Ein Trading-System für den Feierabend

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Vom Einfachen zum Komplizierten

Jedes Handelssystem entsteht aus einer einfachen Idee. Seltsamerweise wird sehr oft im Lauf der Weiterentwicklung ein kompliziertes Objekt daraus. So werden zum Beispiel stetig neue Ausnahmen eingebaut. Gerne arbeitet man auch mit Filtern, die bestimmte Marktzustände meiden. Ehe man sich versieht, ist das ursprünglich einfache System kompliziert. Das Ergebnis kann man als Über-Optimierung betrachten. In der Theorie verspricht das System tolle Ergebnisse, doch in der Praxis kann es diese nicht bestätigen.

Gute Kennzahlen eines Systems sind nicht alles

Jedes Handelssystem kann mit Kennzahlen beschrieben werden. Die wichtigste Kenngröße ist vielleicht der Profitfaktor (Summe der Gewinne / Summe der Verluste). Viele Entwickler stellen den Profitfaktor über alles, da er eine Rentabilität des Systems verspricht. Wichtig sind auch die Trefferquote, die Payoff-Ratio (Durchschnittsgewinn/Durchschnittsverlust) und einige andere Kennziffern, die sich mit der Gleichförmigkeit der Kapitalkurve beschäftigen.

Gewinn und Risiko müssen im Einklang stehen

Die meisten Systementwickler streben einen möglichst hohen Profitfaktor an. Doch ist der hohe Profitfaktor immer anstrebenswert? Es könnte ein Handelssystem auch attraktiver sein, wenn der Profitfaktor niedriger wäre, aber dafür die absolute Gewinnhöhe je Betrachtungszeitraum höher wäre.

Vergleichbar wäre das mit einem Kaufmann, der bei einem Produkt nur eine geringe Handelsspanne hat, doch das Produkt mengenmäßig im großen Stil verkaufen kann.

So könnte das auch beim Trading ablaufen. Mit einer erhöhten Handelsfrequenz könnte demnach ein „durchschnittliches“ Handelssystem durchaus höhere Gewinne produzieren. Und was nutzt ein Handelssystem mit einem Profitfaktor von 10, wenn im Jahr nur ein Signal entsteht?

So werden Sie zu einem Feierabend-Trader

Beim Börsenhandel muss stets eine klare Logik dahinterstehen. Es ist das Fundament, das innere Sicherheit bringt, wenn das Trading weniger optimal läuft.

Im Nachfolgenden stelle ich Ihnen ein System vor, dass Sie sogar neben der üblichen Berufstätigkeit handeln könnten. Das Handelssystem zielt speziell auf den DAX-Future ab, könnte aber leicht auf andere Handelsobjekte mit ähnlicher Handelslogik übertragen werden.

So funktioniert die Handelsidee:

Der DAX kann mit Hilfe des Dax-Futures (FDAX) von 8:00 bis 22:00 Uhr gehandelt werden. Innerhalb des Handelstages gibt es eine zeitliche Überschneidung zu den US-Aktienmärkten. Der FDAX läuft relativ eigenständig, bis die US-Märkte um 15:30 Uhr eröffnen. Ab diesem Zeitpunkt passt sich der FDAX dem US-Markt an, und die beiden Märkte laufen mehr oder weniger synchron. Die führende Rolle übernimmt der US-Aktienmarkt (zum Beispiel S&P 500). Seine völlige Eigenständigkeit verliert der FDAX ab ca. 18:00 Uhr. Das liegt am Handelsschluss um 17:30 Uhr für den elektronischen DAX-Handel auf XETRA. Danach schließen viele Profis ihre Handelsbücher für den Handelstag. Das Handelssystem ist im Kern ein eine Spekulation auf den amerikanischen Aktienmarkt, nur dass dafür der FDAX benutzt wird.

Aktienmärkte mit zwei Schwungphasen

Die meisten Handelstage teilen sich in zwei Schwungphasen auf. Es gibt die erste stärkere Bewegung am Vormittag und eine zweite am Nachmittag. Allerdings müssen die Vormittags- und Nachmittagsbewegungen nicht in die gleiche Richtung zeigen.

An der EUREX, wo der DAX-Future gehandelt wird, dünnt sich das Handelsvolumen erkennbar aus. Für kapitalstarke Tradingprofis ist der Handel in den Abendstunden damit unattraktiver. Für den Privat-Trader spielt das geringe Handelsvolumen keine Rolle. Die Liquidität ist nämlich weiterhin hoch, so dass bis zu 5 Handelskontrakte problemlos gehandelt werden können.

Ab 18:00 Uhr sind die wichtigsten Wirtschaftsmeldungen abgearbeitet. Die Umkehr der Marktrichtung ist deshalb nicht einfach. Meistens behält der Markt seine Tendenz bei. Das ist der besondere Markteffekt, den der Feierabend-Trader ausnutzen will.

Einstieg in den DAX:

Der Einstieg basiert auf dem Stunden-Chart des FDAX erfolgt um ungefähr 18:00 Uhr. Das Signal, ob long oder short, muss auf einem Momentum-Indikator basieren. Hierzu eignet sich z.B. RSI, TRIX, CMO und noch viele andere.

Für den geübten Charttechniker mag der Einstieg exakt um 18:00 Uhr wie eine Beleidigung seiner Fähigkeiten sein. Tatsache ist jedoch, dass die Entscheidungsbildung über den Momentum-Indikator und die Uhrzeit, so einfach ist, dass auch der Anfänger problemlos das Handelssystem nutzen kann. Bei Bedarf kann der Einstieg noch weiter verfeinert werden. Er sollte jedoch stets im Einklang mit dem Momentum-Indikator sein.

Eine der wichtigsten Empfehlungen, die man geben kann, ist das Verlassen des Computers nach der Positionseröffnung. Nur so vermeidet man die immanente Versuchung in den Trade einzugreifen.

Einstiegs-Setup:

FDAX-Stunden-Chart

RSI(5) mit einfachen GDL(20) als Signalgeber.

Einstieg long, wenn der RSI über dem GDL um ca. 18:00 Uhr steht, und das RSI-Limit von 80 nicht überschritten wurde.

Einstieg short, wenn der RSI unter dem GDL um ca. 18:00 Uhr steht, und das RSI-Limit von 20 nicht unterschritten wurde.

 

RSI = Relative Stärke Index nach Welles Wilder

GDL = Einfache gleitende Durchschnittslinie des RSI

 

Ausstieg

Der Ausstieg wird nur als Zeitstopp ausgeführt, und zwar zur Eröffnung des nächsten Tages um ca. 8:00 Uhr. Es gibt keine Trailingstops oder sonstige komplizierten Ausstiegsvariationen.

System-Feierabend-Trader

Bild 1: Stunden-Chart des DAX-Futures mit RSI(5) und GDL(20) als Signalgeber.

Die Handelsergebnisse der vergangene Jahre (von 01.01.2012 – 21.05.15

Insgesamt 705 Trades mit 20 Euro Handelskosten (10 Euro beim Einstieg und 10 Euro beim Ausstieg).

 

So hätten die Handelsergebnisse im Testzeitraum ausgesehen:

Trefferquote:                         54,04%

Payoff-Ratio:                         1,13

Profitfaktor                            1,32

Gesamtkapitalgewinn        69,46%  (jährliche Rendite von 16,85%)

 

Kapitalkurve Feierabend-Trader

Bild 2: Die Kapitalkurve mit dem einfachen Handelssystem bei einem theoretischen Startkapital von 100000 Euro.

 

Ansatz für Erweiterungen

Das einfache Handelssystem bietet viele Verbesserungsansätze. So sind niedrige Handelsgebühren äußerst wichtig. Dabei gilt generell: Je höher die Handelsfrequenz ist, desto niedriger sollten die Gebühren sein. Das vorgestellte Handelssystem sollte unbedingt durch den Filter der Volatilität betrachtet werden. Eine hohe Volatilität ist in der Regel ein Ausdruck von Angst und Gier unter den Marktteilnehmern. Das wiederum führt zu heftigen unkontrollierten Kursbewegungen und zunehmend zu Risiko.

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