Fusion von Rüstungskonzernen

Noch in dieser Woche wird die Fusion des deutschen Rüstungskonzerns Krauss-Maffei Wegmann (KMW) mit seinem französischen Konkurrenten Nexter endgültig über die Bühne gehen. Am Mittwochnachmittag wird es im französischen Verteidigungsministerium eine Pressekonferenz geben.

Demnach wird am Mittwoch die Unterschrift zwischen der Eigentümerfamilie Bode für KMW, die vor allem für den Leopard-Panzer bekannt sind, und dem französischen Staat in Vertretung für Nexter, erfolgen. Dann entsteht eine Holding nach niederländischem Recht. Als Name des neuen Unternehmens ist „Newco“ vorgesehen. Die Holding hält dann alle Anteile an beiden Firmen.

Fusion schon lange angekündigt

Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
Christian Habeck

Letzte Artikel von Christian Habeck (Alle anzeigen)

Bereits vor über einem Jahr wurden die Pläne der beiden Unternehmen bekannt. Nun wird die wohl spektakulärste Unternehmensfusion im Rüstungsbereich seit Jahren offiziell. Die beiden Firmen aus München und Paris erwirtschaften zusammen rund zwei Milliarden Euro und beschäftigen 6.000 Mitarbeiter. Die Fusion ermöglicht, dass beide Unternehmen im internationalen Wettbewerb besser bestehen können, zumal die Verteidigungsbudgets beider Länder gesunken sind.

Eine Fusion dieser Größenordnung bedarf der Zustimmung der Kartellämter in Deutschland und Frankreich. Zudem muss Frankreich zunächst ein gerade verabschiedetes Gesetz über Wirtschaftsreformen veröffentlichen. Auf der Grundlage dieses Gesetzes wird Nexter dann privatisiert. Bislang gehört Nexter dem französischen Staat, der in Zukunft die Hälfte der Anteile in Form einer privaten Holding halten wird. Die nationalen Exportvorschriften bleiben jedoch zunächst in kraft. Dennoch hört man aus der französischen Regierung, dass man an einer Harmonisierung der Vorschriften für den Export arbeite. Es behindere die Wirtschaft, wenn sich ein Unternehmen an die Regeln mehrerer Länder richten muss.

Im Juli 2014 war der Plan, eine Holding unter dem Namen Kant (K(MW) And Nexter Together) zu gründen. KMW-Chef Frank Haun und Phillippe Burtin, der Chef von Nexter, unterzeichneten am 1. Juli 2014 in Paris eine entsprechende Grundsatzerklärung. Aus diesem Projekt hat sich nun Newco entwickelt. Gemeinsam wollen die beiden Unternehmen nun die europäische Nummer 1 bei der Herstellung von Kampfpanzern werden und einen Auftragsbestand von 6,5 Milliarden Euro umsetzen. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen will zudem, dass die Entwickelung eines Nachfolgers für die aktuellen deutschen und französischen Kampfpanzer bis 2030 abgeschlossen ist.

Verteidigungsindustrie leidet unter Sparkurs der Bundeswehr

Schon seit Jahren sinken die Verteidigungsbudgets in Deutschland und Frankreich. KMW plant daher schon lange, sich neu aufzustellen. Eine Fusion mit dem Konkurrenten aus Roanne, einer Stadt im Nordwesten von Lyon, kommt den Münchenern daher gerade recht. Aus der Politik hagelte es jedoch bereits vor einem Jahr Kritik. Dennoch hielten beide Unternehmen an den Plänen einer Fusion nach dem Vorbild von Airbus fest.

Nicht nur, dass Rüstungsgeschäfte von jeher kritisch beäugt werden, auch aus anderen Gründen lehnen Kritiker die Fusion strikt ab. So befürchtet man in Teilen der SPD, dass aus KMW immer mehr ein französisches Unternehmen wird und eine mit Steuermitteln aufgebaute Technologie ins Nachbarland abwandern würde. Die Franzosen sind zudem nicht so streng, wenn es um Rüstungsexporte geht. Außerdem wird immer deutlicher, dass in dieser sensiblen Branche gemeinsame Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen und die militärische Ausrüstung standardisiert und vereinheitlicht werden muss.

Fusion unter schwierigen Vorzeichen

Kampfpanzer Leopard 2 A5 bei einer Lehr- und Gefechtsvorführung.

Kampfpanzer Leopard 2 A5 bei einer Lehr- und Gefechtsvorführung.

Bei KMW stellt man die Notwendigkeit, Soldaten die beste Ausrüstung zu geben, in den Fokus der Arbeit. Das Unternehmen stellt nicht nur den Kampfpanzer Leopard 2 her, sondern auch den Transportpanzer Boxer, der beispielsweise beim Bundeswehreinsatz in Afghanistan genutzt wurde. KMW-Chef Haun kritisiert zudem, dass in Europa verschiedene Systeme im militärischen Bereich angewendet werden. Diese Produktvielfalt ist zu kompliziert und nicht mehr zu finanzieren. Daher ist es das Ziel vom KMW, die Ausrüstung der Armee mit Panzern, Haubitzen oder anderen Transportfahrzeugen zu vereinheitlichen. Dieses Ziel will man jetzt gemeinsam mit Nexter erreichen.

Doch die Fusion könnte Arbeitsplätze auf beiden Seiten des Rheins kosten. Zudem werden Rüstungsfirmen bald nicht mehr allein überleben. Die Absatzmärkte werden kleiner, die Kosten steigen. Damit werden Exporte in alle Welt immer schwieriger. Die Bundesregierung führt immer restriktivere Regelungen und Exportgenehmigungen für Rüstungsgüter ein. Und auch im eigenen Land wir immer weniger militärische Ausrüstung benötigt. So besaß allein die Bundeswehr früher 2.100 Leopard-2-Kampfpanzer, heute nur noch 328. Damit ist es nicht verwunderlich, dass sich die Unternehmen der Rüstungsindustrie neue Absatzmärkte suchen und Länder, die weniger strikte Vorgaben für Rüstungsexporte machen.

Bildquelle: Pixabay

Hier haben Sie die Möglichkeit den Artikel zu Kommentieren. Bitte beachten Sie die Nettiquete.

    © 2015 - brokervergleich.net | auch auf Google+
    Impressum & Risikohinweis Bildnachweise Über uns