründe hierfür sind der Verfall des Rubels sowie der Konflikt mit der Ukraine. Im vergangenen Jahr betrug der Gewinn von Gasprom nach russischer Rechnungslegung nur noch 189 Milliarden Rubel. In dieser Zahl sind die Gewinne der Tochtergesellschaften wie Gazprom Neft jedoch nicht enthalten. Dieser Gewinneinbruch kann dazu führen, dass Gazprom seine Dividende pro Anteil von 7,2 auf zwei Rubel kürzt. In der Regel schüttet Gazprom 25 Prozent seines Gewinns an die Anteilseigner aus.

Der Rubel steht wegen dem Konflikt mit der Ukraine und den daraus resultierenden EU-Sanktionen seit Monaten unter Druck. Zudem verursachte das Aus für die South Stream-Pipeline hohe Kosten für Gazprom. Eigenen Angaben zufolge hat Gazprom eine Milliarde Dollar an seine Partner gezahlt. Damit wurden der Wintershall Holding, einer BASF-Tochtergesellschaft, dem italienischen Unternehmen Eni sowie dem französischen Konzern EDF Anteile am Betreiberkonsortium abgekauft. Gazprom habe dies freiwillig getan, aber die Risiken sollten aufgeteilt werden.

Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
Christian Habeck

Letzte Artikel von Christian Habeck (Alle anzeigen)

Bildquelle: Pixabay

Hier haben Sie die Möglichkeit den Artikel zu Kommentieren. Bitte beachten Sie die Nettiquete.

    © 2015 - brokervergleich.net | auch auf Google+
    Impressum & Risikohinweis Bildnachweise Über uns