Der Flash Crash

Im Falle des als „Flash Crash“ bekanntgewordenen Bilanzabsturz des Dow Jones im Mai 2010 scheint das US-Justizministerium nun den Schuldigen ausgemacht zu haben. Der britische Händler Navinder Singh Sarao soll für den kurzzeitigen Einbruch um 600 Punkte verantwortlich sein.
Börsenmanipulation durch Spoofing

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600 Punkte verlor der Dow Jones , Quelle:Screenshot Reuters

Sarao soll den Kurseinbruch durch sogenanntes „Spoofing“ oder „Layering“ ausgelöst haben. Dabei wird in sehr kurzer Abfolge eine große Anzahl an Verkaufsaufträgen aufgegeben, die minimal über dem besten Verkaufsangebot liegen. Damit schaffte Sarao den Eindruck, dass ein hoher Verkaufsdruck vorhanden ist. Andere Händler reagierten auf die scheinbare Marktlage und verkauften ihre Papier. Sarao selbst soll dann die Aktien günstig gekauft haben. Die daraufhin folgende Erholung soll er genutzt haben, um vom Wiederanstieg der Papiere zu profitieren. Nach Angaben der amerikanischen Regierung soll Sarao an diesem Tag fast 900.000 US-Dollar verdient haben. Zuvor hatte er seine Aufträge rund 19.000 Mal geändert. Dafür nutzte er eine spezielle Software.

USA fordert Auslieferung und droht mit empfindlicher Haftstrafe

Nun droht dem 37-jährigen Händler eine Haftstrafe wegen Überweisungsbetruges und Börsenmanipulation. Der in Punkten gemessen stärkste Kurssturz in der Geschichte der Wall Street soll bei Weitem nicht das einzige Vergehen des Londoners gewesen sein. Insgesamt soll er zwischen 2010 bis 2014 rund 40 Millionen Dollar verdient haben. Sollte sich Großbritannien für die Auslieferung entscheiden, droht Sara eine Gefängnisstrafe von bis zu 380 Jahren. Die Anklage wurde bereits im Februar zugelassen, wurde jedoch jetzt erst der Öffentlichkeit bekannt. Sarao selbst soll die Märkte zum letzten Mal im April dieses Jahres die Märkte manipuliert haben.

Sarao war am Dienstag verhaftet worden, erklärte vor einem Londoner Gericht jedoch mit einer Auslieferung nicht einverstanden zu sein. Am gleichen Tag hatte das US-Justizministerium offiziell bestätigt, seine Auslieferung beantragt zu haben. Der Richter setzte eine Kaution von 5,05 Millionen Pfund (7,1 Mio. Euro) fest. Wie sich das gerichtliche Prozedere fortsetzen wird, ist jedoch unklar.

Sarao war den Behörden vor dem Crash bekannt

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Sarao war den Börsen bekannt , Quelle:Screenshot CME Group

Der Einfluss von Sarao an den Wirtschaftsmärkten ist dabei nicht zu unterschätzen. Auch in der Folge nutzte er eine von ihm modifizierte Software, die es ihm erlaubte, mit außergewöhnlich hohen fiktiven Beträgen zu jonglieren. Wären seine Order durchgegangen, hätten seine Geschäfte durchschnittlich ein theoretisches Volumen von 7,8 Milliarden Dollar täglich erreicht. Die Verkaufsorder von Sarao machten nach Angabe der Derivateaufsicht an manchen Tagen bis zu 40 Prozent aller aktiven Verkaufsorder aus.

Auch vor dem Flash Crash war Sarao kein Unbekannter. Neben der Chicago Mercantile Exchange (CME) sollen auch andere Börsen in Europa und Amerika gewusst haben, dass der 37-Jährige routinemäßig Order aufgab und wieder stornierte. Als der CME auffiel, dass Sarao Eröffnungspreise beeinflusste, nahm sie Kontakt zum Händler auf. Dieser teilte der CME im März 2010 mit, dass er lediglich einem Freund zeigen wolle, welchen Schaden Hochfrequenzhändler auf der Angebotsseite des Marktes anrichten würden. Am 6. Mai kontaktierte die CME erneut und ermahnte ihn, dass Aufträge mit dem Ziel gegeben werden müssen, die Transaktionen auch tatsächlich durchzuführen. Seinem Broker soll Sarao drei Wochen später gesagt haben, er habe die CME angerufen und ihr gesagt, dass sie ihn mal kreuzweise könne.

Hochfrequenzhandel in der Kritik

Auch wenn Hochfrequenzhandel nicht verboten ist, darf die Technologie nicht dafür genutzt werden, Preise künstlich nach oben oder unten zu treiben. Beim Hochfrequenzhandel ist es üblich, innerhalb von Millisekunden Aktien zu kaufen und zu verkaufen. Die erzielte Differenz ist aufgrund des kurzen Zeitraumes in der Regel nicht all zu groß, aufgrund der Anzahl der gehandelten Papiere innerhalb eines kurzen Zeitraumes kann Hochfrequenzhandel jedoch dennoch einträglich sein. Der Erfolg dieser Handelsstrategie basiert ausschließlich auf Algorithmen und Schnelligkeit von Software und Hardware. Sarao ist einer der Ersten, der bewiesen hat, dass es auch Einzelpersonen möglich ist, bedeutende Kursveränderungen herbeizuführen.

Aitan Goelman von der US-Börsenaufsicht CFTC geht allerdings nicht davon aus, dass Sarao die alleinige Schuld am Flash Crash trifft. Der Markt sei aufgrund der Schuldenkrise in Europa angespannt gewesen und hätte nervös auf Änderungen reagiert. Dass der Handel mit „E-Minis“ die Ursache des Flash Crashs war, wurde jedoch schnell vermutet. Allerdings hatten die Behörden die Schuldigen unter den institutionellen Investoren vermutet. Die Fondsgesellschaft Waddel & Reed galt einige Zeit als Hauptverdächtige. Anscheinend hatte tatsächlich eine schlechte Programmierung bei der Gesellschaft dazu geführt, dass die Gesellschaft den Crash durch einen umfangreichen Verkauf begünstigte.

Als Reaktion auf den Flash Crash hat die Börsenaufsicht ein neues Sicherungssystem eingeführt. Aktien des Index S&P 500 werden seitdem vom Handel ausgesetzt, wenn sich der Kurs innerhalb von fünf Minuten um mehr als zehn Prozent verändert. Dadurch können mögliche Fehler in elektronischen Handelssystemen erkannt und behoben werden.

Hochfrequenzhandel wird in den USA aufgrund des Manipulationspotentials bereits seit Monaten kritisiert. Als Auslöser für die weitreichende politische Diskussion um manipulierte Märkte gilt das Buch „Flash Boys“ von Michael Lewis. Dieser hatte selbst eine Börse gegründet, bei dem alle hereinkommende Orders verlangsamt werden. Die SEC plant, die Regulierungen für Hochfrequenzhändler weiter zu verstärken.

Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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